Diskussionsbeitrag zu: hundert Jahre "Wie
erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?" (1904/05)
4. Der anthroposophische Schulungsweg und das Yoga Sutra - eine Gegenüberstellung
4.0 Vorüberlegungen
4.1 Das Interesse am Yoga in der Theosophischen
Gesellschaft
- a) Blavatsky
- b) Besant - c) Hartmann, Judge,
David-Néel
- d) Charles
W.Leadbeater e) Rudolf Steiner -
- f) Yogapraxis in
der Mizraim - Freimaurerei und im O.T.O.
4.2 "Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren
Welten?" und das "Yoga Sutra" - eine Gegenüberstellung
4.3 Überlegungen zur Chakralehre
4.4 Kritik und Würdigung
Zu den Fußnoten
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Abhandlung
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Zu den Literaturangaben
Steiner hat immer den größten Wert darauf gelegt, einen eigenen meditativen Weg zu gehen, der sich vom östlichen Yoga unterscheidet und der in der Kulturwelt des Abendlandes verankert ist.
Das ist eine etwas verkürzte Darstellung des Sachverhaltes. Die hier vorgelegte Analyse kommt zu dem Schluss, dass Steiner seinen meditativen Schulungsweg in Anlehnung und gleichzeitiger Abgrenzung zum Yoga entwickelt hat. Der Grund dafür liegt darin, dass der Yoga ein viel diskutiertes Thema, mit dem sich viele Theosophen - voran Annie Besant - beschäftigten und den damals auch so mancher zu praktizieren suchte, als Steiner 1904 seinen Schulungsweg niederschrieb. Steiner setzte sich mit solchen Bestrebungen innerhalb der Theosophischen Gesellschaft auseinander, die den Yogaweg übernehmen wollten. Eine geeignete Plattform für Steiners Auseinandersetzung mit dem Yoga boten die Zeitschriften "Luzifer" bzw. "Lucifer - Gnosis", die von ihm von 1903 bis 1908 herausgegeben wurden1. Hier entwickelte Steiner zu verschiedenen Themen seinen eigenen Standpunkt. Später wurden die damals geschriebenen Aufsätze als Buch unter dem Titel "Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?" (1909, GA 10) 2 veröffentlicht. Vorausgegangen waren Steiners Ausführungen eine Rezension von Leadbeaters Schrift "Clairvoyance"3 (1899). Leadbeater behauptete in dieser Schrift, man könne Hellsichtigkeit durch gezielte Übungen willkürlich erzeugen.
"Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?" thematisiert zum erstenmal, was man seither den "anthroposophischen Schulungsweg" genannt hat. In später erschienenen Schriften wurden die darin formulierten Ideen weiter entwickelt und modifiziert: "Die Stufen der höheren Erkenntnis" (1905/08), "Die Geheimwissenschaft im Umriss" (dort das Kapitel "Die Erkenntnis der höheren Welten" 1910) und "Die Schwelle der geistigen Welt" (1913) geben ein Beispiel dafür ab.
Die Schrift "Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?" ist eine erste, noch ziemlich theoretisch gehaltene Auseinandersetzung Steiners mit dem Fragenkreis "Meditation - geistige Erkenntnis - Yogapraxis". Bei einer genaueren Analyse weist diese Schrift Steiners viele strukturelle und inhaltliche Parallelen zu dem klassischen Text des Yoga auf, die sicherlich nicht zufällig ist. Wenn man das Umfeld in Betracht zieht, in dem Steiner seinen Text formuliert hat, dann kann man gewiss sein, dass Steiner die vorliegenden Yogainhalte aufgegriffen und bearbeitet hat. Er tat dies, weil damals in der Theosophischen Gesellschaft - und besonders im englischen Bereich dieser Bewegung - ein großes Interesse am Yoga gegeben war, man mit Yogaelementen experimentierte und darüber unterrichtet sein wollte. Der Text, auf den man sich dabei bezog, war vor allem das Yoga Sutra des Patañjali aus dem 2.Jahrhundert v.Chr. Später wurden auch noch weitere Inhalte diskutiert. Und muss es niemanden in Erstaunen versetzen, dass auch Steiner diesen Text des Patañjali für seine Ausführungen zugrunde legte. Andererseits muss man sich aber schon wundern, warum solche Tatsachen so schnell in Vergessen geraten konnten.
Der von Steiner vorgelegte "anthroposophische Schulungsweg" unterscheidet sich vom herkömmlichen traditionellen indischen Yoga dadurch, dass einzelne Elemente weggelassen und andere hinzugefügt werden. Vor allem aber wurde neu formuliert und mit einer eigenen Begrifflichkeit dargestellt. Weil alle Verbindungen zum Yoga gekappt und nirgends literarische Bezüge hergestellt wurden, so erschien dann der "anthroposophische Schulungsweg" als etwas ganz Neues und Originelles. Die genauere Analyse zeigt jedoch, dass Steiner seinen Schulungsweg aus bestehenden und vielfach andernorts praktizierten Elementen östlicher und europäischer Tradition zusammengestellt hat. Eine solche Analyse wird dem hier vorgelegten Internettext geboten.
Steiners Schrift "Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?" von 1904/05 wird in anthroposophischen Kreisen oft als Anleitung zur Meditation und zum praktischen Gebrauch empfohlen. Entgegen der landläufigen Meinung hat sie aber einen stark theoretischen Charakter. Dieses sogenannte Übungsbuch stellt auch keine persönlichen Meditationserfahrungen Steiners dar, wenn man von ein paar kleinen Bemerkungen einmal absieht 4. Diese Schrift behandelt drei Fragenkreise: Um Inhalte aus dem Yoga, um freimaurerische Symbolik und um die kabbalistische Ekstasetechnik. Um diese Inhalte ging es damals (1904), als jener Text niedergeschrieben wurde. Diese Inhalte wurden in der Wende zum 20.Jahrhundert in der theosophischen Bewegung diskutiert. Und so kommt es, dass Steiner die Inhalte, die dem Yoga und der kabbalistischen Tradition entnommen wurden, damals eigentlich bei seiner Leserschaft voraussetzen konnte. Leider sind schon sehr bald diese Beziehungen in Vergessenheit geraten. Von der Schrift selbst wurden die literarischen Bezüge nicht hergestellt und so verbreitete sich schon recht bald die Ansicht, Steiner habe in seinem "Wie erlangt man...?" etwas ganz Eigenständiges dargestellt. Diese irrtümliche Meinung steht auch heute noch einer vorurteilslosen Beschäftigung mit dem Text im Wege.
Der Anlass für Steiners Schrift war dadurch gegeben, dass vor allem im
englischen Bereich der Theosophischen Gesellschaft mit Yoga experimentiert
wurde. Es ging nicht darum, dass Steiner Erfahrungen aus eigener
Meditationspraxis mitteilen wollte. Sondern darum, einen "westlichen"
Weg aufzuzeigen und dem gegenüberzustellen, was an östlichen
Meditationselementen oft willkürlich übernommen wurde. Diese These soll nun in
den folgenden Seiten begründet und erläutert werden.
Wer sich mit dem Text als Ganzem beschäftigt, der erkennt bald, dass Steiners "Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?" "5 keine Schrift ist, die "in einem Wurf", sozusagen systematisch und "am Stück" niedergeschrieben ist. Sie ist vielmehr eine überarbeitete Zusammenfassung einzelner nicht immer zusammenhängender Abschnitte, welche zuvor als Folge von Aufsätzen erschienen waren. Daraus erklären sich die inhaltlichen Brüche (die letzten drei Kapitel sind ohne Beziehung zum Vorausgegangenen) und auch Doppellungen in dieser Schrift; so zum Beispiel die mehrfache Auflistung verschiedener moralischer Kataloge an unterschiedlichen Stellen in der Schrift. Unter literarischen Kategorien betrachtet bezeichnet man eine solche Schrift als 'Gelegenheitsschrift', weil sie aus konkretem Anlass heraus entstanden und für diesen konzipiert worden ist.
Der erste und bei weitem umfangreichste Teil der Schrift bezieht sich auf
die Themen, welche dem Yoga entnommen sind. Dieser Abschnitt versteht sich als
eine Anleitung zur Meditation. Es werden Methoden der Konzentration dargestellt
und Inhalte empfohlen, die sich zur Betrachtung eignen. In den ersten fünf
Abschnitten von "Wie erlangt man...?" bietet Steiner eine eigene
Interpretation des Yoga Sutra (Buch I), die auf die Inhalte des
Sanskrittextes zurückgeht und diesen doch recht frei interpretiert. In seiner
Struktur aber folgt Steiner genau der Vorlage:
1. Bedingungen
(Konzentration)
2. Innere
Ruhe (Kontemplation)
3. Die
Stufen der Einweihung : Die Vorbereitung
(gegenständliche Betrachtung)
4. Die
Erleuchtung (ungegenständliche Versenkung)
5. Kontrolle
der Gedanken und Gefühle
Im nun folgenden sechsten Abschnitt wird ein Element
eingeschoben, das nichts mit dem Vorausgegangenen zu tun hat. Es bezieht sich
nicht auf das Yoga Sutra, sondern gibt eine Deutung von Riten aus der Memphis-
und Mizraim - Freimaurerei, die Steiner zu jener Zeit (1906) eingerichtet hatte6.
6. Die
Einweihung (Feuerprobe, Wasserprobe).
Ich werde auf die Inhalte von Steiners Memphis- und Mizraim- Freimaurerei hier
nicht weiters eingehen. An anderem
Ort habe ich das schon ausführlich getan.
Nach dem Exkurs über die Symbolik der Mizraim - Freimaurerei setzt Steiner
in den Kapiteln 7 und 8 die anfängliche Betrachtung fort. Er gibt praktische
Empfehlungen zur Meditation und erläutert den Katalog der moralischen
Forderungen, die vom Yoga (Yoga Sutra, Buch II) eingefordert werden.
7. Praktische
Gesichtspunkte (praktische Empfehlungen für die Meditation)
8. Die
Bedingungen zur Geheimschulung (einzelne moralische Forderungen)
Unterbrochen wird die Deutung nun durch einen zweiten Einschub. Hier bezieht
sich Steiner auf die Interpretation der Chakralehre, welche von Leadbeater in
die theosophische Diskussion eingeführt wurde. Diese Thematik wird nicht im
Yoga Sutra behandelt, sondern in anderen Yogaschriften, welche erst in den 90er
Jahren ins Englische übersetzt worden sind und die dem sogenannten
Tantrischen Schrifttum zugeordnet werden. Nach 1899 hat Leadbeater diese
Inhalte in der Theosophischen Gesellschaft verbreitet. Damit brachte er
spektakuläre neue Inhalte, welche weder von Blavatsky noch von Besant zuvor
dargestellt worden waren. Leadbeater behauptete nun, durch gewisse (dem
Tantrayoga entnommene) Methoden könne man eine Art der Hellsichtigkeit
systematisch erarbeiten. Die von Leadbeater entwickelte Chakralehre, welche in
den tantrischen Schriften so nicht zu finden ist, wird von Steiner im
folgenden Kapitel dargestellt:
9. Über
einige Wirkungen der Einweihung (Steiner referiert die Leadbeatersche
Ausdeutung der Chakralehre).
Fortgesetzt wird nach diesem zweiten Einschub die weitere Erläuterung des
Yoga Sutra, diesmal mit Inhalten aus Buch III:
10. Veränderungen
im Traumleben des Geheimschülers (Kontinuität des Bewusstseins)
11. Die
Erlangung der Kontinuität des Bewußtseins (Samadhi)
Den Abschluss der Schrift "Wie erlangt
man...?" bilden in Kapitel 12 bis 14 Ausführungen zur kabbalistischen
Ekstasetechnik. Mit Yoga haben diese Kapitel nichts mehr zu tun, wenngleich das
hier behandelte Thema der Entrückung auch im Yoga in anderer Weise (als
Samadhi) beschrieben wird. Den Theosophen, welche sich gegen Ende des
19.Jahrhunderts mit okkultistischer Literatur beschäftigten, war eine
Behandlung der kabbalistischen Ekstase schon deshalb wichtig, weil Eliphas Lévi
und auch der Frankismus 7. damit experimentiert
hatten. Darüber ist heute wenig bekannt. Gräfin Wachtmeister, die sich für die
Theosophische Gesellschaft in Deutschland wesentlich eingesetzt hatte, besaß
aber auf ihrem Gut einen Raum, der eigens für kabbalistische Anrufungen
ausgestattet war. Dort soll auch der französische Okkultist Eliphas Lévi bei
seinem Besuch von Gräfin Wachtmeister kabbalistische Anrufungen veranstaltet
haben. Die drei letzten Kapitel von "Wie erlangt man...?" sind diesem
Thema gewidmet. Wer die kabbalistische Theorie kennt, auf die sich diese
Inhalte beziehen, der erkennt hinter diesen Aussagen leicht die neuplatonische
Vorlage, auf die sich diese Darstellung hier bezieht:
12. Die
Spaltung der Persönlichkeit während der Geistesschulung (Bild und Urbild)
13. Der
Hüter der Schwelle (Metathron)
14. Leben
und Tod : Der große Hüter der Schwelle
Wenn man die letzten drei Kapitel (12, 13, 14), den freimaurerischen Exkurs
(Teil 6) und die Ausführungen zur Chakralehre (Teil 9) aus der Schrift
"Wie erlangt man...?" herausnehmen würde, so wäre diese Schrift eine
nur den Inhalten des Yoga Sutra gewidmet.
Um solch eine solche Interpretation vorlegen zu können, muss man nicht über
eine jahrelange Meditationserfahrung verfügen. Denn das Thema wird mehr auf
einer theoretischen als auf einer praktischen Ebene behandelt. Eine Kenntnis
der Philosophiegeschichte und Deußens Inhaltsangaben über das Yoga Sutra
reichen dazu aus, die Yogainhalte referieren zu können. Dann ist es sogar
möglich, eine solche Abhandlung zu verfassen, ohne das Yoga Sutra selbst
gelesen zu haben.
Warum hat Steiner sich so ausgiebig mit dem indischen Yoga beschäftigt und ihm einen weiten Raum in seiner Suche nach einem für Europäer angemessenen "Schulungsweg" eingeräumt? Man kann diese Wertung verstehen, wenn man betrachtet, welches Schicksal die theosophische Bewegung nach dem Tod von H.P.Blavatsky (1891) genommen hat.
Der Kontext zu Steiners Schrift "Wie erlangt man..." ist die theosophische Bewegung im Übergang vom neunzehnten zum zwanzigsten Jahrhundert.
Der Yoga überraschte Europa gegen Ende des 19.Jahrhunderts unerwartet. Den Engländern war bewußt geworden, dass ihre Kolonie Indien nicht nur reich an Gewürzen und Baumwolle, Seide und Edelsteinen war. Sie entdeckten zunehmend auch eine Jahrtausende alte Kultur, die sich in einer großen Vielfalt von Religion, Literatur und Kunst ausdrückte. Gegen Ende des 19.Jahrhunderts erwachte ein Interesse an systematischer Dokumentation und Erforschung der indischen Literatur. Besonders überraschte, dass in den Yogaschriften eine weit ausgearbeitete Erforschung des menschlichen Bewusstseins gegeben wurde.
Das Sanskrit wurde nun von einer größeren Anzahl von Gelehrten erschlossen und man begann damit, indische Texte zu sammeln, zu übersetzen und zusammenhängende Darstellungen aus den Inhalten der indischen Tradition zu veröffentlichen.
Wer bisher aus den englischen Kolonien zurückgekommen
war, hatte Indien als ein Land mit einer alten, aber dekadenten Religion
geschildert. Den "primitiven Völkern" wollte man ja bekanntlich den
aufgeklärten europäischen Geist und das Christentum als die Krone der
Religionen vermitteln. Nun entdeckte man plötzlich in den hinduistischen und
buddhistischen Quellschriften eine hoch entwickelte Philosophie und Religion.
Das entsprach nicht dem landläufigen Bild, das man sich von Indien gemacht
hatte. Mit Begeisterung wurden die Veden, die Upanishaden mitsamt ihren sehr
differenzierten und intellektuell anspruchsvollen philosophischen Kommentaren
übersetzt und herausgegeben.
Das Interesse an indischer Kultur wuchs um 1900 sprunghaft. Auch in Deutschland
wurden Vereine und Zeitschriften gegründet, welche die Inhalte der hinduistischen
und der buddhistischen Literatur verbreiteten8.
Auch vegetarische Restaurants und Bibliotheken wurden eingerichtet.
Yoga faszinierte nicht allein die Theosophen. In Deutschland gab es in Leipzig um die Jahrhundertwende eine kleine buddhistische Gemeinde mit Bibliothek, vegetarischem Speisehaus und verschiedenen Zeitschriften. Der später berühmt gewordene rumänische Religionswissenschaftler Mircea Eliade hielt sich längere Zeit (1928 - 1931) in Indien auf. Die Erfahrungen, die er dort machte, prägten ihn nachhaltig. Er studierte Grundlagentexte des Yoga in Sanskrit und ließ sich unter fachkundiger Anleitung in die Meditationspraxis des Yoga einführen9. Auch C.G.Jung war vom Yoga fasziniert. Zusammen mit Sigmund Freud wurde er Zeuge, als auf dem Psychologenkongress 1908 ein indischer Meister den Yoga unter experimentellen Bedingungen darstellte.
In der indischen Tradition gibt es viele Arten von Yoga. Der Bhakti Yoga ist
ein Weg der Verehrung, der Riten und der Anbetung. Mantra Yoga hat die Inhalte
zum Gegenstand, in die sich religiöse Menschen vertiefen. Karma Yoga verfolgt
ethische Ziele. Beim Raja, dem "königlichen" Yoga geht es um eine
solche Meditation, die das Bewußtsein in den Mittelpunkt stellt. Der Hatha Yoga
sucht eine Verbindung von Meditation und Körperlichkeit. Der Tantra Yoga
(bisweilen auch Kundalini Yoga genannt) beschreibt einen Weg, bei dem
visualisierte Zentren (Chakras) des inneren Menschen benützt werden. Die
Theosophen beschäftigten sich im Umkreis von Annie Besant mit Bhakti Yoga,
Karma Yoga und vor allem mit dem Raja Yoga, wie er im Yoga Sutra des Patañjali
dargestellt ist.
Leadbeater fügte noch Inhalte aus dem Tantra Yoga ein. Diese Inhalte sind vor
allem dem aus dem Sat-
Chakra Nirupana (1577) und dem Shiva Samhita entnommen. Steiners "Wie
erlangt man...?" hat sowohl den Raja- als auch einige Aspekte des Tantra
Yoga zum Gegenstand.
Blavatsky war von
Indien begeistert. Indien betrachtete sie als Wiege der heutigen Kulturen. Um
Indien besser verstehen zu können, reiste Blavatsky mehrfach nach Indien
(1852?, 1855?, 1868, 1878, 1884). Person und Werk von H.P.Blavatsky wurde von
mir ja schon an anderer Stelle
ausgiebig gewürdigt. Ich möchte hier noch hinzufügen, welche Rolle sie dem Yoga
zugeschrieben hat. Blavatsky betrachtete ja die frühe indische Kultur als einen
Rest, welcher von einer "ursprünglichen" Religion noch erhalten
geblieben sei (Urreligionshypothese). Zeugen für diese Ansicht waren vor allem
die Veden. Die vedischen Schriften lagen in englischen Übersetzungen vor.
Darauf konnte sich Blavatsky berufen.
Aber auch die Upanishaden konnten zur Hand genommen werden. Franzosen hatten im
Jahr 1802 schon mit der Übersetzung und Veröffentlichung einzelner Upanishaden
begonnen. Die Bhagavadgita erschien 1787 auf französisch. Im Jahr 1805 wurde
eine erste Zusammenfassung des Veda herausgegeben. Diese Texte stellten eine
Sensation für Europa dar. Friedrich Schlegel schrieb begeistert über die
Weisheit Indiens. 1808 und 1823 erschien die Bhagavadgita zum ersten Mal auf
deutsch. Im Jahr 1846 übersetzte A.W. Schlegel das Rämajana. Auch Hegel,
Schelling, Schopenhauer und Nietzsche begeisterten sich für Indien. Bis zum
Ende des 19.Jahrhunderts folgte eine "Entdeckung" späterer
philosophischer und mystischer Kommentare der Sutras und um die
Jahrhundertwende folgten die tantrischen Kommentare.
Blavatsky kannte den Yoga nur vom Hörensagen. Zu ihren Lebzeiten waren nur wenige Upanishaden bekannt geworden, in denen sich unklare Andeutungen über den Yoga fanden. Blavatsky erfuhr viel über die Inhalte der indischen Literatur durch den berühmten Indologen Max Müller (1823 - 1900). Dieser herausragende Sprach- und Religionswissenschaftler deutscher Herkunft förderte in Oxford die Vedaforschung und war zu seiner Zeit eine international anerkannte Persönlichkeit. Noch heute wird seine Sammlung der Upanishaden benützt10.Der deutsche Indologe Paul Deußen (bisweilen auch 'Deussen' geschrieben) war in Deutschland ein Pendant zu Max Müller bei der Übersetzung wesentlicher Texte aus dem Sanskrit. Deußens Sammelwerke unter dem Titel "Allgemeine Geschichte der Philosophie"11 befindet sich in Steiners Privatbibliothek. Deußen ordnete die damals bekannte Sanskritliteratur in eine "Allgemeine Geschichte der Philosophie" ein. Er gab inhaltliche Zusammenfassungen, die Steiner womöglich benutzt hat.
Daraus erklärt sich, dass
Blavatskys Schriften so viele kosmologische Inhalte darstellen. Denn die Veden
und Upanishaden sprechen in kosmologischen Bildern. Grundlegende Texte der
Veden und Upanishaden waren zu Blavatskys Lebzeiten schon übersetzt. Die
eigentlichen Yogakommentare erschienen aber erst nach Blavatskys Tod. Weil
Blavatsky keine Übersetzungen der Yoga Sutras vorlangen, machte sich Blavatsky
nur allgemeine Vorstellungen vom Yoga. Diese nur anfängliche Kenntnis zeigt
Blavatskys Schrift "The Voice of Silence" (1889)12.
Ganz anders war die Situation dann für die Theosophen Franz Hartmann, Annie
Besant und Charles W.Leadbeater. Diese konnten ausführliche Yoga- Texte in
englischer Fassung zur Hand nehmen.
Als Steiner Generalsekretär der Theosophischen Gesellschaft in Deutschland wurde (1902), orientierte sich die Adyar- Theosophie inhaltlich neu. Man war jetzt nicht mehr auf H.P.Blavatsky allein fixiert. Regelmäßig veröffentlichte der indische Gelehrte Chakravarti in der theosophischen Zeitschrift "The Theosophist"13. Er stand mit führenden Vertretern der Theosophischen Gesellschaft in Kontakt. Ein anderer Inder, Bhagvân Dâs, führte Annie Besant in den Yoga ein. Es galt damals unter Theosophen als eine innere Notwendigkeit, "mindestens zehn Jahre" in Indien gewesen zu sein.
Die sozial engagierte Engländerin Annie
Besant übernahm nach Blavatkys Tod (1891) die Leitung der Theosophsichen
Gesellschaft. Besant hatte ursprünglich keine okkultistischen oder esoterischen
Interessen. Sie kam aus einem sozialen Engagement zur theosophischen Bewegung,
welche sich ja auch für Gleichberechtigung und Emanzipation der Frau im
öffentlichen Leben einsetzte. Die darüber hinausgehenden weitreichenden
esoterischen Ziele der theosophischen Bewegung lernte Annie Besant erst
anschließend kennen. Im Zusammenhang der theosophschen Bewegung setzte Besant
ihr soziales Engagement fort und machte sich nach und nach mit der Gedankenwelt
Blavatskys vertraut. Als Annie Besant in Indien weilte, nahm sie gerne belesene
indische Ratgeber zu Hilfe. Von ihnen ließ sie sich in die Gedankenwelt des
Hinduismus und des Buddhismus einführen. Ihr Interesse für den Yoga zeigen die
beiden Schriften "The Path of Discipleship"14
(1895) und "Thought Power"15(1901).
Diese beiden Schriften haben die Intention, den Menschen in Europa die Ideen
des Yoga zu vermitteln. Besant zeigte in beiden Schriften vor allem den hohen
moralischen Standard, der von indischen Yogis erwartet wird. Damit zeigte sie,
dass Indien durchaus nicht die "dekadente" Kultur hatte, von der man
in Europa bisweilen immer noch sprach.
Inhaltlich
bezog sich Besant bei ihren Ausführungen durchgehend auf die Darstellung des
Yoga Sutra, von dem auch bisher die Rede war. Bei aller Würdigung, die Besant
der indischen Kultur zu gute kommen ließ, lassen allerdings ihre Ausführungen
kein weitergehendes Studium des Yoga vermuten.
Annie Besant vertrat in ihren Vorträgen in Adyar und auf den Theosophischen
Kongressen in London und Paris eine hohe Meinung vom Yoga: Der Raja - Yoga
bringe nicht nur die eigene Entwicklung voran, sondern damit auch die ganze
Menschheitskultur. Besants Vorstellungen vom Yoga waren an der klassischen Form
des Raja Yoga und vor allem am Yoga Sutra orientiert. Aus Gesprächen mit indischen
Gesprächspartnern, besonders mit Chakravarti, hatte sie auch die Reformbewegung
des Hinduismus kennen gelernt. In dieser Reformbewegung spielte der klassische
Yoga eine große Rolle. Ein leuchtendes Vorbild der Reformbewegung stellte
Ananda Lahiri Mahasaya dar, ein Mystiker und Yogi, der auch für Yogananda16 richtungsweisend wurde. Auch Subba Row, ein
Gelehrter im Umkreis von Annie Besant, betonte die Bedeutung des Yoga. Subba
Row liebte es, den Yoga auf die Bhagavadgita zurückzuführen.17.
Er vertrat die (literarisch nicht nachweisbare) Meinung, in der Bhagavadgita
seien die wesentlichen Inhalte des Yoga schon vorgezeichnet.
Annie Besant behandelte den Yoga
aus dem hinduistisch- buddhistischen Kontext heraus. Im Zusammenhang mit der
indischen Weltauffassung meint der Yogaweg einen Weg aus der
Weltverflochtenheit hinaus zu einer ganzheitlichen Befreiung, einer Lösung
aller Bezüge zur irdischen Welt. Besant propagierte also, in stark verkürzten Form,
einen indischen Weg. Allerdings schilderte sie das Ziel des Yoga- Weges auch
mit europäischen Begriffen: Der Suchende soll durch den Yoga zu einem
vollkommenen Spiegel des Logos werden18.
Steiner gab eine ausführliche Rezension der Yogainterpretation von Besants
"Pfad der Jüngerschaft". Sein zehnseitiges Resümee beschließt er mit
folgenden Worten:
"Wir wären recht schlechte Theosophen, wenn wir die indischen Lehren
so ohne weiteres der ganz anders gearteten europäischen Menschheit aufpfropfen
wollten. Das darf nicht in Bezug auf die äußeren Lehren und auch nicht in Bezug
auf die Geheimschulung zur Jüngerschaft geschehen"19.
Gleich in den folgenden Nummern seiner Zeitschrift "Lucifer Gnosis"
entwickelt Steiner eine Gegenposition. Aus diesen Aufsätzen ist ja, wie gesagt,
Steiners Schrift "Wie erlangt man...?" entwickelt worden. Die von
Steiner vorgelegte Yogainterpretation unterscheidet sich von Besants dadurch,
dass Steiner nicht den europäischen Leser in einen anderen Kulturkreis
versetzte, sondern dass er umgekehrt die Elemente der fremden Kultur in die
eigene übernahm. Die moralischen Forderungen aus dem Yoga Sutra, die auch
Besant ihrer Yogainterpretation vorausschickte20,
übernahm Steiner gleichermaßen: Reinigung, Übungen in der Beherrschung des
Denkens, Meditation, Charakterbildung. Die Ziele des Weges werden von Besant
mit den buddhistischen Begriffen der "Hauslosigkeit" und einer
Aufhebung aller Illusionen umschrieben, zu denen auch das eigene Ich gehört.
Die Anleitungen zur Meditation, welche Besant in "Thought Power" gibt
21, wurden von Steiner in "Wie erlangt
man...?" überarbeitet22.
Die Leitung der Theosophischen Gesellschaft konnte Annie Besant durch ihr Organisationstalent ausüben. Aber die Lücke, die durch den Tod von Blavatsky entstanden war, konnte sie inhaltlich nicht schließen. In dieser Situation kam ihr C.W. Leadbeater zu Hilfe. Leadbeater hatte die letzten Jahre in Indien verbracht. Er konnte Besant einen Standpunkt vermitteln, bei dem die herkömmliche theosophische Weltsicht schon weitgehend mit indischen Elementen verbunden war, die man in Adyar pflegt. Darüber hinaus behauptete Leadbeater, "unter der Anleitung der Meister" ausgebildet worden zu sein. Den Mythos der "Meister" hatte Blavatsky in das theosophische Denken eingeführt. Annie Besant konnte wohl solche Behauptungen nicht einordnen, von der eine große Zahl der Theosophen überzeugt war. Zumindest trat sie ihm nicht entgegen. Allein die Tatsache, dass Leadbeater über den Kundalini- Yoga sprach, verlieh ihm ein großes Ansehen. Ob Leadbeater jemals diesen Yoga näher studiert oder gar praktiziert hatte, wurde nie überprüft. Es reichte, dass er darüber Andeutungen und Bemerkungen machte. Leadbeaters Darstellung des Tantra in seinem später erschienenen Buch "Die Chakras" (1927) jedenfalls zeigen, dass er sein theosophisches Weltbild mit Begriffen aus dem Tantra ausschmücken, und weniger dass er den Tantra aus sich selbst heraus verstehen wollte23.
Annie Besant war sicher überwältigt von der Fülle der Aussagen, die im Zusammenhang der Blavatsky - Theosophie, und jetzt zusätzlich auch noch durch die indische Esoterik auf sie einstürmte. Leadbeater mag ihr da wie ein hilfreicher Bote des Himmels erschienen sein, der ihr einen Weg zeigen konnte, um sich in dem Dschungel der Blavatsky- Theosophie zu orientieren. Leadbeater ging es zwar weniger um das Erbe Blavatskys, als um sein eigenes Verständnis der Theosophie. Und so leicht konnte man das nicht auseinanderhalten. Es gab eine Fraktion in der englischen Theosophie, die geneigt war, Leadbeater als einen "Initiierten" zu betrachten. Besant ließ sich von diesem Strom tragen - bis zum Beweis des Gegenteils. Der Beweis wurde ihr dann 1906 durch amerikanische Theosophen erbracht.
Annie Besant vertraute
auf Leadbeaters okkulte Fähigkeiten. Sie löste sich von ihrem bisherigen Lehrer
Chakravarti, der über die Bhagavadgita hinaus keine weiteren Texte gelten
lassen wollte und schloss sich immer mehr an Leadbeater an.
Tantra Yoga wurde von Europäern gegen Ende des 19.Jahrhunderts oft als
"schwarze Magie" bezeichnet. In H.P.Blavatskys Schriften findet man
diese Bezeichnung und Franz Hartmann widmete diesem Thema einen Aufsatz24. Solche eine Einschätzung des Yoga zeigt, dass
man den Kundalini Yoga nur vom Hörensagen kannte. Eine profundere Untersuchung
dieses Yogaweges wurde in den Zwanziger Jahren dann durch J.Woodroffe alias
"Artur Avalon", durch Mircea Eliade und David -Neel gegeben.
Steiner distanzierte sich anlässlich der
"Krishnamurti - Affaire" von Leadbeater. Leadbeater hatte den
fünfzehnjährigen Inder Krishnamurti als neuen Boddhisatva und wiedergekommenen
Christus proklamiert. Steiner schrieb darüber in seiner Autobiographie:
"Für die Verbreitung dieser Absurditäten wurde eine besondere
Gesellschaft in der Theosophischen gebildet, diejenige vom 'Stern des Ostens'.
Es war für mich und meine Freunde ganz unmöglich, die Mitglieder dieses
"Sternes des Ostens" so als Glied in die deutsche Sektion
hereinzunehmen, wie diese es wollten und wie vor allem Annie Besant als
Präsidentin der Theosophischen Gesellschaft das beabsichtigte. Und weil wir das
nicht tun konnten, schloss man uns 1913 von der Theosophischen Gesellschaft
aus. Wir waren genötigt, die Anthroposophische Gesellschaft als selbständige zu
begründen."25 .
.
Der deutsche Arzt Franz Hartmann (1838-1912),
war mit H.P.Blavatsky nach Indien gereist. Er brachte aus diesem Aufenthalt
eine Begeisterung für den Yoga mit nach Deutschland26.
Nach seiner Rückkehr aus Indien setzte er sich in Deutschland für eine
Verbreitung indischen Gedankengutes ein. In der theosophischen Zeitschrift
"Lotosblüten" veröffentlichte Hartmann Übersetzungen aus der
Bhagavadgita, den Veden und den Upanishaden. Er erläuterte die vorgelegten
Texte durch eigene Aufsätze27. Die von
Hartmann gegründete deutsche "Theosophische Verbrüderung" stand
einige Zeit lang in Konkurrenz zu der von Steiner geleiteten Theosophischen
Gesellschaft28. Hartmann propagierte eine
aufgeklärte Form von Yoga und warnte vor dem Hatha- und dem Tantrayoga. Der
Kundaliniyoga wurde im 19.Jahrhundert selbst in Indien bisweilen als
"schwarze Magie" bezeichnet.
Hartmann hob immer wieder die Bedeutung des Raja- Yoga hervor. Es handelt sich
dabei um die Inhalte, welche Steiner später bearbeitete. Der Raja- Yoga ist in
verschiedenen Yoga- Kommentaren dargestellt. Am bekanntesten ist das "Yoga
Sutra des Patañjali" aus dem zweiten vorchristlichen Jahrhundert. Diese
Inhalte wurden von Hartmann mehrfach erläutert und dargestellt. Franz Hartmann
veröffentlichte schon in den Jahren 1893 bis 1900 regelmäßig Übersetzungen und
Kommentare zum Raja Yoga, zum Hatha- Yoga und zum Tantra- oder Kundalini Yoga29.
Was H.P.Blavatsky
seinerzeit nicht gelang, das erreichte Jahre später die französische Theosophin
und Indologin Alexandre David - Néel: Sie wanderte unter
abenteuerlichen Bedingungen bis nach Tibet, um sich dort unter sachkundiger
Anleitung mit der Praxis der tibetischen Meditation vertraut zu machen30. Néel verfasste interessante
Reiseschilderungen und Erlebnisberichte. Ihre Studien zum tibetischen
Buddhismus fanden in der Fachwelt eine breite Anerkennung.
Auch amerikanische Theosophen befassten sich intensiv mit dem Yoga. Der Leiter der Amerikanischen Theosophischen Gesellschaft, W.Q.Judge, übersetzte 1889 das Yoga - Sutra ins Englische31, gefolgt von einer Übersetzung der Bhagavadgita (1890).
Judge
übersetzte in seiner Übertragung des Yoga Sutra viele Sanskritwörter mit
Begriffen aus der westlichen Metaphysik. Dadurch wird der ursprüngliche Inhalt
manchmal verfremdet. (Zum Beispiel übersetzte er "Isvara" mit dem
griechischen 'Nous'(I, 23)). Insgesamt aber ist auch heute noch seine
Übersetzung durchaus lesenswert und gibt das Anliegen des Yoga wieder.Judge
folgte einem wirklichen Übersetzerinteresse. Ihm ging es nicht nur darum,
interessante Elemente aus dem Yoga herauszulösen und dann in einen schon
bestehenden theosophischen Kontext zu verpflanzen, wie dies vor allem bei
Leadbeater zu beobachten ist. Judge schien wirklich vom Yoga beeindruckt zu
sein. Zeugnis davon gibt das Raja Yoga - College, das zu seiner Zeit die
Theosophen in Kalifornien begründet haben.
Es ist nicht
verwunderlich, dass Günther Wachsmuth Sichtweisen von Leadbeater auf Rudolf
Steiner übertrug. Denn Leadbeaters Inhalte dominierten damals in der englischen
und amerikanischen Theosophicals Society. Leadbeater fand für seine Positionen
ein großes Publikum.
Leadbeater war 1884 Blavatsky begegnet, kurz vor deren Reise nach Indien. Kurz
entschlossen reiste Leadbeater ihr hinterher. Blavatsky blieb ja dann nur
einige Monate in Indien, weil es zum sogenannten Coulomb- Skandal kam. Blavatsky
verließ Indien, um in Würzburg bei Gräfin Wachtmeister Ruhe zu finden.
Leadbeater aber blieb alleine, in ärmsten Verhältnissen lebend32
in Indien zurück. Zehn Jahre später (1894) hatte Leadbeater das Leben in Indien
satt. Mittellos und ohne jeden Hintergrund reiste er nach London und musste
dort zunächst mühsam sein Dasein als Hauslehrer bei Sinnett fristen. Auch
arbeitete er als Journalist auf Honorarbasis für die Zeitschrift
"Pioneer". Für Sinnett stellte er sich als Medium zur Verfügung. Bei
Sinetts Seancen behauptete er, durch Yogaübungen hellsichtig geworden zu sein.
Seine Angaben konnten nicht überprüft werden. Sinnett glaubte an Leadbeaters
Fähigkeiten und führte ihn in der Theosophischen Gesellschaft von London ein.
Er fand dort bald ein Publikum, das ihm mehrheitlich vertraute. Wer sollte ihm
auch entgegentreten? Sein indischer Lehrer Subba Row, der Leadbeater in Adyar
mit dem Yoga bekannt gemacht hatte, war 1890 gestorben.
Von dieser Zeit an wurde Leadbeater als Vortragender und durch seine Schriften in der Theosophischen Gesellschaft Englands berühmt33. Von Annie Besant wurde er in die Leitung der Gesellschaft hinzugenommen. Und auch in den USA konnte Leadbeater monatelang die größten Säle füllen. Der Leadbeater - Biograph Tillett schildert die Situation 1905 mit folgenden Worten: "Leadbeater had established himself as the greatest Theosophical autority of the time in matters of psychic and occult phenomena, a brilliant lecturer and an outstanding publicist for the Theosophical cause".34.
Steiner hat bis 1910 nicht erkannt, dass Leadbeater in London 1894/1906 den Scharlatan spielte, indem er die Wundervorstellungen des indischen Volksglaubens dazu benützte, um sich eine hohe Position in der indisch- englischen Adyar- Theosophie zu erwerben. Leadbeater trat auf mit der Behauptung, in der Aura der Menschen lesen zu können und die früheren Inkarnationen seiner Klienten aufzuspüren. Er behauptete von sich, ein vollendetes Yogatraining durchlaufen zu haben. Als Leadbeater 1894 nach London kam, behauptete er von sich, in 42 Tagen von einem "Meister" (Blavatsky hatte ja von diesen Meistern gesprochen) im Yoga erfolgreich unterrichtet worden zu sein. Leadbeater konnte vor dem englischen Publikum nahezu alles behaupten, wenn es nur im Hinweis auf Indien und die Meister vorgetragen wurde. Was er dort erlebt, gelernt, gelesen hat, entzog sich der Nachprüfbarkeit. Denn nach Blavatskys Tod (1891) hatten Hartmann, Olcott, Besant und deren europäisches Gefolge Adyar verlassen. Nur noch die Coulombs blieben dort - und eben Leadbeater. Die Coulombs spielten nach dem Blavatsky- Skandal keine Rolle mehr in der Theosophischen Gesellschaft. Und so gab es niemanden, der die Behauptungen von Leadbeater bestätigen, aber auch niemanden, der ihnen widersprechen konnte. Mit neuen Inhalten und der Autorität eines Yogameisters (die er sich selbst zugelegt hatte) trat Leadbeater nach Blavatskys Tod an die Öffentlichkeit der Theosophischen Gesellschaft in London35 .
Leadbeater entwickelte inhaltlich neue Konzepte36. Die Inhalte wie das "Lesen in der Akasha Chronik", das "Aurasehen", das "okkulte Sehen und Hören", die "Chakralehre", "Karmastudien" und das "esoterische Christentum" gehen auf Leadbeater zurück. Sie wurden in das allgemeine theosophische Glaubensgut eingeordnet. Rudolf Steiner, der sich nach 1910 zunehmend von Leadbeater absetzte, vertrat anfänglich noch viele Positionen, die durch Leadbeater in die theosophische Weltsicht eingeführt worden waren. Steiner fiel es wohl nicht leicht, das "Phänomen Leadbeater" einzuordnen. Im Jahr 1906, als Leadbeater zum ersten Mal aus der Theosophischen Gesellschaft ausgeschlossen wurde, rühmte Steiner ihn noch mit folgenden Worten:
"So also ist eine Persönlichkeit aus der Gesellschaft entfernt worden, die seit vielen Jahren für die Ausbreitung der Theosophie Unsägliches geleistet hat, deren Bücher vielen Führer für das geistige Leben waren, die sich eine große Zahl von Schülern erworben hat."37. Erst 1912 distanzierte sich Steiner ja bekanntlich öffentlich von Leadbeater, was zum Bruch mit der englisch- indischen "Adyar - Theosophie" führte. Die Lehre von der willkürlich entwickelbaren "Hellsichtigkeit" ist Leadbeaters Schöpfung. Diese Ansicht wird weder vom Okkultismus des 19.Jahrhunderts noch von Blavatsky so vertreten. In der indischen Tradition ist sie allenfalls im Volksglauben zu finden. Leadbeaters Ansichten fanden bis heute eine weite Verbreitung in der theosophisch- anthroposophischen Bewegung und davon unabhängig auch in der "Esoterik des 20.Jahrhunderts".
Annie Besant gab Leadbeater inhaltlich einen unbegrenzten Spielraum. Leadbeater durchlief eine kometenhafte Karriere, die genau so abrupt endete, wie sie begonnen hatte. Amerikanische Theosophen distanzierten sich auf eine besondere Art von ihm. Sie diskreditierten ihn moralisch, indem sie ihm Pädophilie vorwarfen. In mehreren Prozessen musste sich Leadbeater vor einem Gericht in London dagegen verteidigen. Er konnte zwar eine juristische Verurteilung vermeiden, erreichte aber keine Rehabilitation. Leadbeater wurde von einem Tag zum anderen aus der Leitung der Theosophischen Gesellschaft entfernt und aus der Liste der Vortragenden gestrichen. Er verlor in England jedes Vertrauen und zog sich nach Adyar zurück. Die Zeit nach dem Leadbeater - Skandal (1906) bis zu seinem zweiten großen Auftreten (1912/1913) verbrachte Leadbeater in Indien. Bei Leadbeater findet man theosophische Allgemeinplätze, spiritistische Überzeugungen und populäre indische Religionsauffassungen nebeneinander. Der Widerstand, der sich gegen Leadbeater formierte, hängt zum großen Teil damit zusammen, dass Leadbeater weit über das hinausging, was man in der theosophischen Bewegung von Blavatsky her kennen und lieben gelernt hatte.
Auf
Leadbeaters Veröffentlichungen folgte meistens ein Echo in den Werken von Steiner.
Steiners "Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?" gehen
sogar mehrere Schriften von Judge, Besant und Leadbeater zu diesem Thema voraus
38. Steiner bearbeitete die selben Inhalte
aber unter einem anderen Blickwinkel. Und so muss man sich nicht wundern, dass
selbst leitende Vertreter der anthroposophischen Bewegung Steiner und
Leadbeater in gleicher Weise interpretierten. Steiner hat vor 1910 auch wenig
dafür getan, sich von Leadbeater abzusetzen. Manchmal macht es auch den
Eindruck, als habe er Leadbeater passagenweise übernommen. Besonders deutlich
zum Beispiel bei der Chakralehre, die sich viel stärker an Leadbeater
orientiert, als zum Beispiel an Deußen oder den klassischen Texten zu diesem
Gegenstand. Leadbeater hatte 1903 die Meinung vertreten, Hellsichtigkeit
(französisch "Clairvoyance"39) könne
man systematisch entwickeln. Nun finden wir diese Position auch in Steiners
"Wie erlangt man...?"
In "Wie erlangt man...?" (1904/05) geht Steiner aber weit über Leadbeater hinaus. Leadbeater benützte den Yoga dazu, "Hellsichtigkeit" (Clairvoyance) für sich zu beanspruchen. Steiner dagegen würdigt den Yoga an sich, ohne ihn zu instrumentalisieren. Steiner propagierte die Methoden des Yoga für einen spirituellen Weg, der die eine umfassende Umwandlung des Suchenden herbeiführen sollte. Er entnahm dem hinduistisch- buddhistischen Kontext Methoden, um sie dem europäischen Kontext zuzuführen. Steiner schließt an die Yogainterpretation der Theosophen an. Aber während Annie Besant das Ziel des Yoga gemäß der buddhistisch- hinduistischen Tradition in der Erlösung von der Welt sucht, gab Steiner ihm ein anderes Ziel. Nicht die Erlösung von der Welt ist sein Ziel, sondern eine "mystische Schau und Einswerdung mit dem All". Die Erfahrung der Alleinheit des Daseins, wie wir sie bei den großen Mystikern finden, schließt an die europäische Mystik an, die mit Thomas von Kempen, Jakob Boehme und einer langen Reihe weiterer Namen bezeichnet werden kann. Steiner strebt eine 'Erfahrung des wahren Namens der Dinge' an.
In Charles W. Leadbeaters Schriften
kommen mehrere Elemente zusammen. Bisweilen stehen sie unvermittelt und
widersprüchlich nebeneinander. Das kommt daher, dass diese Elemente aus
unterschiedlichen Traditionen hergenommen sind, die ursprünglich nichts
gemeinsam haben, aber durch Leadbeaters Biografie miteinander verbunden wurden.
Diese Elemente entsprechen den Lebenssituationen, die Leadbeater nach einander
durchlaufen hat.
a) Leadbeaters Herkunft aus christlicher Tradition. Als Seminarist der
englischen Hochkirche hatte er eine kurze Ausbildung gehabt. Danach arbeitete
er als Hilfsgeistlicher unter der Obhut eines Verwandten, der in der englischen
Kirche ein hohes Amt innehatte. Allerdings blieb Leadbeaters theologische
Bildung recht oberflächlich. Immer wieder wird in Leadbeaters Schriften
deutlich, dass er keine richtige theologische Ausbildung durchlaufen konnte.
Schon früh starb sein Vater, seine Mutter lebte in ärmlichsten Verhältnissen.
Ein Verwandter konnte Leadbeater schließlich als Hilfsgeistlichen anstellen
(1879).
b) Leadbeater besuchte spiritistische Seancen (1880). Sein Interesse an
Seancen führte ihn zur Theosophie. Seit dem frühen Tod des Vaters entwickelte
Leadbeater ein Interesse am Spiritismus. Die Frage, wie man in den
spiritistischen Zirkeln eine Verbindung mit Verstorbenen aufnehmen könne, hatte
er mit Annie Besant gemeinsam. Beide wurden durch diese Fragen in einen
Zusammenhang mit der Theosophischen Gesellschaft gebracht.
c) Nach seinem "Übertritt zum Buddhismus" in Ceylon eignete
sich Leadbeater viele Sichtweisen aus dem indischen Kulturraum an, in dem er ja
über einen längeren Zeitraum lebte. Vom Theosophischen Zentrum Ceylons aus
konnte er Kontakte zu örtlichen Würdenträgern knüpfen. Durch Lektüre, die ihm
in der theosophischen Bibliothek von Adyar möglich war, konnte er seine
Kenntnisse vertiefen. Einige Zeit lang besuchte Leadbeater sporadisch die
Vorträge von Subba Row (1889), der, nach Blavatskys Abreise aus Adyar,
weiterhin dieses Theosophische Zentrum besuchte. Durch Subba Row lernte
Leadbeater auch die Kundalini- Lehre kennen.
Die Tatsache, dass Leadbeater eine bisher unbekannte und von Geheimnissen
umwobene Version des Yoga kennen gelernt hatte, bot ihm die einzigartige
Möglichkeit, sich in der theosophischen Bewegung zu profilieren.
Die Kundalini- Lehre ist
ja ein Teil des Tantrayoga. Leadbeater deutete sie um zu einer Methode,
"Hellsichtigkeit" zu entwickeln. Der Kundaliniyoga war vor dem 20.Jahrhundert
in Europa unbekannt.
Was in der New - Age Bewegung des 20.Jahrhunderts über die Chakren
veröffentlicht wurde, ist stark von Leadbeater her beeinflusst. Leadbeaters
Schriften, besonders sein Lehrwerk "The Chakras", ging in das
Repertoire der esoterischen Bewegung des 20.Jahrhunderts ein und wurde dort zu
einer Art Standartwerk40. Ich werde weiter
unten in diesem Text noch auf Leadbeaters Chakralehre eingehen und
herausarbeiten, dass wesentliche Unterschiede zwischen Leadbeaters Auffassung
und der ursprünglichen Chakrabedeutung bestehen. Natürlich ergeben sich daraus
Implikationen nicht nur für Steiners "Wie erlangt man...?", sondern
für die Esoterik des 20.Jahrhunderts überhaupt.
Leadbeaters Ansichten zielen darauf ab, eine geistige Welt zu "schauen". Vielleicht hat er dabei an biblische Aussagen gedacht. Bei Paulus liest man (1 Kor 13): "Jetzt schauen wir in einen Spiegel und sehen nur rätselhafte Umrisse, dann aber schauen wir von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich unvollkommen, dann aber werde ich durch und durch erkennen, wie auch ich erkannt worden bin". Der zweite Satz zeigt, dass Paulus nicht von einem Sehen im Sinne der Wahrnehmung spricht. "Erkennen" meint ja in der biblischen Sprechweise ein Innewerden. Nur oberflächliche Übersetzungen machen daraus ein "Sehen".
Nach
1913 verließ Leadbeater die theosophische Bewegung, um sich in Australien ein
neues Leben aufzubauen. Er konnte alte Beziehungen aus kirchlicher Zeit wieder
aktivieren. In Australien baute sich Leadbeater eine neue Karriere innerhalb
der Altkatholischen Kirche auf, fand Anhänger und war als Bischof Mitbegründer
der "Liberalkatholischen Kirche in Australien". (Das Foto zeigt ihn
als Bischof der Altkatholischen Kirche in Sidney).
Als nun Leadbeater in der theosophischen Bewegung nun keine Rolle mehr spielte, distanzierte sich auch Rudolf Steiner immer mehr von iih. In seiner Autobiografie 1925 schrieb Steiner rückblickend über seine Teilnahme am Theosophischen Kongress 1902 in London: "Nicht kennen lernte ich Mr. Leadbeater, den ich nur vom Podium herunter sprechen hörte. Er machte auf mich keinen besonderen Eindruck"41. Noch im Jahre 1906 hatte sich Steiner dagegen voll des Lobes über diesen Theosophen geäußert42.
Ein Vergleich der Werksverzeichnisse zwischen
Steiner und Leadbeater zeigt, dass Steiner viele Themen aufgegriffen hat, über
die Leadbeater sich zeitgleich oder kurz zuvor geäußert hatte. Offensichtlich
sah sich Steiner gedrängt, die Ausführungen von Leadbeater aufzugreifen und ihm
gegenüber einen eigenen Standpunkte zu entwickeln. Die Liste der Themen ist
lang und beinhaltet folgende Schwerpunkte:
- okkultes Sehen und Hören
- Chakralehre
- chemischer Okkultismus
- esoterisches Christentum
- Evangeliendeutung
- Ritus und Kultus
- Karmabetrachtungen
Steiner setzte sich nach 1903 in vielfacher
Weise über zehn Jahre lang mit den Unterschieden der "westlichen und die
östlichen Weltgegensätzlichkeit" auseinander. Bei jeder Gelegenheit
entfaltete er diese "Weltgegensätzlichkeit" auch vor dem
theosophischen Publikum. Steiner akzeptierte von allen Inhalten des Yoga nur
wenige Elemente. Diese stehen vor allem mit den mentalen Prozessen in Beziehung.
Alles andere (Mudras, Asanas, Mantras usw.) wird von ihm nicht einmal erwähnt.
Die Verbindung zwischen Meditation und Atem wurde von Steiner zwar anfänglich
noch vertreten. Er nahm aber schon bald Abstand davon. Vielleicht war es bei
Mitgliedern seiner Schülerschaft zu Formen von Hyperventillation gekommen...
Den indischen Schriften entnahm Steiner vielfache moralische Kataloge. Steiner
war der festen Meinung, dass eine "höhere Schulung" nur dann
betrieben werden dürfe, wenn dafür ein solides moralisches Fundament gegeben
sei. Man argumentierte 1906 vor allem gegen Leadbeater, dass ihm die
"moralische Grundlage" fehle. Mit diesem Argument konnte man
Leadbeater aus der Führungsposition der Theosophical Society entfernen.
Leadbeaters Anmaßung, über Fähigkeiten der Hellsichtigkeit zu verfügen, wurde
damals nicht in Frage gestellt. Auch andere berechtigte Fragen nach dem
Wahrheitsgehalt von Leadbeaters Darstellungen blieben im Hintergrund.
Bei Steiner ist es anders. Seine Yogainterpretation verlässt nie den Horizont Mitteleuropas. Steiner deutete das Ergebnis des Yogaweges vor diesem Horizont und ordnete ihn hier auch ein.Während der Yoga im hinduistisch- buddhistischen Kontext ja ein Mittel ist, die Welt hinter sich zu lassen, setzt Steiner die Elemente des Yoga ein, um den Menschen "mit seinem höheren Selbst" in Kontakt zu bringen: Nach Durchlaufen des von ihm vorgezeichneten Weges lebt die Seele dann "ohne Unterbrechung in höheren Welten und ist innerhalb der letzteren tätig" (GA 10 TB S.129).
Steiner
hatte ein großes Interesse daran, seine Interpretation von Meditation und Yoga
dem, was Leadbeater und die englische Theosophie vertrat, gegenüberzustellen.
Steiner rezensierte deshalb in "Lucifer - Gnosis" Besants und
Leadbeaters Yoga- Darstellungen43. Was Steiner
dem Besant- Leadbeaterschen Konzept von Yoga entgegensetzte, war stärker der
europäischen Tradition verbunden. Seine Meditationsanweisungen knüpfen an
Muster der christlich- mittelalterlichen Tradition an und an die neuplatonische
Deutung der mystischen Erfahrung, die in Europa seit dem 8.Jahrhundert
herangezogen worden ist. Die christliche wie auch die kabbalistische Mystik
bevorzugten ja gleichermaßen das neuplatonische Deutungsmodell. Steiner ordnete
die Elemente aus dem Raja Yoga in dieses Modell ein. Alles, was in diesem
Zusammenhang fremd ist, nahm Steiner nicht in seinen "Schulungsweg"
auf. Mit seinen Anweisungen für eine "höhere Schulung" legte Steiner
also keine Übertragung vor, sondern er betrieb eine regelrechte Revision des
Yoga. In "Lucifer - Gnosis" (1905, GA 34S.525) beschrieb er sein
Programm mit folgenden Worten:
"Der Weg, der in dieser Zeitschrift geschildert wird, ist derjenige,
welcher in Anpassung an das Leben im Abendlande, an die Entwicklungsstufe des
europäischen Menschen als der richtige sich herausgebildet hat (...) seit dem
vierzehnten Jahrhunderte".
Steiners Anliegen ist oft nicht verstanden worden. Selbst Marie Steiner und
Günther Wachsmuth haben dazu beigetragen, Steiners Anliegen aufs Neue mit dem
ganz anderen Anliegen Leadbeaters zu verquicken. Ein Beispiel dafür ist die
Darstellung von Günther Wachsmuth, dem langjährigen Vorstandsmitglied der
Anthroposophischen Gesellschaft. Wachsmuth vertrat die Ansicht, Steiner habe
mit "Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten" ein
systematisches Training von "Hellsichtigkeit" im Sinne von Leadbeater
anleiten wollen. Wachsmuth:
"Wer die Methode systematisch anwendet, kommt zur Hellsichtigkeit, zum
Schauen."44
Während Leadbeater "Hellsichtigkeit" als ein Ziel von Okkultismus und
Spiritismus des 19.Jahrhunderts verfolgte, ging es Steiner um eine Wahrung der
mitteleuropäischen Meditationstradition.. Mit systematisch geschulter
"Hellsichtigkeit" hat das wenig gemeinsam. Leider ist Wachsmuths
verzerrte Darstellung das gängige Interpretationsmuster des
"Schulungsweges" bis heute geblieben45.
In der Mizraim - Freimaurerei, deren Leitung für Deutschland Steiner nach 1906 übernahm46, dominierten die freimaurerischen Rituale, die mit der sogenannten "Tempellegende" begründet wurden. Yoga spielte in den Bereich der Mizraim- und Memphis Freimaurerei, den Steiner vertrat, keine Rolle. Aber Steiners Ära begann erst 1906. Vor 1906 gab es bei den Okkultisten Theodor Reuß und Carl Kellner die Bestrebung, den Yoga in das Lehrsystem der Mizraim - Freimaurerei aufzunehmen.
Vor allem der Chemiker und Freizeitokkultist Carl
Kellner praktizierte Yoga (als Hathayoga). Kellner hatte auf einer
Indienreise auch etwas vom Tantrayoga erfahren, das er nun in die
Mizraimfreimaurerei mit einbeziehen wollte. Doch dazu kam es nicht mehr. Carl
Kellner verstarb plötzlich, wahrscheinlich weil er sich bei chemischen
Experimenten eine schwere Vergiftung zugezogen hatte. Nach Kellners Tod 1905
wurde diese Idee durch Theodor Reuß weiter verfolgt. Yoga
sollte eine Rolle in dem von Reuß gegründeten Ordo Templis Orientis (O.T.O.)
spielen47. Auf die logenartigen Zusammenhänge
des O.T.O hatte Steiner keinen Einfluss. Sie wurden auch von Reuß eifersüchtig
gegen Einflüsse anderer Freimaurer abgeschirmt. So kommt es, dass die
ursprünglichen Ideen, die von Kellner noch für die Memphis- und Mizraim-
Freimaurerei gedacht waren, erst im Zusammenhang des Reuß / Crawley - Ordens
(O.T.O.) ausgeführt wurden. Hierzu gehört vor allem eine Beschäftigung mit
Tantrayoga. Eine sexuelle Deutung des Tantra durch Theodor Reuß führte schon
1906 zum Ausschluss von Reuß aus der offiziellen, institutionalisierten
Freimaurerbewegung48. Steiner, der durch
Theodor Reuß sein Freimaurerpatent49 von
Yarker erworben hatte, versuchte ja "von Anfang an", wie er immer
wieder betonte, zu Reuß Distanz zu halten.
Wenn Steiner in Kapitel 6 von "Wie erlangt man..." sich auf freimaurerische Riten bezieht, so hat dies hier seinen Ort. Vielleicht wollte auch Steiner einmal die Yogapraxis mit den Ritualinhalten seiner Mizraim - Freimaurerei zusammenführen. Das ist aber Spekulation. Steiners Freimaurerei hat sich nie über ein gewisses Anfangsstadium hinaus entwickelt und wurde ja 1914 anlässlich des ersten Weltkrieges ganz eingestellt. Die freimaurerischen Inhalte jedoch wurden vom Steiner in den Yogaweg integriert: Die Feuerprobe (S.55), Wasserprobe (S.59), der Gedächtnistrank (S.63) wurden zu Stationen auf Steiners Schulungsweg gedeutet. Die freimaurerischen Tugenden (Pflichterfüllung, Selbstbeherrschung, Wahrhaftigkeit, sichere Urteilskraft, Geistesgegenwart)50 wurden neben die Tugenden des Yoga gestellt.
4.2.1. Steiners Darstellung
Es ist nicht leicht, Steiners Ausführungen zu verstehen. Das liegt zum Teil daran, dass er die Quellen verdeckt, aus denen er selbst geschöpft hat. Steiner spricht von "Geheimschulung", von "Geheimlehrern" und von "okkultem Unterricht"51. Was mag damit gemeint sein?
Wenn man Veröffentlichungen zum Yoga aus der Zeit um 1890 zur Hand nimmt, dann trifft man auf diese Bezeichnungen auch in wissenschaftlichen Publikationen. In Steiners Privatbibliothek befindet sich ein Werk mit dem Titel "Die Geheim - Philosophie der Inder". Leipzig2 1906 des Inders Bramacharin Bodhabhikshu52. Von Franz Hartmann existiert ein Buch mit dem Titel "Yoga und Christentum oder Die Geheimlehre in der christlichen Religion" und selbst der Wissenschaftler Paul Deußen veröffentlichte ein Werk unter dem Titel "Die Geheimlehre des Vedanta"53. Doch beim Yoga Sutra handelt es sich nicht um eine eigentliche Geheimlehre mit verschlüsselter Schrift, die etwa in geheimen Logen tradiert worden wäre. Diese Vorstellungen haben ihren Ort im Okkultismus des 19.Jahrhunderts und können nicht auf die Kultursituation Indiens bezogen werden. Es ging den Yogameistern oder Brahmanen nicht um eine geheime Lehre. Nur war es eben schwer für die englischen Kolonialherren, diese Texte kennen zu lernen. Man brauchte dafür das Vertrauen der indischen Gelehrten. Die Engländer eigneten sich den ganzen Reichtum Indiens an. Wollten sie sich nun auch noch des kulturellen und religiösen Erbes bemächtigen? Es versteht sich von selbst, dass man seine religiösen Wurzeln nicht ohne weiteres den englischen Kolonialherren auslieferte. Das bedeutet nicht, dass es sich beim Yoga um eine "Geheimlehre" im Sinne des westlichen Okkultismus handelte.
Entsprechendes gilt für die Kabbala. Die mystische Kabbala war eine Lehre, welche von der herrschenden jüdischen Theologie nicht anerkannt, ja sogar als häretisch betrachtet wurde. Wer die Kabbala pflegte, riskierte seinen Ausschluss aus der Gemeinde. Kabbalistisches Gedankengut konnte man also nur in kleinen Zirkeln und nicht in der Gemeinde vertreten. Es versteht sich von selbst, dass man das kabbalistische Gedankengut dann nicht auch noch Vertretern einer fremden, oft feindlich gesonnenen christlichen Mehrheitskultur ausliefern konnte.
Heute ist der Text des Yoga Sutra, den Steiner als "Geheimlehre" bezeichnete, neben vielen weiteren Texten im Internet zu finden. Es handelt sich vor allem um das Yoga Sutra, aber auch um tantrische Inhalte, die Steiner indirekt über Paul Deußen, Franz Hartmann und Leadbeater kennen lernte. Steiner referiert, was er hier in Erfahrung bringen konnte, ohne seine Quelle zu nennen. Er ordnet das Neue in die Tradition der neuplatonischen Mystik ein, welche ihm durch seine Philosophiestudien bekannt war. Alles kleidet er in eigene Worte und erläutert es an selbst gewählten Beispielen. Auf diese Weise erfährt man von Steiner, wie die Meditation in der Tradition des Yoga Sutra durchgeführt wird.
Vergleicht man Steiners Text mit dem Yoga Sutra, so folgt er dem Original von Abschnitt zu Abschnitt, fasst ihn in eigene Worte und erläutert mit Beispielen. Das Yoga Sutra beginnt damit, die Vorbereitung auf die Meditation zu nennen. Steiner umschreibt dies mit folgenden Worten: "Der Geheimforscher nennt diese Grundstimmung den Pfad der Verehrung, der Devotion gegenüber der Wahrheit und Erkenntnis. Nur wer diese Grundstimmung hat, kann Geheimschüler werden." ( TB. S. 15): Voraussetzung jeder höheren Entwicklung ist die Haltung der Devotion. Kritiksucht und Zerstreuung sind zu vermeiden (TB. S.17ff). Die Eindrücke der Welt sollen "durch innere Tätigkeit" verarbeitet werden (TB. S.21). Als Bedingungen zur Geheimschulung werden genannt: Körperliche und geistige Gesundheit, ein Gefühl der Verbundenheit mit dem ganzen Leben, eine Sicht des Menschen als einem geistig - seelischen Wesen, Standhaftigkeit bei einem einmal gefassten Entschluss, ein grundlegendes Gefühl der Dankbarkeit gegenüber dem Leben, und eine Bejahung der Lebensbedingungen, in denen man lebt. Auch das Yoga Sutra beginnt damit, die Voraussetzungen zu erklären, welche bei einer Meditation gegeben sein müssen. Im Buch I des Yoga Sutra werden die Hilfsmittel aufgezählt, die der Meditierende ergreifen soll.
Im folgenden Abschnitt (Innere Ruhe) führt Steiner in die Kontemplation ein. Er gibt praktische Regeln, die zur Konzentration, inneren Ruhe und einer meditativen Grundstimmung führen sollen (TB. S.22-29). "In dieser Zeit soll der Mensch sich vollständig herausreißen aus seinem Alltagsleben. Sein Gedanken-, sein Gefühlsleben soll da eine andere Färbung erhalten, als sie sonst haben. Er soll seine Freuden, seine Sorgen, seine Erfahrungen, seine Taten vor seiner Seele vorbeiziehen lassen" (TB. S.23). Im Yoga Sutra gibt es dafür folgende Formulierung: "No attachment arises in regard to anything at all, whether perceived directly or learned".Steiner fährt fort: In innerer Ruhe und ruhiger Beschaulichkeit fängt es dann an, "aus der Stille heraus zu ihm zu sprechen"(TB. S.28). Der Meditierende soll sich "mit den hohen Gedanken durchdringen, welche fortgeschrittene Menschen in solchen Augenblicken gedacht haben. Er soll zum Ausgangspunkte die Schriften nehmen, die selbst solcher Offenbarung in der Meditation entsprossen sind." (TB. S.29). An dieser Stelle empfiehlt das Yoga Sutra, die Silbe Om zu meditieren, die alle religiöse Symbolik in sich schließt (Buch I,27). Bei Steiner: "Die ruhige Beschaulichkeit im Innern, die Zwiesprache mit der rein geistigen Welt füllt seine ganze Seele aus." (TB. 28) Dann wird im Yoga Sutra das meditative Atmen eingeführt - eine Technik, die Steiner nur anfänglich übernahmbs.
Im dritten Abschnitt (Die
Vorbereitung) beschreibt Steiner die gegenständliche Meditation.
Das Yoga Sutra empfielt an dieser Stelle, sich verschiedenen möglichen Inhalten
ganz zu öffnen ("by working with any one of the following principles of
practice" I,32), seien es Gefühlsinhalte, aufblitzende Gedanken, der Gang
des Atems, Trauminhalte, oder "through meditative absorption in any
desired object" (I,39).
An Beispielen macht Steiner deutlich, was gegenständliche Meditation ist. Als
Beispiel schlägt Steiner vor, über das Wachsen und Absterben einer Pflanze
(TB. S.32f) oder über "die Welt der Töne" zu meditieren
(TB. S,35f). Dabei soll der Meditierende mit "einem Wesen
sozusagen, zusammenfließen, von dem der Ton ausgeht" (TB. S.36).
Dadurch erwache "die Wahrnehmung des inneren Wortes" (TB.
S.37).
Das Yoga Sutra unterscheidet an dieser Stelle gegenständliche, begriffsgebundene Meditation von ungegenständlicher Meditation. Gegenständliche Meditation: "So long as conceptual or linguistic knowledge pervades this transparency, it is called coalescence with thought". (I,42). "At the next stage, called coalescence beyond thought, objects cease to be colored by memory; now formless, only their essential nature shines forth." (I,43).
Im vierten Abschnitt (Die Erleuchtung) beschreibt Steiner die ungegenständliche Meditation (TB. S.39ff). Er schlägt vor, von einer Betrachtung von Stein und Tier zur Kontemplation über das Werden und Vergehen, über Geburt und Tod überzugehen. Solch eine Betrachtung führt vom konkreten Gegenstand weg zu einer rein abstrakten begrifflichen inneren Wahrnehmung. Auch im Yoga Sutra wird an dieser Stelle der Übergang von der gegenständlichen zur ungegenständlichen Meditation gefordert: " In the lucidity of coalesced, reflection-free contemplation, the nature of the self becomes clear. The wisdom that arises in that lucidity is unerring. (...) This wisdom has as its object the actual distinction between pure awareness and consciousness." (I,47-49).
An dieser Stelle fügt Steiner einen Inhalt ein, der
durch das Yoga Sutra nicht gedeckt ist. Hier referiert er eine Position von
Leadbeater. In seinen Schriften Clairvoyance (1899) und
"Man, visible and invisible (1902)"54
hatte Leadbeater die Auffassung vertreten, dass man durch intensive Yogapraxis
die Fähigkeit der Hellsichtigkeit erwerben könne.
Der ursprüngliche Text des Yoga Sutra kennt keinen Begriff von
"Hellsichtigkeit". Auch die von Leadbeater angewendete Praxis, in der
"Aura" seiner Zöglinge zu lesen und "Gedankenformen"
wahrzunehmen, sucht man im Yoga Sutra vergebens. Mit Yoga hat dies nichts zu
tun. Solche Vorstellungen kommen aus dem Volksglauben. Man findet gar manchen
"Yogi" - Bettler, der seine diesbezüglichen "Fähigkeiten"
auf der Straße nach Almosen heischend zur Schau stellt. Die Erwartungen, welche
der Volksglauben an einen Yogi stellt, sind im apogryphen "vierten
Buch" später dem Yoga Sutra angefügt worden. Sie beziehen sich unter anderem
darauf, dass ein Yogi an mehreren Orten gleichzeitig sein, dass er heilen und
die Zukunft voraussagen könne.
In der theosophischen Zeitschrift "Lucifer - Gnosis" hatte Steiner schon an anderer Stelle die Auffassungen Leadbeaters wiedergegeben (GA 34 S.110-137). Nun führte Steiner auch in "Wie erlangt man..." aus, was Leadbeater über die Aura von Steinern, Pflanzen und Tieren sagte (TB. S.40). Steiner macht sich hier die Anschauungen Leadbeaters zu eigen.
Im fünften Abschnitt ( Kontrolle
der Gedanken und Gefühle) führt Steiner Leadbeaters Auffassung weiter aus.
Er macht an einem Beispiel deutlich, wie man zum Aurasehen kommen könne. Dazu
fordert er, "die Gefühle und Gedanken in die rechte Richtung zu
bringen. dann entwickelt man die Wahrnehmungen für das im gewöhnlichen Leben
Unsichtbare" (TB. S.44). Steiner führt dafür ein Beispiel an.
Man solle sich vorstellen, wie aus einem Samenkorn eine Pflanze werde.
"Dann überlege man sich folgendes. Aus diesem Samenkorn wird eine
vielgestaltige Pflanze entstehen, wenn es in die Erde gepflanzt wird. Man
vergegenwärtige sich diese Pflanze. Man baue sie sich in der Phantasie auf.
(...) Man stelle sich vor: dieses Unsichtbare wird sich später in die sichtbare
Pflanze verwandeln, die ich in Gestalt und Farbe vor mir haben werde." (TB. S.44)
(...) "Und man muss sich Zeit lassen, so dass sich der Gedanke und das
Gefühl, die sich an ihn anknüpfen, gleichsam in die Seele einbohren. - bringt
man das in der rechten Weise zustande, dann wird man nach einiger Zeit -
vielleicht erst nach vielen Versuchen - eine Kraft in sich verspüren. Und diese
Kraft wird eine neue Anschauung erschaffen. Das Samenkorn wird wie in einer
kleinen Lichtwolke eingeschlossen erscheinen. Es wird auf sinnlich - geistige
Weise als eine Art Flamme empfunden werden. Gegenüber der Mitte dieser Flamme
empfindet man so, wie man beim Eindruck der Farbe Lila empfindet; gegenüber dem
Rande, wie man der Farbe Bläulich gegenüber empfindet. - da erscheint das, was
man vorher nicht gesehen hat und was die Kraft des Gedankens und der Gefühle
geschaffen hat, die man in sich erregt hat." (GA 10 TB. S.45).
Bedauerlicherweise ist Steiner hier Leadbeater gefolgt. Zu jener Zeit (1904/09) war der apogryphe Charakter des Yoga Sutra Buch IV wohl noch nicht durchschaut worden. . Das Yoga Sura hat nicht "Hellsichtigkeit" zum Gegenstand . Es hat keine spektakulären Fähigkeiten zum Ziel, will es doch zu einer Berührung des eigenen Seins mit dem Sein überhaupt führen. Der Suchende soll in seinen geistigen Ursprung zurückfinden: "Subtle objects can be traced back to their origin in undifferentiated nature"(I,45). Auf der höchsten Stufe der Meditation von einer wie auch immer gearteten "Wahrnehmung" zu sprechen, würde die Yogatradition als Täuschung oder Maja zurückweisen.
Nach diesen Ausführungen folgt Steiner im Abschnitt 8 (Bedingungen zur Geheimschulung) weiter den Darstellungen des Yoga Sutra Buch II.3ff, das an dieser Stelle die moralischen Hindernisse bedenkt, welche sich einer weiteren Anstrengung entgegen stellen. Steiners Exkurs über die Chakralehre (Kapitel 9) möchte ich hier nicht behandeln, dazu müsste man erst einmal viel Material über die Kabbala zur Verfügung stellen, was diesen Rahmen sprengen würde.
Das Kapitel 10 der Schrift "Wie erlangt man...?" behandelt die Kontinuität des Bewusstseins im Zustand des Schlafes (Veränderungen im Traumleben des Geheimschülers). Im Yoga Sutra werden ebenfalls an dieser Stelle die Bewusstseinsstufen des Menschen betrachtet. Das Yoga Sutra führt aus, dass der Yogi sein Bewusstsein immer mehr auch in den traumlosen Schlaf hinein beibehalten könne. Es wird von einer Kontinuität des Bewusstseins gesprochen, die beim Übenden auf dieser Stufe eintrete. Steiner referiert: "Bald tritt auch als weitere Folge die Tatsache ein, dass die Bilder des träumenden Geheimschülers nicht mehr wie früher der Leitung des besonnenen Verstandes entzogen sind, sondern von diesem geregelt und ordnungsgemäß überschaut werden wie die Vorstellungen und Empfindungen des Wachbewusstseins. (...) Der Träumende ist im vollen Sinne des Wortes wach; das heißt, er fühlt sich als Herr und Führer seiner bildhaften Vorstellungen" (TB.S.114).
Mircea Eliade schildert in seinem Reisebericht aus Indien, dass er eine
Kolonie von Yogis besucht habe, in der einige Mitglieder nicht schliefen,
sondern in andauernder Meditation zu verharren schienen. Die Kontinuität des
Bewusstseins, von der das Yoga Sutra im dritten Buch spricht, behandelt Steiner
im 11.Abschnitt seiner Schrift.
Die drei Abschnitte, welche nun an die Darstellungen aus dem Yoga Sutra
angehängt sind, behandeln noch einmal das Thema des "Samadhi".
Diesmal aber unter den Gesichtspunkten und mit den Begriffen der Kabbala.
Fassen wir zusammen: Steiner entwirft 1904/05 einen "Schulungsweg". Dieser Schulungsweg beginnt damit, die Voraussetzungen der Meditation zu klären. Daraufhin werden Formen der gegenständlichen Meditation erörtert. Schließlich wird zur ungegenständlichen Meditation übergeleitet. Der von Steiner beschriebene Weg hat eine lange Tradition. Er ist schon im Yoga Sutra beschrieben worden. Später hat die neuplatonischen Mystik55 diesen Weg empfohlen. Die jüdische Mystik hat ihn ebenfalls praktiziert. Nicht nur die indischen Yogis haben diesen Weg praktiziert. In strukturgleicher Weise, wenn auch nicht inhaltlich identisch, hat ihn eine lange Reihe von Mystikern beschritten: angefangen von den Wüstenvätern über die mittelalterlichen Mystiker bis zu Johannes vom Kreuz, Meister Eckhard, Theresa von Avila. Steiners Entwurf unterscheidet sich von der Tradition dadurch, dass er zusätzlich noch traditionsfremde Elemente eingefügt hat (Symbolik der Freimaurerei, Leadbeaters Konzept von "Clairvoyance", eine theosophische Chakralehre). Ich würde empfehlen, diese künstlich hinzugefügten Versatzstücke wieder aus Steiners Entwurf zu entfernen. Sie klären nichts, was den Weg der Meditation beschreibt, sondern führen auf Abwege. Wenn dem Leser Steiners Schrift schon bekannt ist, dann mag es erhellend sein, sich einmal mit dem Yoga Sutra selbst zu beschäftigen.
Die ersten fünf Abschnitte von "Wie erlangt man...?" sind eine freie Interpretation dessen, was der Raja Yoga (übersetzt: der königliche Yoga) meint. Raja Yoga ist die Form des Yoga, welche seit H.P.Blavatsky in der theosophischen Bewegung bevorzugt wurde. Dieser Yoga wird nach den Anweisungen praktiziert, die in dem dem Text des Yoga-Sutra von Patañjali niedergeschrieben sind. Ein Schriftsteller aus dem 2. Vorchristlichen Jahrhundert, Patañjali genannt, gilt als Verfasser einer besonders authentischen Darstellung des Raja Yoga, über den ansonsten auch viele andere Kommentare geschrieben wurden. In Europa ist diese Form des Yoga heute wenig bekannt, weil in den Yogaschulen vor allem der Hatha Yoga seine Verbreitung gefunden hat57. Das Yoga Sutra gibt eine Anleitung zur Konzentration und Meditation. Besondere Körperhaltungen sind bei diesem Yoga nicht vorgeschrieben, außer dass man sich ruhig und bequem setzen soll. Inhaltliche Vorgaben werden für diese Meditation nicht gegeben. Es wird darauf hingewiesen, wie man durch Atmen die Meditation vertiefen kann. Dem instruktiven Teil sind Ausführungen über die Kontinuität des Bewusstseins beim Schlafen und über den Samadhi Zustand angeschlossen. Der später angefügte Teil (Buch IV) schildert die Wunder, die einem vollendeten Yogi angeblich möglich sind. Wenn man in Indien Bettler antrifft, die sich eindrucksvoll für die Zuschauer als Yogi darstellen, so geben sie vor, diese Wunder vollbringen zu können. Wer jedoch ernsthaft im Sinne des Yoga übt, der zieht sich in die Berge oder die Wälder zurück.
Schon in der Bhagavadgita geht es
um die Frage, die auch im Yoga das bewegende Motiv ist: Wie kann der Mensch aus
seiner Weltverfasstheit und den vielfältigen Verstrickungen und Daseinszwängen
heraus zu einem überweltlichen und zeitlosen Zustand finden? Yoga meint in der
indischen Literatur einen Weg, aus der Zeitlichkeit hinaus zu einer
Fühlungsnahme mit dem ewigen Dasein zu finden. Der Religionswissenschaftler
Mircea Eliade hat eine lange Zeit seines Lebens darauf verwandt, den Yoga zu
verstehen58. Als junger Mensch suchte er in Indien
Lehrer und Bibliotheken auf, um ein möglichst genaues Verständnis davon
entwickeln zu können. Seine Schilderungen von einer Kolonie von Yogis
beschreibt das Leben der Menschen, die nach den alten Yogatraditionen leben59. Eliade bezeichnet das Yoga Sutra als ein
Werk, das den Begriff vom Yoga sehr präzise herausarbeitet60.
Das Yoga Sutra stellt dem Leser eine Zusammenfassung von asketischen Praktiken
und Methoden, moralischen Ratschlägen und bewährte Inhalte für die
Kontemplation in einer systematisch angeordneten Weise zur Verfügung. Sein
Verfasser Patañjali fasst in dieser Schrift Lehrinhalte und praktische
Erfahrungen zusammen, welche in verschiedenen asketischen Schulen und
verstreuten Texten zuvor schon anzutreffen waren61.
Die Techniken des Yoga wurden ja schon vor Patañjali ausgeübt. Doch Patañjali
systematisierte und stellte diese Inhalte dann in Form eines Lehrwerks
zusammen. Eliade vertritt die Auffassung, dass durch Patañjalis systematische
Arbeit der Yoga von einer mystischen Tradition zu einem anerkannten
philosophischen System gefunden habe.
Das Yoga Sutra besteht aus vier Büchern62. Buch I führt in die richtige
Form der Meditation ein. Es werden Hilfsmittel aufgezählt (wie das Einnehmen
einer stabilen Sitzhaltung), welche die Meditation unterstützen. Die
Grundhaltung des Meditierenden muss zielgerichtet sein, ohne Ablenkung durch
innere oder äußere Gegenstände. Erörtert werden die Arten möglicher seelischer
Hindernisse. Falsche Motive werden charakterisiert. Der Übende soll auf eine
ruhige Seelenverfassung und logisches Unterscheidungsvermögen Wert legen. Das
diskursive Denken soll zur Ruhe gebracht werden, so dass das Bewusstsein weder
durch die Umwelt, noch durch eigene Innenwelten gefangen ist. Es wird
hervorgehoben, dass es positive Eigenschaften sind, welche den Strebenden
voranbringen: Glaube, Energie, Entschlusskraft und Entscheidungsvermögen.
Vollkommene Devotion führt zu reinem Gewahrwerden (I,24). Danach werden
positive und negative Kriterien angegeben, nach denen man beurteilen kann, ob
man Fortschritte macht: Als positiv wird bezeichnet, wenn sich Wohlwollen,
Mitgefühl, Freude und Gleichmut gegenüber allen Dingen einstellt (I,33). Als
negativ wird bezeichnet, wenn sich Kränklichkeit, Apathie, Zweifel,
Leichtsinnigkeit, Faulheit, Luststreben, Täuschung und Wahn, Mangel an Antrieb
und Unbeständigkeit breit machen (I,30). Das meditative Atmen wird eingeführt
und man wird dazu angehalten, von der gegenständlichen Meditation zur
ungegenständlichen fortzuschreiten, etwa von einer Meditation über ein Objekt
zu einer Meditation über eine seelische Haltung (I,43). Schließlich wird auch
diese Stufe der abstrakten Meditation nochmals überschritten in einer gänzlich
gegenstandslosen Meditation (I,51).
Im Yoga ist die Erfüllung eines Katalogs von ethischen Forderungen die
Vorbereitung für die Erleuchtung. Das Niyama und in der Bhagavadgita führt 10
Tugenden an:
a) Nichtverletzung anderer Lebewesen
Wahrhaftigkeit
e) Begierdelosigkeit
Keuschheit
b) Geduld
Tapferkeit
f) Barmherzigkeit
Schlichtheit
c) Genügsamkeit
d) Reinheit des Denkens und des Körpers
Steiner hat fast alle diese Tugenden ebenfalls gefordert. Er hat sie nur in
eine andere Reihenfolge und Begrifflichkeit gebracht. Bei ihm lautet der
moralische Katalog folgendermaßen:
a) Hochachtung vor anderen Menschen (TB. S.50), Taktgefühl anderen
gegenüber (TB. S.69)
Mut und Furchtlosigkeit (TB. S.51)
b) Geduld (TB. S.65)
c) Verlangen und Begierden müssen schweigen (TB. S.66)
d) richtige Erkenntnis (TB. S.67)
e) Umgang mit Zorn und Ärger (TB. S.68)
f) Milde (TB. S.70)
Schweigsamkeit (TB. S.70)
Studium heiliger Schriften (TB. S.72)
Weitere Bedingungen (TB. S.73)
Der Einführung ins Meditieren (Yoga Sutra, Buch I) folgt in den Büchern
II und III eine Diskussion der Herausforderungen und der Hindernisse, die
sich bei der Meditation einstellen können.
Das Buch II behandelt die "geistige Disziplin ", schlägt Inhalte vor,
die sich für eine Kontemplation eignen, und erörtert, was das Voranschreiten
behindert: die Dinge nicht so zu sehen, wie sie sind, gefühlsmäßige Aversionen
sowie eine Neigung, am eigenen Ich und an bestimmten Lieblingsvorstellungen
festzuhalten (II, 3). Es wird auch empfohlen, was die Meditation unterstützt:
Dies sind acht Elemente: äußere und innere Disziplin, Körperhaltung, ein
geregelter Atem, Konzentration, Kontemplation und "Integration".
Integration meint, dass alle Techniken und moralischen Gesichtspunkte, die
bisher einzeln entfaltet wurden, gebündelt und in einer präsenten Weise
eingesetzt werden können. Es wird auch geschildert, wie sich diese Elemente
positiv auf den inneren Weg auswirken.
Buch III behandelt die richtige Art der Aufmerksamkeit, der Kontemplation und Meditation. Von der Betrachtung verschiedener Inhalte wird zur gegenstandslosen Meditation übergegangen. Wirkungen der Meditation werden beschrieben. Zuletzt wird der höchste Zustand der Meditation, der Samadhi - Zustand, geschildert: Die Sinnesorgane nehmen nichts mehr wahr (III,22). Der Meditierende vergegenwärtigt sich seiner früheren Daseinsweisen. Er führt seine Betrachtung durch die Stufen der Evolution zurück bis zum Ursprung des Seins. ((Die theosophische Interpretation verkürzt diesen Passus meiner Meinung nach auf ein "Wahrnehmen früherer Inkarnationen". Ich glaube aber, dass es dem Yoga hier um ein bewusstes Zurückverfolgen des eigenen Daseins durch die Evolution bis zu seinem Ursprung geht)). Auf dieser Stufe der Meditation fühlt sich der Meditierende ungetrennt verbunden mit dem Seinsgrund.
Die Meditation geht den Weg über die Vorbereitung, Konzentration,
Kontemplation, und führt schließlich zu einem Aufgehen im wahren Dasein durch
eine "Integration aller zuvor praktizierten Elemente" (III, 7).
Samadhi ist ein Zustand gegenstandsloser Gewahrwerdung (III, 8). Das Yoga Sutra
drückt aus, dass in diesem Zustand die Sinnesorgane nichts mehr wahrnehmen
(III,22). Es stellen sich aber andere Wahrnehmungen dar, wie eine Einsicht in
frühere Daseinsformen. Es eröffnet sich eine Einsicht in das Wesen des Todes
(III, 23). Das Subtile, Verborgene und Entfernte wird wahrgenommen. Die
Bedeutung des Kosmos erscheint (III, 27). Man kann alles von innen heraus
erfassen (III, 30 - 39), auch andere Wesen. Man transzendiert die
Körperlichkeit mit ihren physikalischen Gesetzen. Das Leiden ist aufgehoben.
Im IV. Buch des Yoga Sutra (das manche für ein später angefügtes Werk halten)
wird mit weiteren Ausführungen der Zustand des Samadhi weiter umschrieben. In
symbolischer Sprache drückt der indische Volksglaube die Überzeugung aus, dass
der vollendete Yogi alle Begrenzungen hinter sich lässt und quasi magische
Kräfte erworben hat. Für den Vollendeten ist die Kette der Verursachungen, das
Karma, aufgelöst. Der Meditierende transzendiert die Grenzen von Zeit und Raum.
Ob Steiner sich in seinen Ausführungen an Paul Deußen, an Franz Hartmann oder einer Übertragung der englischen Fassung von Q.W:Judge63 orientiert hat, kann man nicht beurteilen, solange man nicht Steiners Privatbibliothek dafür konsultieren kann64
Steiner
hat nur einige Inhalte aus dem Yoga Sutra (vor allem aus Buch I und II)
aufgegriffen, um sie mit eigenen Begriffen aus seiner Sicht zu interpretieren.
In der Privatbibliothek Steiners in Dornach befinden sich die Werke des
deutschen Indologen Paul Deußen, der sich für die Erforschung und Übersetzung
von Sanskrittexten sehr verdient gemacht hat. Was im englischsprachigen Raum
damals Max Müller an Übersetzungen aus dem Sanskrit geleistet hat, hat für die
deutsche Sprache Paul Deußen erarbeitet. In seinem Reisebericht aus Indien erzählt
Deußen, dass er sich mit gelehrten Indern in Sanskrit über religiöse und
philosophische Fragen unterhalten konnte. Deußen hat nicht nur viele Texte aus
dem Sanskrit übersetzt, er ist auch der Verfasser eines umfangreichen
Sammelwerkes. Seine "Allgemeine Geschichte der Philosophie mit besonderer
Berücksichtigung der Religionen"65 bringt
in einer systematischen Form eine Zusammenfassungen der philosophisch und
religionsgeschichtlich relevanten Inhalte aus den Veden und Upanishaden. Es ist
gut möglich, dass Steiner die systematische Zusammenfassung Deußens als Vorlage
für seine Ausführungen gewählt hat. Denn Deußens Werke stehen in Steiners
Privatbibliothek. Steiner gab aber auch noch andere Quellen an, wie zB.
"Die Geheim - Philosophie der Inder von Bramacharin Bodhabhikshu;. Leipzig2
190666. Aber stellen wir einmal die Frage
hintan, welche Quellen Steiner im einzelnen verwendet hat. Er stellt jedenfalls
die Inhalte des Yoga Sutra mit eigenen Worten dar und folgt dabei auch dem
Bauplan, nach dem das Yoga Sutra inhaltlich aufgebaut ist.
Die Chakralehre ist in den sogenannten
tantrischen Schriften entwickelt worden. Einige Texte des Tantra sind gegen
Ende des neunzehnten und zu Beginn des 20.Jahrhunderts, die meisten aber erst
in den letzten dreißig Jahren veröffentlicht worden. Die Inhalte, die zwischen
dem zwölften und fünfzehnten nachchristlichen Jahrhundert schriftlich
niedergelegt wurden, ordnen den Yoga in das Begriffssystem der indisch-
tibetischen Philosophie, Psychologie, Medizin und Kosmologie ein. Auch magische
Vorstellungen bilden dabei eine Rolle, die aus der ursprünglichen tibetischen
Bong- Religion herkommen. In Europa sind heute fast nur die erotischen Inhalte
des Tantrayoga bekannt. In Indien werden diese Inhalte nur von wenigen
Anhängern einiger Sekten vertreten. Das tantrische Schrifttum bietet darüber
hinaus eine umfangreiche mystisch- philosophische Literatur, die bisher wenig
beachtet wurde.
In der Schrift "Wie erlangt man...?" gibt Steiner eine Schilderung der Chakralehre als Exkurs zwischen die Behandlung von Yoga Sutra Buch II und Yoga Sutra Buch III. unter der Überschirft "Über einige Wirkungen der Einweihung". So wie Steiner die Chakren beschreibt, findet man das nur bei Leadbeater geschrieben. Die indischen Textvorlagen sprechen anders über diese Thematik.
Die Werke von Gichtel67
werden oft herangezogen, um zu begründen, dass man in Europa auch eine Kenntnis
der Chakralehre gehabt habe. Aber Gichtel kann man nicht als Argument dafür
heranziehen. Denn bei einer genaueren Betrachtung der Tafeln von Gichtel zeigt
sich, dass Gichtel ein hermetisches Weltbild mit konzentrischen Planetensphären
vertritt. Gichtels Tafel bildet also die hermetische Weltsicht ab, die sich von
der Weltsicht des Tantra doch sehr unterscheidet.
Die tantrischen Texte beziehen sich auf eine mystische Physiologie, welche sich im hinduistischen und im buddhistischen Kulturraum entwickelt hat. Medizinische Vorstellungen sind ebenfalls eingeflossen. Aber mehr als eine äußere Beschreibung von Organen findet man in der tantrischen Physiologie eine Beschreibung von asketischen. Die mystische Beschreibung des Körpers benützt die selbe symbolische Sprache, die auch in der indischen Kosmologie und bei den traditionellen Riten verwendet wird 68 . Eine der ersten Übersetzungen der Chakralehre69 hat die Chakren als physiologische Zentren missverstanden. Seither hat sich ein Körperbezug der Chakras in der Literatur festgesetzt. Eliade betont, dass es in der Sanskritliteratur keine Grundlage für einen Körperbezug der Chakren gebe: "Il suffit de lire attentivement les textes pour se rendre compte qu´ il s`agit d`experiences transphysiologiques, que tous ces `centres´ représentent `ètats yogiques´, c`est á dire inaccessibles sans une ascèse spirituelle: les mortifications et les disciplines uniquement psychophysiologiques ne suffissnt pas à `reveiller´ les chakra ou à les pénétrer: l` essentiel, l`indispensable reste la méditation, la `réalisation´spirituelle."70
Die frühesten Texte, welche die Chakralehre zum Inhalt haben, stammen aus dem 8./9. Jahrhundert n.Chr71 Vereinzelte Äußerungen zu diesem oder jenem Chakra findet man aber schon in früheren Upanishaden aus dem 5.Jahrhundert vor Christus. Aber umfassende Texte, welche in einer systematischen Zusammenfassung eine Chakralehre entwickeln, gibt es erst aus späterer Zeit. Der bekannteste Text zur Chakralehre ist das Satchakra Nirupana. Aber auch andere, weniger gelesene Texte72 haben eine Chakralehre zum Inhalt. In diesen Texten werden die Chakren kosmischen Stadien, Göttern, zu religiösen Symbolen oder zu sprachlichen Lauten des Sanskritalphabetes zugeordnet.
Die
einzelnen Texte unterscheiden sich inhaltlich in ihrer Behandlung der Chakren.
Die Chakralehre, welche gegenwärtig in Europa Verbreitung findet73 geht im Wesentlichen auf den
Text des Satchakra Nirupana zurück. Auch die Inhalte, die wir bei Leadbeater
und bei Steiner behandelt finden, findet man so ausgesprochen im Satchakra
Nirupana.
Auch in den Texten des Hathayoga74 spielen die
Chakren eine Rolle. Hier stellen sie Zentren dar, die durch entsprechende
Übungen, Körperhaltungen und Atemtechnik gereinigt und für den göttlichen
Brahman geöffnet werden sollen. Die Grundidee des Hathayoga ist die Reinigung
des irdischen Körpers, so dass er wieder dem entspricht, was aus dem
ursprünglichen Kosmos hervorgegangen ist. Der Suchende will wieder in den
Uranfang der Entstehung aus göttlichem Brahman zurückfinden. Dieser Yoga
visualisiert deshalb auch in der Meditation die einzelnen Zustände, welche der
Kosmos durchlaufen hat. Die Kosmologie, welche in den religiösen Texten und
Riten entfaltet wurde, wird in die Meditation einbezogen. Die einzelnen
Chakren, die von oben nach unten dem Körper zugeordnet sind, repräsentieren als
Symbol dabei Stadien der Weltenentwicklung. In diesem Yoga geht der Suchende
den Weg zurück, den die Schöpfung bei ihrer Entwicklung aus dem Uranfang heraus
gegangen ist. Deshalb ist für den Übenden die Meditation der einzelnen
Weltzustände wichtig.
Die Chakren bieten ihm für seine Meditation Symbole der Weltzustände. Anhand dieser Symbole kann er die Weltntwicklung insgesamt und seine eigene im Speziellen zum Gegenstand seiner Meditation machen. Die Chakralehre bietet deshalb ein wichtiges Hilfsmittel für die Meditation. Dass die einzelnen Chakren dabei auf die einzelnen Körperregionen projeziert werden, entspricht der Überzeugung, dass sich der Kosmos linear entwickelt habe und dass der menschliche Körper ein Abbild dieser Entwicklung sei. Die Weltenschlange ist ein Symbol dieser Entwicklung. Das Bild der Schlange ist deshalb auch ein Grundsymbol für den Tantrayoga.
Dieser Grundgedanke ist auch der Hintergrund für den tantrischen Yoga. Unter "Tantrayoga" versteht man den mystischen Weg, unter Einsatz verschiedener Mittel eine Rückführung in den Ursprung zu erreichen. "Hathayoga" sucht den Ursprung in der Reinigung und Durchdringung mit dem göttlichen Atem. Der Tantrayoga, der geschichtlich gesehen nach dem Hathayoga entstanden ist, geht noch über den Hathayoga hinaus und will systematisch eine Auflösung der Existenz dadurch erreichen, dass sie diese in den Ursprungszustand (Nirwana) zurückführen will. Es liegt auf der Hand, dass der Tantrayoga unter dem Einfluss des Buddhismus entstanden und geographisch dort verbreitet ist, wo der Buddhismus mehrheitlich praktiziert wird (Ceylon, Nepal, Tibet). Das "Anhalten des Rades", die Rückführung in den Ursprung, die Auslösung der unendlichen Kette der karmischen Verstrickungen - dies sind Grundgedanken des Buddhismus.
Der
tantrischen Meditation liegen kosmo- physiologische Überzeugungen zu Grunde. Es
geht um eine Heiligung und Erlösung des ganzen Menschen mit asketischen,
meditativen und spirituellen Mitteln. Eliade formuliert dieses Anliegen folgendermaßen: "Le Hathayoga et le
Tantra transsubstantient le corps en lui créant des dimensions macranthropiques
et en l`assimilant aux divers `corps mystiques´(sonores,
architectoniques, iconographiques, etc.)."75
Der Tantrayoga setzt dafür die traditionellen Mittel ein, die wir aus dem Raja-
Yoga schon kennen gelernt haben und darüber hinaus auch noch weitere Riten,
Mandalas, Atemtechniken und asketische Übungen. Einige Texte benützen auch eine
erotische Sprache, um die Auflösung der irdischen Gegensätze unter den Symbolen
des Weiblichen und des Männlichen zu beschreiben. Zurecht vermutet man hier
einen Einfluss traditioneller chinesischer Grundüberzeugungen (Ying / Yang -
Shiva / Shakti) auf den Buddhismus. Darüber hinaus fanden aber auch
schamanische Elemente (Atemtechnik, Trance, "innere Hitze") und
Anschauungen der alten Bongreligion Aufnahme in den Tantra. In Westeuropa sind
heute, wie sollte es anders sein, vor allem diejenigen Inhalte des Tantrayoga
verbreitet worden, welche in erotischen Bildern eine Verschmelzung der
Gegensätze in der Symbolik von Shiva und Shakti darstellen.
Die Bildsprache, welche für den Tantrayoga die mystische Rückführung in den göttlichen Ursprung beschreibt, wird heute im Westen vor allem als eine erotische Anweisung zu sexueller Kultur missverstanden. Eine solche Engführung des ursprünglichen tantrischen Anliegens ist natürlich ein Missverständnis. In Indien wird diese Bildsprache vor allem symbolisch verstanden. Nur in einigen wenigen, von der Mehrheit nicht anerkannten Sekten werden auch die sexuellen Implikationen dieser Symbolik in den asketischen Weg mit einbezogen. Eine einseitige Engführung des Tantra auf eine sexuelle Interpretation hat nicht erst bei Bhagwan im Poona der 70er Jahre begonnen. Schon zu Steiners Zeiten gab es im Umkreis der Memphis- und Mizraim Freimaurerei Überlegungen, den Tantrayoga so zu verstehen. Wenn in einigen Texten im zweituntersten Chakra Vishnu und Chalkini dargestellt wird, so ist damit der göttliche Ausgleich von kosmischen Polaritäten gemeint. Die einzelnen Chakren sind entlang einer symbolischen Weltenachse aufgereiht, die vom Meditierenden mit dem Rückgrat identifiziert wird. Die einzelnen Chakren symbolisieren dabei verschiedene "Welten", also Zustände in der Realisierung des Kosmos, ausgehend vom anfänglichen Zustand vor der Schöpfung (repräsentiert durch das oberste Chakra, das dem Körper nicht zugerechnet und deshalb oberhalb des Scheitels angesetzt wird). In absteigender Folge symbolisieren dann die Chakren, die den tiefer liegenden körperlichen Regionen zugeordnet werden die kosmischen Zustände, welche nacheinander aus dem ursprünglichen Zustand des Nirvana hervorgegangen sind. Es ist eigentlich nicht gedacht, dass die einzelnen Chakren im Körper des Meditierenden "vorhanden" sind. Sie werden vielmehr zum Zweck der Meditation auf den Körper projeziert.
Das
unterste Chakra symbolisiert die Erdverbundenheit. In aufsteingender Folge
werden Lebenszustände (2.Chakra), seelische Grundhaltungen (3.Chakra), Gefühle
(4.Chakra) rationale (5.Chakra) und geistige Zustände (6.Chakra) durchlaufen.
Das oberste Chakra bringt die spirituelle Verbundenheit mit dem Universum zum
Ausdruck. Der Meditierende visualisiert, in den Chakren auf- und absteigend,
die Zustände seines eigenen Daseins und den inneren Zusammenhang des Kosmos
überhaupt. Will er, als buddhistischer Tantriker, das "Rad der
Wiedergeburten" anhalten und in das Nirwana einkehren, so steigt er, vom
Wurzelchakra ausgehend, Stufe um Stufe nach oben und bringt nach und nach jedes
einzelne Chakra des Daseins (Chakra = "Rad") zum Stillstand. Dabei
bringt er nicht nur seelische und geistige Tätigkeiten zum Stillstand, sondern
er hat auch trainiert, seine körperlichen Funktionen wilkürlich zu beherrschen.
Eliade erzählt von Einsiedlermönchen, welche nicht nur die Nahrungsaufnahme
dezimierten, sondern auch selbst das Atmen für einen längeren Zeitraum
einstellen konnten. In einem buddhistischen Zentrum auf der Insel Koh Samui in
Thailand kann man die Mumie eines Erleuchteten betrachten, der in seiner
Meditation willkürlich nach und nach jede körperliche Funktion angehalten hat,
um dann ins Nirvana einzukehren. Man kann die Mumie dieses Mönches in der
aufrechten meditativen Haltung antreffen, die er bei seiner letzten Meditation
eingenommen hat.
Ich möchte hier nicht weiter fortfahren, die Inhalte des Tantrayoga zu referieren. Es sollte hier nur so viel vom Hintergrund der Chakralehre zusammengetragen werden, damit man versteht, dass es sich bei den Chakren nicht um irgendwelche "Organe" handelt, sondern um Symbole, die für eine gewisse Art der buddhistischen Meditation hilfreich sind und die deshalb in der Meditation wie ein Mandala benützt wird, das auf den Körper projeziert wird.
Es ist wenig wahrscheinlich, dass Steiner den Text des Satchakra Nirupana zur Hand genommen hat. Aber wie jener Sanskrittext spricht Steiner in "Wie erlangt man...?" von sechs Chakren. Das Kronenchakra erwähnt er nicht. In der Reihenfolge von oben nach unten gehend bezeichnet er das Stirnchakra als erstes und folgt dann, abwärts gehend, der indischen Tradition beim Lokalisieren der einzelnen Chakren. Die beiden untersten Chakren ordnet er, globalisierend, dem "Unterleibe" zu. Den Begriff "Chakra" übersetzt Steiner mit "Rad" oder "Lotosblume".
In Abweichung vom ursprünglichen tantrischen Text ordnet Steiner die einzelnen Chakren als quasi körperliche "Organe" dem Ätherleib zu und meint, sie seien bei jedem Menschen an der selben Stelle (wenn auch mehr oder weniger "entwickelt") vorhanden. Während die Chakren in der Buddhistischen Tradition "zur Ruhe" gebracht werden sollen, möchte Steiner sie durch meditatiove Tätigkeit entwickeln und "in Bewegung" bringen, so dass sie voller "leuchtender Farbschattierung" sind. Dann nämlich stellt das Chakra in dieser Auffassung ein "Organ" dar, mit dem der "Hellseher Wahrnehmungen" aus der "geistigen Welt" hat.
In den
Schriften "The Aura" (1895), "Clairvoyance" (1899),
"Thought Forms" (1902) und "Man visible and invisible"
(1902) hatten Leadbeater und Besant die theosophische Auratheorie ausgebreitet.
Steiner knüpfte an diese Anschauungen an. In der Yogatradition visualisiert der
Meditierende sein eigenes Gefühlsleben, seine mentale Verfassung und die
Verstrickungen, in denen er sich befindet. Und auch für Steiner handelt es sich
zunächst um "Selbstwahrnehmungen" (TB.S.107). Leadbeater trat als
"Hellseher" auf, der in der Aura anderer Menschen76
"las". Während die östliche Tradition (und hier vor allem der
Kundaliniyoga) im untersten Chakra beginnt und dann nach oben aufsteigt77, beginnt Steiner beim zweitobersten, dem
sechzehnblättrigen Kehlkopf- Chakra. Die moralischen Tugenden, welche dieses
Chakra "reinigen" sind die acht Tugenden, die in Buddhas Lehre vom
"Achtfachen Pfad" aufgezählt werden:
rechte Anschauung und Gesinnung, rechtes Reden, Handeln und Leben, rechtes
Streben, Denken und Sichversenken.
Zu jeder dieser Tugenden gibt Steiner ein Kommentar (TB.S.84-87). Steiner
begründet nicht, warum er diese Grundtugenden Buddhas als Ausgangspunkt seines
Weges wählt. Aber rein zahlenmäßig ergibt sich durch die Verdoppellung von 8
die Anzahl der sechzehn Blütenblätter, welche dem Kehlkopfchakra zugeordnet
werden78.
Schon für Chakravarti, den indischen Berater der
Theosophen, ist das Herz- Chakra das wesentlichste Zentrum der spirituellen
Entwicklung. Steiner bezeichnet es als "Zentralorgan", welches wie
"eine Art Mittelpunkt" alle anderen Chakren untereinander koordiniere
(TB.S.100). Die moralischen Qualitäten, welche eine Entwicklung dieses Organes
bewirken, sind nach Steiner die sechs Tugenden, von denen die Bhagavadgita79 spricht.
Auch hier wird nur die halbe Anzahl der möglichen "Blütenblätter" in
Betracht gezogen. Zur Ausbildung des sechsblättrigen Lotos entwirft Steiner mit
umschreibenden Worten eine Moral, die durch "vollkommene Beherrschung des
Menschen durch das Selbstbewusstsein" gekennzeichnet ist, bei der
"Leib, Seele und Geist in einer vollkommenen Harmonie sind" (TB.S.96).
An dem Beispiel, wie er die Chakralehre behandelt, wird Steiners Arbeitsweise deutlich: Er übernimmt die Inhalte und die Struktur eines alten Textes und führt diese dann in eigenständiger Weise aus. Alte Begriffe, theosophische Formulierungen und Begriffsneuschöpfungen gehen Hand in Hand. Der Kontext und die ursprüngliche Intention des Textes spielt für Steiner eine untergeordnete Rolle.Vielleicht nennt Steiner seine literarische Quelle nicht, weil er etwas Neues aus der Vorlage gestaltet. Vielleicht auch nicht, damit er nicht den Religionswissenschaftler ins Gehege gerate. Für den Theosophen, der im Jahr 1904 den Text von "Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?" zur Hand nahm, war damit betont, er solle nicht alte Methoden und Inhalte praktizieren, sondern statt dessen die Anliegen der alten Texte auf einem zeitgemäßen Weg für die Gegenwart erobern. Darin kann man Steiner nur beipflichten. Es ist dann aber bedauerlich, dass so viele Leser seiner Schriften so sehr am Buchstaben ihres Meisters kleben, dass sie auch wiederum nicht in der Gegenwart ankommen, sondern im Jahr 1904 verharren. Hilfreich finde ich die Vorstellung von der Symbolhaftigkeit der Chakren, wie sie in den tantrischen Texten entwickelt wird. Leadbeaters Intention, die Chakren als "Wahrnehmungsorgane des Hellsehers" zu beschreiben, kann man nicht aus den Yogaschriften ableiten. Mircea Eliade (Le Yoga) und John Woodroffe (Serpent Power) haben eine solche Deutung abgelehnt.
Mit seiner Schrift "Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?" hat Steiner den Darstellungen von Leadbeater und Besant einen viel weitergehenden, genaueren Aufriss entgegengestellt. Vor allem Leadbeaters Formulierungen, die oft im Allgemeinen belassen wurden, verblassen gegenüber den ausführlichen Darstellungen Steiners. Steiner ist konkreter auf die Inhalte des Yoga Sutra eingegangen. Er hat damit seine Bewegung aus dem Bannkreis von Besant und Leadbeater herausgeführt. Weitere Konkretisierungen folgten in dem Zeitraum zwischen 1906 bis zur Abtrennung von der englisch - indischen Theosophischen- und zur Gründung der Anthroposophischen Gesellschaft (1913). Auch diese Schriften konkretisierten die Inhalte, welche in der englischen Gesellschaft lebten vor allem zu kosmologischen und christlichen Fragestellungen, zu Reinkarnation und Karma. Trotz dieser "aufarbeitend- überbietenden" Arbeitweise Steiners muss man beachten, dass Steiner viele Inhalte aus der theosophischen Bewegung unbesehen übernommen hat, die man heute besser hinterfragen als weiter tradieren sollte. Dazu will der hier vorliegende Text einen Beitrag leisten.
Im vorliegenden Text wurde aufgezeigt, dass Steiners "Schulungsweg" von 1904/05 eine Bearbeitung des Yoga Sutra ist. Steiners Schrift waren die Versuche anderer Autoren vorausgegangen, den Yoga in die Theosophische Gesellschaft einzuführen. Steiners Schrift "Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?" nimmt darauf Bezug.
Im Unterschied zu Judge, Besant und Leadbeater ging es Steiner darum, die Inhalte des Yoga unabhängig von ihrem hinduistisch- buddhistischen Hintergrund zu vertreten. Steiner eliminierte die Tendenz des Yoga, aus der Weltverflochtenheit herauszuführen. Er stetzte ihr ein evolutives Weltbildes entgegen. Die wichtigsten Elemente des Yoga hat Steiner einem europäischen Weltbezug eingewoben. Der Teppich, der auf diese Weise entstanden ist, enthält die moralischen Kataloge des Patañjali, übernimmt aus dem Yoga Sutra eine Beschreibung des menschlichen Bewusstseins auf dem Weg der Versenkung, schildert den Samadhi - Zustand nach der indischen Vorlage und deutet dann das Ergebnis mit Begriffen, die der europäischen Kabbala entnommen sind. In den Teppich wurden daneben noch andere Themen eingearbeitet, die mit dem klassischen Yoga nichts zu tun haben und mehr durch einen äußeren Anlass dorthin gekommen sind: die Freimaurerthematik und Leadbeaters Chakralehre.
Wenn man von diesen beiden Inhalten absieht, kann man Steiners Schrift, als eine Yogainterpretation betrachten, als ein früher Versuch, den Yoga in die europäische Kultur aufzunehmen, dem noch viele andere Versuche im 20.Jahrhundert folgen sollten. Man muss zugeben, dass die ursprüngliche Gestalt des Yoga bei diesem Versuch kaum noch zu erkennen ist. Aber neben den vielen Versuchen, den Yoga unbesehen zu übernehmen, wurde hier eine Anstrengung unternommen, ihn so zu verwenden, dass eine europäische Identität erhalten bleiben konnte, die der Welt positiv entgegentritt und sich ihr nicht in ein Nirwana entzieht.
Wie steht es um den Wahrheitsgehalt von Steiners "Schulungsweg"?
Soweit die Themen betroffen sind, die aus dem Yoga übernommen wurden, kann man
ja auf die gleichlautende Erfahrung all jener verweisen, die den Yoga
praktizieren. Auch in der europäischen Mystik gibt es dazu ja analoge Aussagen.
Ich habe allerdings nichts gefunden, was Leadbeaters Chakralehre und seine
Theorie von der Hellsichtigkeit bestätigen würde. Leadbeaters Theorie lässt
sich so durch den Yoga nicht begründen, denn dort wird den Chakren eine
mehr symbolische Bedeutung zugewiesen.
Vielleicht sollte man Steiners "Schulungsweg" unter diesen Gesichtspunkten heute überarbeiten. Die Schrift "Wie erlangt man...?" stellt einen wichtigen Beitrag dar für alle, welche die Übungen des Yoga unabhängig von seinem weltverneinenden Zusammenhang ("Hauslosigkeit", Aufgabe des Ichs) praktizieren wollen. Das Anliegen des Yoga Sutra, die Wege des eigenen Bewusstseins zu beobachten, zu lenken und zu trainieren, ist nach wie vor faszinierend. Nachdem zu Beginn des 20.Jahrhunderts die Ideen des Yoga nach Europa vermittelt worden waren, wurden viele Wege gesucht, sie auf eine europäische Weise zu praktizieren. Steiner war von dieser Idee begeistert, ja er sprach davon, man müsse eine "Initiationswissenschaft" begründen. In vielen späteren Schriften kam Steiner auf diese Idee wieder zurück. Die Liste ist lang und umfasst (ausschnittweise) folgende Werke:
Die Stufen der höheren Erkenntnis (GA 12)
Geheimwissenschaft (GA 13)
Ein Weg zur Selbsterkenntnis in acht Meditationen (GA 16)
Die Schwelle der geistigen Welt (GA 17)
Ziel des meditativen Weges ist bei Steiner die Vereinigung des Suchenden mit seinem "Höheren Selbst". Damit folgt Steiner ganz der herkömmlichen neuplatonischen Tradition. Steiners Schulungsweg ist zwar ein recht heterogenes Gebilde, doch folgt es der Spur, welche die westliche Tradition vorgab. Die Elemente des Yoga wurden zwar aufgegriffen, aber gleichzeitig wurden spezifische Elemente (das meditative Atmen, die Asanas, Mandalas, der buddhistisch- hinduistische Hintergrund) entfernt. Die von Steiner verwendeten tantrischen Motive wurden in ihrer Reihenfolge umgekehrt. Statt in der Meditation die Chakras von unten nach oben zu durchlaufen, möchte Steiner von dem mittleren Chakra ausgehend die anderen Zentren aktivieren.
Was hat Steiners Schrift "Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?" bewirkt? Sie hat viele Menschen in ihrer inneren Arbeit auf dem Weg der Selbsterkenntnis angespornt und begleitet, oft natürlich auch frustriert. Darin ist sie der großen asketischen Bewegung Indiens ähnlich. Auch hier geht es um Läuterung, Vervollkommnung, Aufhebung von Verstrickungen, Entflechtung von Karma. In endlosen Mühen versucht die Asketik das böse Karma abzutragen, um Krankheit und Leiden hinter sich zu lassen. Es wurden viele Wege gelehrt, um dieses Ziel zu erreichen.
Patañjalis Yoga Sutra stellt eine stringente, anspruchsvolle Methode dar, den Legalismus der Asketen zu überwinden und die jahrhundertealte Meditationserfahrung Indiens späteren Generationen weiter zu vermitteln. Gleich einem "Wanderführer ins Land des Bewusstseins" gibt diese Schrift vielfältige Warnungen, Hinweise und Anregungen mit auf den Weg. Nach wie vor ist dieses Werk faszinierend für jeden, der sein eigenes Bewusstsein ergründen mag. Wer unterwegs ist, den beschäftigen die Meilensteine und Wegzeichen. Aber all diese Hilfsmittel sind kein Garant dafür, dass man das Ziel erreicht.
Von Buddha wird gesagt, er habe jahrelang intensiver und härter als alle anderen sämtliche asketischen Übungen praktiziert. Aber zur Erleuchtung sei er auf diesem Weg nicht gekommen. Erst als er die komplizierte Welt der Asketen hinter sich gelassen habe und unter dem Bodhi Baum in tiefer Meditation zur Ruhe gekommen sei, habe ihn die Erleuchtung aufgesucht.80
Ausgaben von "Wie erlangt man...?"
STEINER, Rudolf; "Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten? (GA
10) (Verwendet wurde von mir die Taschenbuch- Ausgabe Nr.600; 1961). Ich
zitierte hier die Internetfassung von H.Zimmermann
Diese Schrift fasst zusammen Aufsätze aus:
STEINER, Rudolf; "Lucifer Gnosis" Nr. 13-28 Berlin 1904/05
STEINER, Rudolf; Lucifer - Gnosis (1903-1908) (GA 34) Dornach 1987
Ausgaben des Yoga Sutra:
PATANJALI; Yoga Sutra. "The Yoga-Sutra Of Patañjali; Hrsg. Chip
Hartranft "
Andere Ausgaben:
The Yoga Aphorisms of Patanjali; interpreted by W.Q.Judge (1889), The Theosophical University
Press Online Edition.
The Yoga Sutras of Patañjali von Swami Venkatesananda oder
www.gutenberg.net - with "An Introduction to Yoga by Annie
Besant" (1907)
Upanishaden:
Upanishaden, die (in einer unsystematischen Weise) den Yoga ansprechen, sind
der Dhyana-Bindu Upanishad, der Mandala-Brahmana Upanishad, der
Varaha-Upanishad, den Yoga Kundalini Upanishad
Man findet diese und andere Upanishaden im Internet in der (englischen)
Übersetzung von Narayanasvami
Aiyar
Andere Texte des Yoga:
Hatha Yoga Pradipika
translated by Pancham Sinh, Hg.Sudhindra Nath Vasu, The Indian Press, Allahabad
1914
Viele tantrische Texte wurden von Mike Magee unter der Adresse "Tantric Texts to
download" (1996ff) ins Netz gestellt.
Sat- Chakra
Nirupana als Textauszug aus:
Woodroffe , John (alias Arthur Avalon); The Serpent Power, Madras
Als Steiners Quellen kommen in Frage:
BODHABHIKSHU, Bramacharin; Die Geheim - Philosophie der Inder. Leipzig2
1906
DEUßEN, Paul; Die Elemente der Metaphysik Leipzig 1877
DEUßEN, Paul; Vedanta und Platonismus 1904/ 1911
DEUßEN, Paul; Allgemeine Geschichte der Philosophie, Leipzig 1884ff Bd 1,1
"Vedanta" 1894;
Der Band 1,2 "Die Philosophie der Upanishads 1899 handelt auf den Seiten
343 bis 353 über den Yoga;
auf den Seiten 235 - 239 findet man eine Darstellung über den Ätherleib
auf Seite 263 - 265 über den Aufenthalt der Seele nach dem Tod auf dem Mond
Auf den Seiten 270 - 281 über die Bewusstseinsstufen der Seele im Wachen, beim
Traum, beim Tiefschlaf und im Samadhizustand
Band 1,3 "Nachvedische Philosophie 1914 kommt für "Wie erlangt
man...?" nicht mehr in Frage;
Bd 2 behandelt die "Philosophie der Griechen 1911 und Bd 3
"Philosophie der Bibel" 1913
Von Deußen sind außerdem erschienen:
DEUßEN, Paul; Die Sutras des Vedanta 1887
DEUßEN, Paul; Sechzig Upanishads 1897
DEUßEN, Paul; Vier philosophische Texte des Mahabaratam (sic)
1906
DEUßEN, Paul; Die Geheimlehre des Vedanta 41911
DAVID - NEEL, Alexandra; Bibliografie
ELIADE, Mircea; Indisches Tagebuch: Reise durch einen mystischen Kontinent /
Mircea Eliade. Aus d. Rumän. übers. In den späteren Ausgaben des
"Indischen Tagebuches" fehlen leider die interessantesten
Schilderungen über Eliades Begegnungen in der Yogi - Kolonie
ELIADE, Mircea; Yoga : Unsterblichkeit u. Freiheit. Frankfurt a.M. 1988.
ELIADE, Mircea; Le Yoga,
Paris 1975
ELIADE, Mircea; Der Yoga des Patanjali. Freiburg 1999
Theosophische Literatur:
Ein ausführliches Verzeichnis theosophischer Literatur,
die online verfügbar ist, hat Theosophical University
Press, (TUP Pasadena) veröffentlicht
Weitere umfangreiche Veröffentlichungen wurden durch The Theosophical Society,
California vorgenommen
BESANT, Annie; The Path of Discipleship (1895)- von Steiner rezensiert in
"Lucifer - Gnosis" GA 34 S. 567 bis 579 deutsch: Der Pfad der
Jüngerschaft Graz 1980
BESANT, Annie; Thought Power. deutsch: Gedankenkraft - Beherrschung und
Ausbildung Adyar 31994
BESANT, Annie; und LEADBEATER, Charles W.; Thought Forms (1902), in ähnlicher
Weise auch gehalten als Referat vor dem Theosophischen Kongess in London 1902
LEADBEATER, Charles W.; The Astral
Plane (1896)
LEADBEATER, Charles W.; Clairvoyance
(1899)
LEADBEATER, Charles W.; The Chakras; Theosophical Classics Series 1927 deutsch:
Die Chakras; Freiburg 131998
LEADBEATER, Charles W.; Der sichtbare und der unsichtbare Mensch. Freiburg 71991
LEADBEATER, Charles W.; Gedankenformen 71996
Ich benutzte folgende Biografie Leadbeaters:
TILLETT, Gregory; The Elder Brother. A biography of Charles Webster Leadbeater. London 1982
H.P.Blavatsky war mit Max Müller befreundet. Als Blavatskys Quellen kommen in
diesem Zusammenhang in Frage:
MÜLLER, Max; The
Upanishads, Part I folgende. (Sacred Books of the East 1879 ff)
MÜLLER, Max; The System of Mysticism: The Kala Chakra System, its Origin
and Dogmas.
SCHLAGINTWEIT, Emil; Buddhism in Tibet. Literary Documents and Objekts of
Religious Worship 1863
KELLNER, Carl; Carl Kellner's text about Yoga. Zur Beurteilung Kellners
ist es hilfreich, den Text von Hartmann (Franz Hartmann
about Carl Kellner in 1924) zu Rate zu ziehen.
JUDGE, William Q.; The Ocean of Theosophy. 1893
Eine ausführliche Bibliografie der Schriften von Franz Hartmann findet man (in
niederländisch) unter der Adresse:
Theosofische
Bibliotheek: F.Hartmann
HARTMANN, Franz; Lotosblüten 1893-1900. Inhaltsangaben
HARTMANN, Franz; Die Bhagavad - Gita, oder das Hohe Lied Calw 1991
HARTMANN, Franz; Unter den Adepten (Hartmanns Erinnerungen an seine
Indienreise)
HARTMANN, Franz; Yoga und Christentum oder Die Geheimlehre der christlichen
Religion Calw 1992
HARTMANN, Franz; Indische Miniaturen (Reiseerinnerungen)
HARTMANN, Franz; Im Vorhof des Tempels der Weisheit
HARTMANN, Franz; Weiße und schwarze Magie. (Hartmanns Auffassung von
Tantrayoga).
KAZLEV, M.Alan; The Chakras -
New Age Interpretations gibt einen Überblick von der Rolle der Chakralehre
in der Esoterik des 20.Jahrhunderts
1 STEINER, Rudolf; Lucifer -
Gnosis 1903 - 1908. Grundlegende Aufsätze zur Anthroposophie und Berichte aus
den Zeitschriften Luzifer und "Lucifer - Gnosis". Auswahl. (GA 34)
Dornach 1987
2 STEINER, Rudolf; Wie
erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten? Zuerst erschienen in der
theosophischen Zeitschrift "Luzifer" - "Lucifer - Gnosis"
1904/05, dann in Buchform Berlin 19091 (GA 10)
Ich zitiere auf dieser Internetseite die Präsentation von Steiners Text
durch H.Zimmermann, die unter dem Link "Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?" veröffentlicht ist.
3 LEADBEATER, Charles
Webster; Clairvoyance
4 Ich denke etwa an solche
Bemerkungen wie im Kapitel "Erleuchtung", wo Steiner schildert, dass
um ein Samenkorn herum eine bläuliche Wolke zu sehen sei.
5 Ich zitiere in diesem
Internettext eine Internetfassung von Steiners "Wie erlangt man...",
welche in praktische Einzeltexte portioniert ist. Stichprobenweise wurde dieser
Text an der Buchfassung verglichen und für korrekt befunden. H.Zimmermann hat
diesen Text ins Internet gestellt.
6 Ich habe Steiners Memphis-
und Mizraimfreimaurerei in einem anderen Internettext ausführlich behandelt. Im Internet findet man auch
die Texte und Inhalte der Riten, auf die sich Steiner
inhaltlich im 6.Abschnitt seiner Schrift "Wie erlangt man...?"
bezieht.
7
Frankismus:
Greenfield, T.Allen; "The Frankist Ecstatics of the Eighteenth
Century"
http://www.hermetics.org/Frankist.html
Im
20.Jahrhundert vertrat Franz Bardon die kabbalistische Ekstase.
8 In Deutschland zum Beispiel
Karl Seidenstückers
"Buddhistischer Missionsverein für Deutschland". Gegen Seidenstücker GA 34 S.
474; gegen Besant GA 34 S. 505
9 Eliade, Mircea, Indisches
Tagebuch. Ausgabe Freiburg 1998
10 Im Internet kann man
Müllers Texte unter der Adresse "The Upanishads, Sacred Books of the East 1879
ff"
finden
11 DEUßEN, Paul; Allgemeine
Geschichte der Philosophie.
12 The Voice of
the Silence by H. P. Blavatsky (1889)
Blavatsky, Secret Doctrine I, 157f
13 "The
Theosophist"; A Monthly Journal Devoted
to Oriental Philosophy, Art, Literature and Occultism: Embracing Mesmerism,
Spiritualism, and Other Secret Sciences Conducted by H. P. Blavatsky, Bombay
1879 - 1880.
14 BESANT, Annie; The Path of Discipleship, Adyar, Madras 1895. Deutsch: Der Pfad der
Jüngerschaft - Graz 1980
15 BESANT, Annie; Thought
Power 1903
heute zusammengefasst in der Sammlung: HARTMANN, Franz; Abhandlungen über
Yoga, Calw 1992.
Eine Inhaltsangabe der zwischen 1893 und 1900 erschienenen
Zeitschrift "Lotusblüten" gibt es im Internet.
16 YOGANANDA, Paramhansa;
Autobiografie eines Yogi, München 1953 S.331ff
17 Subba Row starb 1890, seine
Schriften wurden von der Bombay Theosophical Publications Fund 1910, 1921 und
1931 herausgegeben
18 (Pfad der Jüngerschaft
S.110)
19 Lucifer Gnosis Mai 1905, GA
S.525).
20 Besant; Kapitel 1 und
Kapitel 2 von "Pfad der Jüngerschaft
Im dritten Teil ihres "Pfades der Jüngerschaft"
nennt Besant das Ziel des Yogaweges die "Hauslosigkeit".
21 Thought Power (1903)
S.80-100 und 105 - 111
22 in den Abschnitten über
Kontemplation und Meditation
23 Leadbeater, The Chakras.
24 HARTMANN, Franz; Magic white and black: or the science of finite and
infinite life: containing practical hints for students of occultism. London 1888
25 Steiner, Rudolf ;
"Mein Lebensgang" aa0- S, 306
26 Hartmann, Franz; Die
Bhagavadgita oder das Hohe Lied 1904.
27 Hartmann, Franz; Unter den
Adepten. Hartmann, Franz; Denkwürdige Erinnerungen aus dem Leben des Verfassers
der "Lotosblüten". Hartmann, Franz, Indische Miniaturen
28 Es gab eine Proklamation,
die für Mitglieder der Theosophischen Gesellschaft eine Teilnahme an den
Veranstaltungen der Hartmann- Theosophie ausschloss.
29 Die Inhaltsangaben von
Hartmanns Zeitschrift "Lotosblüten" Lotosblüten journal. Table of Contents erwähnen in 1893, Heft 14
S.797-823 einen Beitrag über den Hatha Yoga und in Heft 15 auf den Seiten 875 -
899 einen Beitrag zum Raja Yoga, Hatha Yoga und den Tantrika. Weitere Beiträge
zum Tantra Yoga bringt das Heft 16, S.44-62 und Heft 17, Seite 110-124, ferner
in Heft 1899/81 S. 369. In der den Heften von 1894/22 S.481 und 23, 599 und 24,
S. 633 und 25 S.727 und 26 S. 834 und 27 S. 895 stellt Hartmann seine Sicht
"Yoga und Christentum" dar. In 1896 50 S.820 schreibt er über den
"Yoga - Schlaf" und 1896/51 S. 865 über "Regeln des Raja
Yoga".
Hartmanns Aufsätze zum Yoga findet man heute in Buchform zusammengefasst:
Franz Hartmann: Yoga und Christentum oder Die Geheimlehre in der
christlichen Religion Calw 1992 und
Hartmann, Franz; Abhandlungen über Yoga Calw 1992: Drei Abhandlungen über
Yoga. - Enth.: 1. Teil, {Yoga und Christentum}. 2. Teil, {Radscha Yoga}. 3.
Teil, I. {Yogaschlaf} II. Die heilige Silbe OM}
Außerdem ist in Hartmanns "Lotosblüten" viel zu lesen über die
Bhagavadgita und über Inhalte aus den Veden. Einzelne Upanishaden werden in
Übersetzungen dargeboten. Die meisten von Hartmann angesprochenen Inhalte findet
man zehn Jahre später auch bei Steiner behandelt. Im Internet findet man eine
brauchbare Biografie Hartmanns, wenngleich unter
sonderbarer Adresse.
Weitere Schriften: Hartmann, Franz, 1968 The Palladium der Weisheit;
Hartmann, Franz, 1966 Im Vorhof des Tempels der Weisheit
Hartmann, Franz, 1963 Mysterien, Symbole und magisch wirkende Kräfte
Hartmann, Franz, [1961] Die weiße und schwarze Magie.
30 Contents 1893-1900
31 The Yoga Aphorisms of Patañjali --
interpreted by W. Q. Judge und
Bhagavad - Gita
32 Ich beziehe mich in meinen
Ausführungen zu Leadbeater auf TILLETT, Gregory; The Elder Brother. A biography of Charles Webster Leadbeater. London 1982
33 TILLETT, Gregory; The Elder
Brother
34 Tillett S.75
35 Die biografischen Daten
Leadbeaters findet man bei TILLETT
36 Eine ausführliche
LEADBEATER - Bibliografie findet man im Internet unter folgender Adresse:
37 in: "Lucifer -
Gnosis" 1906 GA 34 S.263
38 JUDGE; W.Q; The Yoga Aphorisms of Patañjali Übersetzung und
Interpretation von 1889
BESANT, Annie; The Path of Discipleship (1895) ((von Steiner
rezensiert in "Lucifer - Gnosis" GA 34 S. 567 bis 579))
BESANT, Annie; und LEADBEATER, Charles W.; Thought Forms (1902), in
ähnlicher Weise auch gehalten als Referat vor dem Theosophischen Kongess in
London.
LEADBEATER, Charles W.; Clairvoyance (1899)
LEADBEATER, Charles W.; Man, Visible and Invisible (1902)
39 LEADBEATER, Charles Webster; Clairvoyance(1899) Und:
LEADBEATER, Charles Webster; Modern Theosophy: How Clairvoyance is
Devellopped, The Theosophist, January 1904.
LEADBEATER, Charles Webster; Man Visible and Invisible: Examples of
Different Types of Men Seen by Means of Trained Clairvoyanc London,
Theosophical Publishing Society 1902
40 LEADBEATER; "Die Chakras" (1927)
41 STEINER, Rudolf, Mein Lebensgang TB. S-297
42 GA 34 1906, nach seinem
Ausschluss aus der T.S.
43 Lucifer Gnosis GA 34
S.520ff)
44 WACHSMUTH; Günther; Rudolf
Steiners Erdenleben. Dornach 1951, Seite 61.
45 Die Sichtweise Wachsmuths
stimmt übrigens mit dem überein, was Marie Steiner dazu verbreitet hat und in
den Einleitungen zu Steiners Vorträgen abdrucken ließ.
46 deren Leitung
Steiner (für Deutschland) nach 1906 übernahm
47 Siehe hierzu die Seiten von P.Koenig und die Internetseiten Franz Hartmann about Carl Kellner in
1924
48 Zum Reuß
- Skandal
49 Steiners Freimaurerpatent
50 STEINER, Rudolf; Wie
erlangt man...? TB. S.59 bis 61
51 Bedingungen, T.B.S.13f
52 so in Lucifer - Gnosis.
Grundlegende Aufsätze zur Anthroposophie 1903 - 1908; GA 34 auf Seite 408
53 DEUßEN, Paul; Die
Geheimlehre des Vedanta 41911
54 HARTMANN, Franz; Yoga und
Christentum oder Die Geheimlehre der christlichen Religion Calw 1992
55 Neuplatonische Mystik:
Plotin(Enneaden), Proklos und deren Rezeption im Mittelalter
57 Einen guten Überblick
hierzu gibt die Seite HISTOIRE DU YOGA EN OCCIDENT
58 ELIADE, Mircea; Yoga :
Unsterblichkeit u. Freiheit [Aus d. Franz. übers. von Inge Köck]. - 1. Aufl.. -
Frankfurt am Main : Insel-Verl., 1988. - 515 S.; (dt.)
59 Mircea Eliade; Indisches
Tagebuch : Reise durch einen mystischen Kontinent / Mircea Eliade. Aus d.
Rumän. übers. In den späteren Ausgaben des "Indischen Tagebuches"
fehlen leider die interessantesten Schilderungen über Eliades Begegnungen in
der Yogi - Kolonie
60 "De toutes les
significations que revèt le mot yoga dans la littérature indienne, la mieux
précisée est celle qui a trait à la philosophie Yoga (yoga darcana) telle
qu´ elle est exposée notamment dans le traité de Patañjali, Yoga
Sutra, ainsi que dans ses commentaires." - Eliade, Le Yoga, Paris 1975
61 Eliade, Le Yoga S.19)
62 Ich bevorzuge die schöne
Ausgabe von Chip Hartranft "The Yoga-Sutra Of Patañjali" vergleiche aber auch mit
der brauchbaren "theosophischen" Übersetzung von W.Q.Judge "The Yoga Aphorisms of Patañjali " von 1889, The
Theosophical University Press Online Edition. Andere Ausgaben: The Yoga Sutras of Patañjali von Swami Venkatesananda oder Die Ausgabe des Yoga Ananda Ashram:
Patañjali 's Yoga Sutra
63 The Yoga Aphorisms of Patañjali --
interpreted by W. Q. Judge
Diese Übersetzung des amerikanischen Theosoph William Quan Judge
(1851-1896) wurde im Jahr 1889 herausgegeben. Judge hatte sich dabei auf die
1885 in Bombay durch den Theosophen Tookeram Tatya herausgegebene Fassung
gestützt
64 Das tut auch nichts zur
Sache, denn es gab zu Beginn des 20.Jahrhunderts genug literarische Quellen
über den Yoga insgesamt und speziell über den Raja - und den Tantra Yoga. Die
wahrscheinlichste Hypothese ist, dass Steiner Deußen konsultiert hat. Ich halte
es für wenig wahrscheinlich, dass er die ausführliche Fassung von Judge benützt
hat. Steiner hätte dann nämlich das Thema auführlicher und exakter behandeln
können. Zusätzlich liegt Judges Text in englischer Fassung vor. Steiner hätte
dann eine Übertragung oder Zusammenfassung ins Deutsche benötigt
65 Deußen, Paul; Allgemeine
Geschichte der Philosophie mit besonderer Berücksichtigung der Religionen"
Band 1,1 Die Philosophie der Upanishad's. - 1.Auflagen von 1894 enthält auf den
Seiten 343-353 ein Kapitel über den Yoga.
Upanishaden, die (in einer unsystematischen Weise) den Yoga ansprechen,
sind der Dhyana-Bindu Upanishad, der Mandala-Brahmana Upanishad, der
Varaha-Upanishad, den Yoga Kundalini Upanishad
66 so in Lucifer - Gnosis.
Grundlegende Aufsätze zur Anthroposophie 1903 - 1908; GA 34 auf Seite 408
Oft hat Steiner systematischen Darstellungen (oder gar Artikeln aus einem
Konversationslexikon) den Vorzug vor einem Textstudium gegeben.
67 Diese Position wird unter
anderem von Ballabene, Wien, vertreten. Sie ist meiner Meinung nach nicht
haltbar.
68 Eliade, "Le Yoga"
S.235
69 Hermann Walter: Svatmarana
Hathayoga Pradipika. Dissertation München 1893
70 Eliade; Le Yoga S.235
71 Eliade, Le Yoga S.389
72 etwa zu finden in der
Sammlung von Mike Magee: "Tantric Texts to download" (1996ff)
73 (Govinda, Leadbeater,
Woodroffe)
74 Texte des Hathayoga
Pradipika findet man in http://davidrjones.tripod.com/hatha.htm
75 Eliade, Yoga S.237
76 (und vor allem in der Aura
der ihm anvertrauten Zöglinge)
77 Eliade, Yoga S.245
78 Steiner: "Von der
"sechzehnblättrigen Lotusblume" sind acht Blätter auf einer früheren
Entwicklungsstufe des Menschen in urferner Vergangenheit bereits ausgebildet
gewesen. Zu dieser Ausbildung hat der Mensch selbst nichts beigetragen."
TB.S.84
79 Bhagavadgita
80
(Die
buddhistische Tantrik anerkennt deshalb auch nur vier Chakras).
Februar 2005
© Erik
Dilloo - Heidger, Rottweil