2. Steiner, Blavatsky und der Okkultismus im 19.Jahrhundert


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2.1. Thesen und Hintergründe
2.2. Der Zusammenhang zwischen Steiners Anthroposophie, Blavatskys Theosophie und dem Okkultismus des 19.Jahrhunderts
2.3. Okkultismus im 19.Jahrhundert
2.4. Blavatskys "Theosophie"
2.5. Motive für Steiners Wechsel zur Theosophischen Gesellschaft
2.6. Steiners Haltung gegenüber Blavatsky und dem Okkultismus

 

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Steiner zog 1897 von Weimar nach Berlin. Diesem örtlichen Wechsel entsprach auch eine neue inhaltliche Ausrichtung: Nach einer Zwischenzeit, in der er als Vortragender und als Journalist gearbeitet hatte, wurde Steiner 1902 Generalsekretär der Theosophischen Gesellschaft in Deutschland. In dieser Funktion begann Steiner die Inhalte zu sichten, welche damals in der Theosophischen Gesellschaft bewegt wurden. Es waren vor allem Inhalte, welche von der Begründerin der englischen Theosophical Society, Helena Petrovna Blavatsky, verbreitet worden waren. Einige dieser Inhalte überarbeitete Steiner, andere strukturierte er neu. Nicht weniges von dem, was Blavatsky veröffentlicht hatte, verwarf Steiner ganz.

Er setzte sich nicht nur mit Blavatskys literarischem Werk auseinander, sondern auch mit dem okkultistischen Kontext, aus dem Blavatskys Inhalte stammten. Blavatsky hatte bei ihrem Versuch, die "Urreligion der Menschheit" zu finden, auf die verschiedensten religiösen und philosophischen Zusammenhänge zurückgegriffen. In den nach 1900 erschienenen Schriften arbeitete Steiner an Inhalten, welche durch Blavatsky in die Diskussion eingeführt worden waren. Wo es sich um neuplatonische, hermetische, kabbalistische oder rosenkreuzerischen Inhalten handelte, konnte und wollte Steiner daran anschließen, denn sie erfüllten zwei wichtige Kriterien, die für Steiner ausschlaggebend waren:
- diese Inhalte entstammten einem monistischen System
- und sie waren ein Teil der abendländischen Tradition.

Insofern diese Ideen monistischer Natur waren, konnte Steiner sie in sein zuvor entwickeltes monistisches Weltbild integrieren. Mit seinem zweiten Kriterium, dass die verwendeten Philosopheme der abendländischen und nicht etwa der indisch- asiatischen Tradition entnommen sein mussten, stellte sich Steiner in einen Gegensatz zur englischen Theosophical Society. Er äußerte sich darüber folgendermaßen:

"... ich werde mich aber nur finden lassen für eine solche Bewegung, die an den abendländischen Okkultismus und ausschließlich an diesen anknüpft und diesen fortentwickelt." (5)

Im 2. Kapitel unseres Projektes wird untersucht, mit welchen Inhalten sich Steiner nach 1900 innerhalb der Theosophischen Gesellschaft auseinander setzte. Es werden auch die Motive aufgesucht, welche Steiner bewogen haben, innerhalb der theosophischen Bewegung zu arbeiten (Kapitel 2.5). Es wird gefragt, woher Blavatsky ihr Material bezogen hat. Dafür kommen verschiedene Bewegungen des 19.Jahrhunderts in Frage, welche von Steiner und Blavatsky als "okkultistisch" bezeichnet wurden (Kapitel 2.2, 2.3. und 2.6). Schließlich wird bedacht, welche Bedeutung der okkultistische Hintergrund für die Theosophie/ Anthroposophie hergab, die Steiner entwickelte (Kapitel 2.6).

Für diese Darstellung sind neben einschlägigen theosophischen und anthroposophischen Schriften (6) vor allem die Werke der Forscher Benz, Frick, Grassl, Howe, und Yates zu Rate gezogen worden (7). Die Hermetik (8) und Kabbala (9) , sowie einige Schriften der sogenannten rosenkreuzerischen Bewegung des 16./17.Jahrhunderts (10) wurden für unsere Fragestellung bedacht. Die Rezeption der Hermetik und Kabbala durch den Okkultismus im 19.Jahrhundert (11) wurde eingehend behandelt.

2.1. Zur Thematik: Thesen und Hintergründe

Auf dieser und der folgenden Internetseite wird die Beziehung von Rudolf Steiner, dem Begründer der "Anthroposophie", zu H.P.Blavatsky thematisiert. Der Kontext der Blavatskyschen "Theosophie" ist der Okkultismus des 19.Jahrhunderts. Personen und Gruppierungen werden vorgestellt, welche den Okkultismus im 19.Jahrhundert angeregt, organisiert und mit Inhalten versehen haben.

Man beachtete den Ursprung der theosophischen Bewegung im neunzehnten Jahrhundert bisher nur wenig. Wenn man kritisch und nicht nur rezeptiv mit dem Werk von Steiner umgehen will, muss man diesen okkultistischen Hintergrund kennen. In jenem Kontext findet man einen Teil der literarischen Quellen, aus denen heraus Steiner sein theosophisch-/ anthroposophisches Denken nach 1900 entwickelt hat.

Nach einer von Steiner gegebenen Chronologie seines Schaffens in drei Perioden (1) (mit einer vorbereitenden Phase), sollen hier folgende Zeitabschnitte gelten:
Vorbereitende Phase: der literarisch- philosophische Zeitabschnitt (1882-1902). Wir gingen im vorhergehenden Kapitel auf diese Phase ein.
1. die theosophisch- anthroposophische Phase (1902 bis 1908/09)
2. die Phase des Aufbaus der anthroposophischen Bewegung (1910-1917) und
3. die Phase der Gründungen (Waldorfschulen, Christengemeinschaft, Dreigliederung, Klinik usw... - 1918 bis 1925)

Das vorliegende zweite Kapitel beschäftigt sich ausschließlich mit der ersten, der theosophisch- anthroposophischen Phase, beginnend mit Steiners Wechsel zur Thesopophischen Gesellschaft. In diesem Zeitabschnitt entstanden die sogenannten drei "Grundlagenschriften" der Steinerschen Anthroposophie. Weil in ihnen Grundgedanken der Anthroposophie entwickelt werden, sind sie für das "Projekt: Grundlagen der Anthroposophie" von besonderem Interesse.

Die philosophische Phase im Werk Steiners wurde im 1.Kapitel unserer Abhandlung betrachtet. Die zweite Phase von 1902 bis 1909 ist Gegenstand dieser und der folgenden Internetseiten.

Thesen:

 

2.2. Es gibt einen Zusammenhang zwischen Steiners Anthroposophie, Blavatskys Theosophie und dem Okkultismus des 19.Jahrhunderts

2.2.1. Nur ein Beispiel: Die Yarker- Freimaurerei

Die vielen Bezüge, die es zwischen Steiners Anthroposophie, Blavatskys Theosophie und dem Okkultismus gibt, können nicht mit einem Atemzug benannt werden. Der Leser muss sich gedulden, im Laufe dieses und der folgenden Texte die vielen Beziehungen zwischen diesen Polen zu entdecken. Um aber deutlich zu machen, dass ein Zusammenhang wirklich existiert und nicht nur behauptet wird, soll auf Yarkers Freimaurerei verwiesen werden. Dieser im letzten Jahrhundert begründeten ordensartigen okkultistischen Gemeinschaft gehörten nämlich nicht nur Blavatsky, sondern auch Steiner und viele andere Okkultisten an, von denen noch die Rede sein wird (4) .

In ihrem frühen Werk vertrat Blavatsky (1831-1891) Ideen, welche durch die religionsgeschichtlichen Funde des 19.Jahrhunderts angeregt worden waren. Im 19.Jahrhundert lernte man ja bekanntlich die Hieroglyphen und Keilschrifttexte zu entziffern. Viele neue Fragestellungen ergaben sich daraus. Im Spiritismus war zur gleichen Zeit eine Bewegung entstanden, welche nach dem seelischen Unbewussten, nach paranormalen Phänomenen und dem nachtodlichen Dasein der Seele fragte. Blavatsky folgte beiden Impulsen. Als Medium suchte sie spiritistische Phänomene auf. Und die neuen Ergebnisse der religionsgeschichtlichen Forschung verfolgte sie mit Interesse. Hinter den religiösen Zeugnissen alter Kulturen suchte sie nach einer "Urreligion der Menschheit". In der von ihr mitbegründeten "Theosophical Society" sollten beide Fragerichtungen miteinander verbunden werden: Die Fragen des Spiritismus und die Frage nach einer "Urreligion", welche hinter den Zeugnissen alter Kulturen vermutet wurde. Religionsgeschichtliche Inhalte spielten auch in der sogenannten "mystischen Freimaurerei" eine große Rolle. Blavatsky war Mitglied einer mystischen Freimaurerloge. Sie schrieb darüber:

"Im Jahr 1872 veröffentlichte ich auf eigene Kosten eine kleine Schrift mit dem Titel: Bemerkungen zu den wissenschaftlichen und religiösen Geheimnissen des Altertums; die Gnosis und esoterische Schulen des Mittelalters; moderne Rosenkreuzerei und die verschiedenen Riten und Grade der 'Freien und Angenommenen Maurerei'. Zu jener Zeit war ich Großmeister des 'Ancient and Primitive Rite of Memphis' im 95.Grad, zuvor schon hatte ich den 33.Grad des Schottischen Ritus und den 90.Grad des Mizraim- Ritus." (5) (Blavatskys Freimaurerpatent ist mit dem Datum vom 24.11.1877 durch John Yarker ausgestellt).

Die von Blavatsky hier erwähnten Titel und Grade der Mizraim- und Memphisfreimaurerei hatte Blavatsky nicht stufenweise erworben, wie man etwa annehmen könnte. Das von Blavatsky erwähnte freimaurerische System setzte ja ansonsten eine lange Reihe hierarchisch geordneter Titel voraus, die nur durch Prüfungen, Gelübde und Zeiten des Studiums und der Bewährung zu erreichen sein sollten. Jedenfalls wenn man der Theorie jenes Systems folgt (6) . Ganz anders war das bei Blavatsky der Fall: Ihr wurde sogleich in einem Zug der höchste Titel eines freimaurerischen Systems verliehen, welches 1872 von John Yarker (1833-1917) konstruiert worden war (7) . John Yarker war ein eifriger Sammler und Archivar der verschiedensten zum Teil noch existenten, zum Teil schon verloschenen Freimaurersysteme (8) . Aus dem, was sein Sammlergeist wiederfinden konnte, konstruierte er durch Verbindung und Verschmelzung der verschiedenen Orden ein Hochgradsystem, das eine ursprüngliche Form der mystischen Tempelfreimaurerei zu sein für sich beanspruchte. Yarker hatte Blavatsky den Ehrentitel "Gekrönte Prinzessin" seiner Mizraim- und Memphisfreimaurerei verliehen, ohne dass sich Blavatsky dafür beworben hatte.

Yarker ging es darum, sein freimaurerisches System schnell bekannt zu machen und dafür zu sorgen, dass sich Mitglieder dafür fanden. Er machte dies unter anderem mit dem einfachen Werbetrick, populäre Vertreter des Okkultismus seiner Zeit mit einer Ehrenmitgliedschaft seines Systems zu beehren. Blavatsky wurde von Yarker sogleich der höchste Titel innerhalb der Memphis- und Mizraimfreimaurerei verliehen. Blavatsky war damals als okkultistische Schriftstellerin ("Isis Unveiled", New York 1877), als Medium in spiritistischen Zirkeln und durch ihr Eintreten für die Frauenemanzipation bekannt geworden. Karl Frick berichtet:

"Schon sehr früh entwickelte Helena ein großes Interesse für den in der Mitte des Jahrhunderts aufkommenden Spiritismus. Bald übte sie ihn auch praktisch aus. So hatte sie zB. in Kairo in den sechziger Jahren und dann 1872 (...) spiritistische Sitzungen abgehalten. In den seit 1848 rasch zunehmenden spiritistischen Kreisen Amerikas bewunderte man bald die weitgereiste Dame und besuchte ihre Seancen, die sie etwa seit 1874 regelmäßig abhielt. Bei der berühmtesten Spiritistenfamilie Eddy lernte sie den damaligen Reporter des 'Daily Graphik' und ehemaligen Oberst in den Sezessionskriegen von 1861 bis 1865, Henry Steel Olcott (1832-1907), kennen. Er wurde ihr Vertrauter, Schüler und schließlich ihr 'Manager'." (9)

Blavatsky fühlte sich durch die Ehre, in die illustren Kreise einer Freimaurergesellschaft aufgenommen zu sein, hoch geehrt. Sie untersuchte nicht, welche Art von Freimaurerei das war und ehrte nun ihrerseits 1880 John Yarker mit einer Ehrenmitgliedschaft in ihrer Theosophical Society (10) .

2.2.2. Internationale Verflechtungen im Okkultismus

Der Amerikaner John Yarker vergaß aber auch die französischen und englischen Okkultisten nicht, welche er gleichermaßen in seine freimaurerische Konstruktion einbezog: Der Franzose Gérard Encausse (alias Papus) vertrat in Paris gegen Ende des 19.Jahrhunderts ebenfalls eine okkultistische Gesellschaft, den sogenannten Martinistenorden. Außerdem betrieb er ein privates Institut, an dem okkultistische Inhalte gelehrt wurden. Er wurde von Yarker mit dem Titel eines "Großmarschalls" geehrt. Umgekehrt war auch Yarker von den französischen Okkultisten geehrt worden (11) . Und in England pflegte Yarker Beziehungen mit dem Okkultisten Dr. William Wynn Westcott (1848-1925), der sich für eine Neuauflage der Rosenkreuzerei eingesetzt hatte. Die heute noch bestehenden Rosenkreuzerbewegung in England (Societas Rocicrucianae in Anglia, kurz: SRiA) und der Golden Dawn- Orden, der bis in die Dreißiger Jahre des 20.Jahrhunderts existierte, sind ein Produkt von Westcotts Bemühungen (12) . Blavatsky fühlte sich durch die Ernennung zur "Gekrönten Prinzessin" innerhalb der Yarkerfreimaurerei hoch geehrt. Schließlich bekam sie diesen Titel zuerkannt, ohne sich darum beworben zu haben:

"Obwohl ich nichts mit der amerikanischen Freimaurerei zu tun habe und wohl auch nichts zukünftig mit ihr zu tun haben werde, fühle ich mich hoch geehrt durch die Auszeichnung, welche mir der Bruder John Yarker zuteil werden ließ und ich stehe zu meinen verbrieften Rechten und anerkenne nur die englische Hochgradmaurerei, welche mich darum bat, diesen nie angestrebten und unerwarteten Beweis ihrer Unterstützung meines bescheidenen Werkes geben zu dürfen." (13)

Das Yarker- Patent von Blavatsky ist hier in sofern interessant, als sich daran zeigt, wie durch gegenseitige Anerkennung, Filiation und auch durch die Übernahme von Leitideen zwischen den einzelnen Gruppierungen des Okkultismus im 19.Jahrhundert ein reger Austausch bestand. - Das Geflecht zwischen den einzelnen okkultistischen Organisationen wird sich noch als sehr vielfältig erweisen (14) .

Auf John Yarker und seine Organisationen wird im Zusammenhang dieses Internettextes deshalb eingegangen, weil Rudolf Steiner ab 1906 in leitender Position in der Yarker- Freimaurerei tätig war. John Yarker hatte versucht, mit seiner Rekonstruktion und Wiederbelebung freimaurerischer Organisationen etwas Ähnliches zu machen, wie Blavatsky mit der Rekonstruktion ihrer "Urreligion". Yarker glaubte an den Mythos von der Existenz alter, geheimer Logen, welche er hinter der Freimaurerei und den Rosenkreuzerzirkeln vermutet hatte. Er wollte sozusagen einen Orden aus Fragmenten wieder zusammensetzen, von dem er annahm, dass er seit dem Altertum bis ins 17.Jahrhundert existiert habe. Anlass für solche Vermutungen gaben ihm die Rosenkreuzermythen und die Legenden um die Templer. Doch verwechselte Yarker die Mythen mit geschichtlichen Tatsachen. Ihm reichte allein schon die Verwendung des Isis- und Osirismythos in der sogenannten "ägyptischen" Maurerei dafür aus, dieser Maurerei ein "Alter von 2300 Jahren" zuzusprechen. Mehr noch: er sprach sogar von einer "über zweitausendjährigen Kontinuität" jenes Ordens, ohne dafür irgendwelche Belege zu haben. Der Orden selbst aber war in der Zeit Napoleons entstanden-.

Im Okkultismus wurden vielfach Annahmen mit geschichtlichen Tatsachen verwechselt und ein großes Panorama von ungesicherten Hypothesen verband die gesamte Geistesgeschichte der Menschheit. Wenn man mit den Maßstäben der Geschichtswissenschaft misst, die sich im 20.Jahrhundert herausgebildet haben, bleibt davon kaum etwas übrig. Im 19.Jahrhundert - und sogar bis weit ins 20.Jahrhundert hinein - hatte man noch sehr undifferenzierte Begriffe von den religionsgeschichtlichen Verhältnissen. Nicht nur Blavatsky übernahm unkritisch den Mythos von dem angeblichen hohen Alter der ägyptischen Maurerei, sondern Steiner hielt auch noch Jahre später an diesem Mythos fest. Er übernahm zunächst unkritisch viele Annahmen über religionsgeschichtliche Zusammenhänge von Blavatsky und anderen Okkultisten aus dem 19.Jahrhundert. Es bestand auch kein Anlass, das nicht zu tun. Denn eine kritische Auseinandersetzung der Wissenschaft mit den betreffenden geschichtlichen Verhältnissen setzte erst später ein. Weder Steiner noch Blavatsky merkten, dass die Yarker- Freimaurerei ein modernes, historisch gesehen recht fragwürdiges Konstrukt war. Es ist wohl kaum anzunehmen, dass sich Steiner sonst um ein Patent dieser Freimaurerei bemüht hätte. Erst Jahre später (1918) beklagte sich Steiner über das "Schwindelwesen", das mit den okkultistischen Geheimgesellschaften im 19./20.Jahrhundert betrieben wurde:

"Es ist im Grunde genommen alles schon in die Bücher übergegangen, und manche Orden machen es heute so, dass sie einfach ihre Mitglieder nicht darauf aufmerksam machen, wo dies oder jenes zu lesen ist; so dass dasjenige, was längst in Büchern zu lesen ist, von den Mitgliedern so hingenommen wird, als ob es nur ihre Oberen als Geheimnis wissen dürften. Denn auf keinem Gebiet wird so viel Schwindelwesen getrieben als grad auf dem Gebiet der okkultistischen Orden!" (15)

Man hat den Eindruck, dass Steiner sich nach 1902 schnell in alle Zusammenhänge einarbeitete, in denen die damalige Theosophische Gesellschaft in Deutschland stand. Er hatte spätestens auf dem Theosophischen Kongress in London 1902 und durch die Gespräche, die er am Rande dieses Kongresses führte (16) , wahrgenommen, dass in der Theosophischen Gesellschaft auch ein innerer Kreis und ein Führungszirkel bestand. Der Innere Kreis wurde "Esoterical Section" oder E.S. genannt. Die Mitglieder des Führungszirkels pflegten Doppelmitgliedschaften zur Yarker- Freimaurerei und zu anderen okkultistischen Gesellschaften, über die wir noch zu sprechen kommen. Zum inneren Kreis der Theosophical Society, zur sogenannten "Esoterical Section" konnte man nur gehören, wenn man nicht nur Mitglied der Theosophischen Gesellschaft, sondern zugleich auch Mitglied der Memphis- Misraimfreimauerei war (17) . Weil diese Doppelmitgliedschaft üblich - oder sogar vorgeschrieben - war, bemühte sich Steiner später dann auch darum (18) .

Auf die engen Beziehungen zwischen der Theosophischen Gesellschaft und anderen okkultistischen Organisationen im 19.Jahrhundert wurde hier verwiesen, um zu illustrieren, dass ein gewisser Zusammenhang zwischen Steiner, Blavatskys Theosophie und dem Okkultismus des 19.Jahrhunderts besteht. Es hat in der Tat Beziehungen zwischen jenen Bewegungen gegeben, die es lohnt, gesondert anzuschauen. Viele Inhalte und Motive der Blavatsky- Theosophie und der Steiner- Anthroposophie werden dadurch besser verständlich. Zunächst soll nun eine vorläufige Definition dessen gegeben werden, was im Zusammenhang dieses Textes unter "Okkultismus des 19.Jahrhunderts" verstanden wird:

  

2.3. Okkultismus im 19.Jahrhundert

2.3.1. Okkultismus: ein internationales Phänomen

Der Okkultismus im 19.Jahrhundert ist in einer Zeit entstanden, in der sehr viel religionsgeschichtliches Material aus dem Vorderen Orient und aus Indien bekannt wurde. Der Louvre in Paris, das Britische Museum in London (und selbst das Pergamon- Museum in Berlin) wurden um ihre ägyptischen, babylonischen und asiatischen Abteilungen erweitert. Der Okkultismus entstand als eine Reaktion auf Texte, welche im Zusammenhang dieser geschichtlichen Funde gemacht wurden. Eine Fülle von Dokumenten alter Kulturen und Religionen wurden mit einem Mal bekannt - und auch entschlüsselt - , ohne dass sie geschichtlich schon richtig eingeordnet waren. Man unterschied noch nicht, was in den Bereich des Mythos, der Legende oder der geschichtlichen Nachricht gehörte. Ja: die Historizität von geschichtlichen Ereignissen stellte sich erst gegen Ende des 19.Jahrunderts (19) .

Die okkultistische Bewegung entstand als Reaktion auf die mannigfaltigen Anregungen von Kulturen, die dem abendländischen Denken bisher fremd gewesen waren: Die sogenannte "ägyptische" Mizraimfreimaurerei entstand im Zusammenhang mit Napoleons Ägyptenfeldzug. Die Spekulation, dass Moses ägyptische Tempelgeheimnisse mit nach Israel genommen habe, wurde wieder wach (20) . Man beschäftigte sich deshalb mit jüdisch- kabbalistischer Mystik, mit Astrologie und Alchemie, deren Ursprung man in Babylon/ Ägypten vermutete. In England entstanden in der Mitte des 19.Jahrhunderts Rosenkreuzerzirkel, welche diese Inhalte pflegten. Und Blavatskys Theosophische Gesellschaft sollte jene "Urreligion" finden und pflegen, welche man im Hintergrund vermutete. Schließlich entstanden im 19.Jahrhundert auch noch "Orden", welche die rekonstruierten Inhalte in einer kultisch- rituellen Art pflegten (Golden Dawn, Hermetic Society, Mizraimfreimaurerei). Die okkultistischen Bewegungen im 19.Jahrhundert gaben vor, sehr alt zu sein. Dabei waren sie erst im Laufe des 19.Jahrhunderts organisiert worden:

Das Wort "Okkultismus" ist heutzutage ein stark negativ besetzter Begriff. Im 19.Jahrhundert bezeichnete "Okkultismus" etwa das, was man heute unter dem schillernden Begriff der "Esoterik" zusammenfasst: Mystik, Astrologie, Spiritismus, vergleichende Religionskunde und dergleichen mehr. Die negative Besetzung des Wortes "Okkultismus" kommt vor allem daher, dass seit 1900 Aleister Crowley neue, zusätzliche Inhalte in den Okkultismus einführte, die bis dahin tabu waren: Tantra Yoga, Magie, Experimente mit Rauschgiften und den Satanismus. Es wird deshalb in unserem Text der "Okkultismus des 19.Jahrhunderts" vom "Okkultismus des 20.Jahrhunderts" unterschieden. Denn Blavatskys Theosophie und noch mehr Steiners Anthroposophie stehen nur in einem Zusammenhang mit dem Okkultismus des 19.Jahrhunderts. Mit den Inhalten, die durch eine spätere Erweiterung des Begriffes im 20.Jahrhundert dazugekommen sind, haben Blavatsky und Steiner nichts zu tun. (24)

Den Begriff Okkultismus definierte Blavatsky folgendermaßen:

Der Ausdruck 'Okkultismus' "wird von den französischen Kabbalisten gebraucht (25) . Der Okkultismus umfasst die ganze Reihe psychologischer, physiologischer, kosmischer, physikalischer und geistiger Erscheinungen. Der Name kommt von dem Worte okkult, das ist verborgen, geheim; er bezieht sich auf das Studium der Kabbala, Astrologie, Alchemie und alle geheimen Wissenschaften." (26)

Blavatsky bezeichnet mit den 'französischen Kabbalisten' ganz treffend den Ursprung des Okkultismus im 19.Jahrhundert in Frankreich. Als besondere Autorität galt ihr der französische Okkultist Eliphas Lévi. Mit "französischen Kabbalisten", "Astrologie" und "Alchemie" ist im Anschluss an Blavatskys Definition der Okkultismus im 19.Jahrhundert fürs erste ausreichend umrissen (27) .

Mit "Okkultismus" ist hier allgemein jene Bewegung bezeichnet, welche sich im 19.Jahrhundert mit bisher verborgen gebliebenen religionsgeschichtlichen Phänomenen beschäftigte. Wenn Blavatsky von "Okkultismus" sprach, dann bezeichnete sie damit nicht nur Literatur, welche bisher noch nicht bekannt geworden war, sondern sie legte dem auch noch eine andere, wertende Bedeutung bei: Mit "Okkultismus" intendierte sie auch: absichtlich verborgen gehaltene Inhalte religiöser und kultureller Art.

2.3.2. Der Geheimnischarakter im Okkultismus

Damit ist eine zweite Eigenart des Okkultismus im 19.Jahrhundert angesprochen: der Mantel des Geheimnisses, der über alle im Okkultismus verhandelten Inhalte gebreitet wurde. Man richtete Logen ein, in denen "okkultes Wissen" studiert und weitergegeben wurde. Man verpflichtete seine Mitglieder zu namentlich unterzeichneten Schweigegelöbnissen. Mit Zeichen und Symbolen, welche durch "Eingeweihte" erläutert wurden, konstruierte man Geheimgesellschaften, die sich der Öffentlichkeit entzogen. Zugleich zogen sie durch ihren Geheimcharakter die Neugierde des Publikums werbewirksam auf sich. Wenn auch die Mitglieder der Geheimgesellschaften zum strikten Schweigen verpflichtet wurden, so heißt das nicht, dass ihre führenden Köpfe sich auch daran hielten. Im Gegenteil. Diese veröffentlichten auf allen möglichen Gebieten Schriften und Artikel für das breite Publikum aus den Inhalten, die "nach innen hin" als Geheimnis gehandelt wurden (24) . Dieser Tatsache hat man es zu verdanken, dass man sich heute ein gutes Bild davon machen kann, welche Inhalte in jenen Geheimgesellschaften gepflegt wurden und welches ihre Vordenker waren. Was diese veröffentlichten, war in den Geheimgesellschaften zum Lehrinhalt geworden. Was aus dem von ihnen angesprochenen Zusammenhang nicht veröffentlicht wurde, das zu sichten waren die oberen Grade selbst noch beschäftigt. Auch davon kann man sich ein Bild machen, weil heute durch die religionsgeschichtliche Forschung diese Inhalte in viel größerem Umfang veröffentlicht sind, als sie dem Okkultismus zu seiner Zeit zugänglich waren. Es war schon im 19.Jahrhundert nicht so, dass die damals in den Geheimzirkeln benützte Literatur wirklich "esoterisch", das heißt: der Öffentlichkeit unzugänglich, war. Nein, es handelte sich ja um Texte, welche sämtlich in Bibliotheken zu entleihen waren (und sind).

In den Geheimgesellschaften wurde die Menschheit nach zwei Kategorien unterschieden: nach solchen, die dazugehörten, also "eingeweiht" waren (oder sich durch Schulung auf eine "Einweihung" vorbereiteten) und solchen, die dafür unreif, "noch unentwickelt", der materiellen Welt zugehörten. Die Geheimgesellschaften wurden allesamt hierarchisch organisiert. Der Aufstieg aus den niederen Graden in höhere Grade setzte Bewährung und Studium voraus und wurde bisweilen durch einen Ritus vollzogen. Auf diese Weise konnte eine Kontrolle von den oberen Leitungsgremien auf die unteren Ränge ausgeübt werden. Der innerste Kreis, der das System organisierte, bestand aus sehr wenigen Personen. Geheimnis, Hierarchie, Ritual: das sind charakteristische Merkmale für den Okkultismus im 19.Jahrhundert, ob es sich dabei um die Theosophical Society (Blavatsky/ Olcott), um die Yarker- Freimaurerei, um den Golden Dawn (Woodman/ Westcott/ Mathers) oder um weitere Systeme handelte, die ausserhalb des hier betrachteten Zusammenhanges liegen. Die Theosophical Society und die Yarker- Freimaurerei stehen in enger Beziehung zu der Theosophischen Gesellschaft, in die Steiner 1902 eintrat und aus der heraus er seine Anthroposophische Gesellschaft aufbaute.
  

2.4. Blavatskys "Theosophie"

2.4.1 Die "Theosophical Society"

Die Theosophical Society war 1875 in New York gegründet worden. Sie entwickelte sich aus einem spiritistischen Zirkel, einem sogenannten "Miracle Club", in New York, dessen Mitglieder auch in einer Freimaurerloge verkehrten. Jene Freimaurerei, um die es sich dabei handelte, war irregulär, mystisch und auf einem Umweg über das britische Exil aus dem napoleonischen Frankreich gekommen. Helena Petrovna Blavatsky vertrat in ihren früheren Schriften (bis 1877) Ideen, die zuvor schon im französischen Okkultismus und in der französischen Freimaurerbewegung vertreten worden waren. Vor allen anderen Mitbegründern der Theosophical Society (Olcott, Judge) wurde Blavatsky als Schriftstellerin von okkultistischen Themen bekannt.

Blavatsky hatte sich in den 70er Jahren des 19.Jahrhunderts als Medium eines "Miracle- Clubs" ins Gespräch gebracht. In den USA wurde ihr diese Rolle damals zuerkannt. Als sie später in Adyar/Indien spiritistische Tricks anwendete, flog sie damit auf und musste 1885 Indien fluchtartig verlassen. Neben ihrer Gewissheit, eine Mission erfüllen zu müssen, besaß Blavatsky auch ein gutes Gespür dafür, was das Publikum sehen wollte und wie sie sich selbst in Szene setzen konnte. Man kann sich fragen, ob die Einkleidung ins Mediumistische nicht auch dazu gedient hat, für die Öffentlichkeit einen interessanten, theatralischen Hintergrund zu bieten. Es ist erstaunlich, in welcher Fülle Blavatsky religiöse und philosophische Texte zur Verfügung standen. Sie hat davon reichlich Gebrauch gemacht. Es kann überhaupt nicht die Rede davon sein, Blavatsky habe ihre Inhalte nur auf mediumistische Weise ermittelt. Im Gegenteil: Biographen berichten, dass Blavatsky stets mit großem Gepäck reiste und dass dabei immer mindestens zwei sehr schwere Koffer ins Gewicht fielen, die völlig mit Büchern vollgestopft gewesen sein sollen.

Blavatsky entwickelte ihre Gedanken aus dem Zusammenhang einer großen Fülle religionsgeschichtlich interessanter Literatur, welche im 19. Jahrhundert bekannt und in weiten Kreisen diskutiert worden war. Wir erinnern: Eine Sensation stellte die Entzifferung der babylonischen Keilschrift dar, die nach 1802 einsetzte (29) . Auf diese Weise entdeckte man die alten Flutsagen und die Weltentstehungsmythen aus dem Zweistromland. Das führte dann dazu, die Herkunft der biblischen Schöpfungsgeschichte zu hinterfragen. Champollion hatte die ägyptischen Hieroglyphen erstmalig 1822 entschlüsselt (28) . Seitdem konnte man nicht nur in der Geschichtsschreibung in weitere zurückliegende Zeiträume vordringen, sondern auch die Mythologie und Religion im alten Ägypten erschließen. Eine zusätzliche Fülle religionsgeschichtlich interessanten Materials brachten auch die Übersetzungen aus dem Sanskrit. War für einen Fachmann jetzt mit einem Schlag die Situation unübersichtlich geworden, um wie viel mehr dann für einen normal gebildeten Menschen? Man war fasziniert von einer ganz neuen religiösen Welt, während das offizielle Lehramt der Kirchen in eine Angststarre verfiel.

Der Religionswissenschaftler Max Müller, Übersetzer vieler von Blavatsky verwendeter Texte aus dem indisch- babylonischen Sprachraum, beschrieb die Situation folgendermaßen:

"Die Religionswissenschaft", so Max Müller im Jahre 1860, "beginnt soeben ... Während der letzten 50 Jahre sind die authentischen Urkunden der wichtigsten Religionen der Welt in einer höchst unvorhergesehenen und äußerst wunderbaren Art wieder entdeckt wurden. Wir haben heute die kanonischen Bücher des Buddhismus vor uns, die Zend - Avesta des Zoroaster ist nicht länger mehr ein versiegeltes Buch; und Hymnen des Rig- Veda haben uns den Bestand von Religionen aufgedeckt, die einer früheren Periode entsprechen, als jener der ersten Anfänge einer Mythologie, die in Homer und Hesiod als verfallene Ruine vor uns steht." (...) "In ihrem unersättlichen Wunsche, die Oberherrschaft des blinden Glaubens auszudehnen, waren die ersten Errichter der christlichen Theologie gezwungen gewesen, die eigentliche Quelle desselben, soviel es nur möglich war, zu verbergen. Zu diesem Zwecke, so wird gesagt, haben sie alle die ursprünglichen Urkunden über die Kabbala, Magie und Geheimwissenschaft verbrannt oder anderweitig zerstört, soweit nur immer ihre Hände reichten. Sie setzten auf guten Glauben voraus, dass die Gefährlichsten dieser Schriftstücke mit den letzten Gnostikern untergingen; aber eines Tages werden sie ihren Irrtum entdecken. Andere authentische und ebenso wichtige Urkunden werden vielleicht wiedererscheinen und das in einer höchst unvorhergesehenen, ja wunderbaren Weise" (30) .

An diesem Beispiel zeigt sich, wie ein religionsgeschichtlicher Experte seiner Zeit - wie Max Müller - in vielen heute längst überholten vorläufigen historischen Annahmen seiner Zeit verstrickt war. Er nahm offenbar an, dass die biblischen Schriften eine volkstümliche, exoterische Version einer "eigentlichen", esoterischen Form von Religion gewesen sei. Nach seiner Sichtweise verdrängte die öffentliche kirchliche Version von Christentum die ursprüngliche, kabalistisch- geheimwissenschaftliche. In der heutigen Sicht der Religionswissenschaft ist aber das geschichtliche Verhältnis beider Komplexe gerade umgekehrt: Das Christentum folgte dem Judentum und Hellenismus, Gnosis (2.Jh nach Christus), Kabbala (13.Jh.) sind geschichtlich später entstandene Gedankenwelten. An diesem Beispiel zeigt sich auch, dass nicht nur Blavatsky, sondern auch die Fachwelt des 19.Jahrhunderts noch mit sehr ungenauen Vorstellungen arbeitete. Die katholische Kirche löste das Problem noch bis in die Sechziger Jahre des 20.Jahrhunderts auf eine für sie typische Art, indem sie ihre Theologen den Antimodernisteneid schwören ließ. Damit war eine öffentliche Diskussion über die neu entstandenen Fragestellungen verboten. Natürlich war Katholiken auch eine Mitgliedschaft in der Theosophischen Gesellschaft untersagt. Blavatsky interessierte sich brennend für all die neuen religionsgeschichtlich interessanten Phänomene. Es ist kein Wunder, dass die Ansichten Blavatskys zu religionsgeschichtlichen Fragen heute überkommen sind. Die damals formulierten vorläufigen Annahmen über religionsgeschichtliche Implikationen waren damals noch nicht an der Fülle des geschichtlichen Materials überprüft worden. Zudem hatte Blavatsky sich nicht einen Standpunkt selbst systematisch erarbeitet. Sie hatte vielmehr die vielfältigen Thesen und Vermutungen, die ihr aus ihrem Umkreis immer neu entgegenkamen, nach und nach assoziativ in ihre Schriften eingearbeitet. Durch viele Reisen hatte sie ihren Horizont erweitert (1858 Ukraine, 1863 Tiflis, 1867 Italien, 1873 Kairo und USA). In den spiritistischen Zirkeln, in denen sie verkehrte, wurde okkultistische und magische Literatur weitergereicht. Für Religion und Mystik interessierte sie sich von Kindheit an und ihr Interesse daran wurde durch die mystische Freimaurerbewegung, mit deren Vertretern sie in Amerika in Kontakt kam, gefördert.

Helena Petrovna Blavatsky war in sofern revolutionär, als sie sich als Frau Zugang zu okkultistischen und freimaurerischen Männerzirkeln verschaffen konnte. Sie kämpfte für das Recht von Frauen auf einen Zugang zu den Bereichen, welche sich die Männer für sich allein reserviert hatten. Besonders exklusive Männerzirkel stellten in ihrer Zeit Freimaurerlogen dar. In Bezug auf die sogenannten Geheimgelübde der Freimaurerei war Blavatsky rücksichtslos. Sie veröffentlichte alles, was sie an Inhalten von jenen "Geheim"gesellschaften kennengelernt hatte. Steiner äußerte sich dazu folgendermaßen:

"Nun erschien "Die entschleierte Isis" von Blavatsky. Gerade die Menschen, die nun ein traditionelles Wissen dadurch hatten, dass sie niedere oder höhere Grade in solchen Geheimgesellschaften erlangt hatten, erschraken außerordentlich, als "Die entschleierte Isis" erschien" (31).
"Aber immerhin, über "Die entschleierte Isis" konnten die erschreckenden sogenannten Eingeweihten sagen: Es ist ein Buch, was wahr ist daran, ist nicht neu, und was neu ist, ist nicht wahr! So wurde zunächst über dieses Buch geurteilt. Die Leute wussten: das Unangenehme für sie war: die Dinge sind enthüllt worden. Es hieß ja auch das Buch "Die entschleierte Isis"". (32)

Steiner bezeichnete Blavatsky einmal als einen "Frechdachs" (33) , weil sie die Impertinenz bewiesen habe, aus jenen für "okkult" gehaltenen Schriften Inhalte zu veröffentlichen. Steiners Hochachtung Blavatsky gegenüber beruhte vor allem darin, dass sie es gewagt hatte, jene Inhalte zu veröffentlichen, welche in den Geheimgesellschaften nur unter dem Sigel der Verschwiegenheit weitergereicht wurden. Blavatsky äußerte sich folgendermaßen über freimaurerische Schweigegebote:

"Es gibt kein Geheimnis mehr, das unveröffentlicht gelassen werden müsste. Der (Freimaurer-) Orden degeneriert in eine Zusammenkunft von selbstsüchtigen Menschen und ist durch schlechte Menschen erniedrigt." (34)

Blavatsky störte sich daran, dass die Mystik und Religion aus der Freimaurerei "verschwunden" war. (Offensichtlich hatte sie geglaubt, dass die Freimaurerei "früher" einmal eine intensive Mystik und Religiosität gehabt habe. Religiöse und mystische Inhalte wurden aber erst seit dem 18./19.Jahrhundert in der Freimaurerei gepflegt). Der Mythos der Freimaurerei gab ja vor, ein hohes Alter zu besitzen und projezierte den Ursprung dieser Bewegung in immer weitere Tiefen der Geschichte zurück, vielleicht in Konkurrenz zur katholischen Kirche, die auch aus ihrem hohen Alter ihre Autorität abzuleiten pflegte (Tertullian; De praescriptione haereticorum). Blavatsky meinte ursprünglich, im Zusammenhang der Freimaurerei auch noch Reste ihrer hypothetischen Urreligion des Altertums zu finden, die sie einstmals als vorhanden vermutete. Sie war in dieser Annahme enttäuscht worden. Wenn man bedenkt, dass die Memphis- Misraimfreimaurerei erst nach 1838 gegründet worden war, dann braucht man sich nicht zu wundern, dass Blavatsky schon sehr bald in ihren Erwartungen an die Freimaurerei enttäuscht war. Durch ihre Enttäuschung veranlasst, empfand sie keine Skrupel mehr, alle ihr zugänglich gewordenen Inhalte zu veröffentlichen.

Die Theosophical Society war als eine echte Geheimgesellschaft gedacht gewesen, welche die "okkulten", heute würde man sagen: "esoterischen" Inhalte der Freimaurerei neu beleben sollte: "Ziel der Theosophical Society war es, einen esoterischen "Bruder - und Schwesternbund für die ganze Menschheit" zu schaffen. Dieser Bund sollte zur Erkenntnis des Wahrheitskerns jeglichen religiösen Lebens" verhelfen. Man hoffte, durch die Erforschung der tieferen geistigen Kräfte und mit Hilfe der theosophischen und mystischen Elemente der Magie sowie durch andere 'klassische' Geheimwissenschaften alle geheimnisvollen, dem Menschen noch nicht aufgeschlossenen Naturgesetze erklären und verständlich machen zu können. Schließlich sollten die im Menschen verborgenen okkulten Kräfte entwickelt werden, um ihm übersinnliche Wahrnehmungen zu vermitteln. Man glaubte, auf diese Weise durch den Beitritt von Menschen aller Rassen und Religionen eine neue 'Weltreligion' zu schaffen." (35) . Blavatsky definierte einmal das Anliegen ihrer "Theosophie" folgendermaßen:

"Theosophie ist schließlich die uralte Weisheits- Religion, die esoterische Lehre, welche einst in jedem Land verbreitet war, das eine Kultur besaß. Die alten Schriften zeigen uns alle diese 'Weisheit' als eine Emanation des göttlichen Ursprungs." (38)

In ihrer ersten großen Abhandlung, "Isis Unveiled" (1877), begann H.P.Blavatsky ihre Lehren gedanklich zu ordnen und schriftlich zu fixieren. "Frau Blavatsky trat entschieden für die vergleichenden Religionswissenschaften ein, noch bevor diese Disziplin ein Bestandteil unserer Universitäten und damit offiziell als Wissenschaft anerkannt wurde. Die Geheimwissenschaften bildeten nach ihrer Lehre mehr oder weniger den gemeinsamen Kern der großen Weltreligionen und der bedeutenden philosophischen Systeme." (36)

Ab 1879 wurde das Zentrum der Theosophical Society nach Adyar/ Indien verlegt. Damit wurde aus einem Geheimbund eine öffentliche Gesellschaft:
"Am 17.Dezember 1879 fand im Palast des Maharadja von Vizianagram eine theosophische Versammlung statt, in der die Statuten der TG abgeändert wurden. Die Geheimzeichen, Geheimschrift und ähnliche Merkmale für den Charakter einer Geheimgesellschaft wurden abgeschafft und die Gesellschaft zu einer offenen erklärt. Diese neuen Statuten wurden am 26./28. Februar 1880 endgültig von der TG angenommen. Im Winter 1881/82 wurde das Hauptquartier der TG (...) nach Adyar bei Madras im gleichnamigen Staat umgesiedelt." (37)

Die Theosophische Gesellschaft war hierarchisch gegliedert in einen äußeren Bereich, die Esoterische Schule (E.S.) und eine Kerngruppe (Inner Group). Die Inner Group bestand aus ausgewählten Kennern der okkulten Schriften, welche sich in besonderer Weise dem Studium und der mystischen Schulung unter Blavatskys Anleitung verbunden hatten. Niemand sollte Inhalte aus den ihnen bekannten und für sie reservierten okkulten Schriften veröffentlichen:
"... none of these members shall have the right to divulge the secrets of Occult Science which may be communicated to them. And before one can be put in touch, direct or indirect, with the adepts of the first section, he must take a most solemn pledge never to reveal what he shall learn or see (...) Every Branch of the society (and there are fifty-three) has its library containing books more or less rare, unpublished manuscripts, to which the public has no access." (39)

Die Esoterische Schule (E.S.) war am 1888 von Blavatsky gegründet worden, nachdem die Theosophical Society in Adyar, Indien, den Charakter einer offenen Gesellschaft bekommen hatte. Die sogenannte 'Esoterische Schule' als innerer Kreis der TG behielt Form einer echten Geheimgesellschaft bei (40) . Frick:

"Die eigentliche Geheimgesellschaft der TG war die "Esoterische Schule", die "E(soteric) S(ection)" oder auch "E(astern).S(cool)." genannt. Diese 'östliche Schule' stellte den 'inneren Kreis' der nicht mehr als Geheimgesellschaft fungierenden Adyar- TG dar. Mitglied konnte man erst nach wenigstens einem Jahr Angehörigkeit in der TG werden. Bei der Aufnahme musste ein besonderes Gelübde abgelegt werden. Dieser esoterische Kreis war 1888 von Helena Blavatsky gegründet worden, nachdem sie mehr oder weniger freiwillig die offizielle Leitung der Adyar- TG abgeben musste." (41)

Die "Inner Group" wurde am 20.8.1890 statuiert und hielt bis 1891 dreiundzwanzig Sitzungen ab. Die Mitglieder dieser Gruppe hatten vor allem ein inneres Schulungs- Anliegen, eine Oberleitung der E.S. kann ihnen nicht zugeschrieben werden.

2.4.2. Blavatskys "Urreligions"- Hypothese

Blavatsky veröffentlichte ab 1872 Inhalte, welche ihr aus den okkultistischen und freimaurerischen Zirkeln bekannt geworden waren, in denen sie seit den 50er Jahren verkehrt hatte. Auf ihren langjährigen Reisen in den Vorderen Orient und nach Indien hatte sie verschiedene Religionen kennen gelernt und auch unter dem Gesichtspunkt des Spiritismus mancherlei Zirkel aufgesucht. Die Schweigeverpflichtungen, welche den Mitgliedern der Freimaurerei auferlegt waren, schlug sie in den Wind. Sie hatte sich ja nicht um eine Mitgliedschaft in der Freimaurerei beworben, in der diese Schweigeverpflichtungen galten. Im Gegenteil: John Yarker war ihr "hinterhergelaufen", um sie für seine Freimaurerei zu gewinnen. Da fühlte sie sich natürlich nicht an Schweigeverpflichtungen gebunden. Dies hätte auch ihrem Sendungsbewusstsein widersprochen. Sie war ja von der Idee beseelt, die "Urreligion" wieder zu finden und zu verbreiten, von der einige französische Theologen im ersten Drittel des 19.Jahrhunderts ausgegangen waren (42) . Man hatte bei den wiederentdeckten und neu entzifferten babylonischen Keilschrifttexten Elemente eines Eingottglaubens, einer Paradies- und Sintflutsage sowie hochstehende ethische Forderungen entdeckt. Daraus schloss man dann hypothetisch, dass in vorbiblischer Zeit eine "Urreligion" bestanden habe. Die weitere Geschichte der Religion und der Religionen stellt - aus Sicht dieser Theologen - eine Geschichte des Abfalls dar (43) .

Die Schriften Blavatskys sind im Hinblick auf diese hypothetische "Urreligion" hin verfasst worden. Diese Urreligion zu rekonstruieren war Blavatskys ganzes Bestreben. In ihren frühen Schriften vertrat Blavatsky die Ansicht, aus den Religionen Ägyptens, Israels und Babylons jene Urreligion rekonstruieren zu können. Später, vor allem nach ihrem Übertritt zum Buddhismus sah sie im Buddhismus (und hier vor allem in dessen tibetischer Tradition) noch ältere Reste ihrer hypothetischen "Urreligion".

Blavatsky war zu der Auffassung gekommen, die "Urreligion" habe die Welt als eine Emanation, also ein Heraustreten des Göttlichen aus sich selbst, beschrieben. Sie war wohl zu dieser Auffassung dadurch gekommen, weil sie das neuplatonische Corpus Hermeticum (44) und die - ebenfalls neuplatonisch beeinflusste - Kabbala (45) ihrer Urreligion zurechnete. Der Neuplatonismus sieht in der Tat die Welt als eine Emanation Gottes an. Aber der Neuplatonismus selbst stellt, geschichtlich gesehen, eine recht späte Entwicklungsstufe von hellenistischer Philosophie bzw. Religion dar. Aus ihm kann man nicht so unkompliziert auf eine "Urreligion" schließen, wie Blavatsky dies tat.

Nun gut, Blavatsky schloss vor dem Hintergrund des 19.Jahrhunderts, das Coprus Hermeticum sei aus ältester ägyptischer Zeit gewesen. Unter dieser - heute nicht mehr zu machenden - Annahme ist in der Tat ein Monismus das angemessene philosophische Modell für das Judentum/ Christentum, welches das Verhältnis Gott - Mensch in angemessener Weise beschreibt. Denn wenn die Welt eine Emanation Gottes darstellt, dann ist Gott und Welt eines und der Monismus dafür eine adaequate Beschreibung. Deshalb erklärte Blavatsky dann auch die Philosophen Plotin und Platon zu Eingeweihten einer ehemaligen, von ihr aus dem Neuplatonismus zurückgeschlossenen "Urreligion" und die war - nach Blavatskys Leseweise - in Indien beheimatet. Als Beispiel, wie großzügig man im Okkultismus des 19.Jahrhunderts mit geschichtlichen Verhältnissen umging, soll noch einmal Blavatsky zu Wort kommen:

"Die platonische Philosophie allein, diese sorgfältigste Sammlung der verborgenen Systeme Alt- Indiens, kann uns diesen vermittelnden Standpunkt gewähren (von dem aus man Theologie und "Geheimlehren" miteinander vergleichen kann). (...) Und dieser größte Philosoph der vorchristlichen Ära (=Plato) spiegelte in seinen Werken getreu den Spiritualismus und die metaphysische Ausdrucksweise der vedischen Philosophen, die Jahrtausende vor ihm lebten." (46)

Solche Verallgemeinerungen und Rundumschläge über Jahrtausende hinweg sind für Blavatsky typisch. Überall in ihrem Werk springt sie mit ihren Spekulationen über große geschichtliche Gräben hinweg und sieht Beziehungen und Abhängigkeiten, auch wo eine geschichtliche Kontinuität nicht gegeben ist. Wo der Okkultismus im 19.Jahrhundert keine Fakten fand, behauptete er dann schlichtweg, es habe eben eine verborgene (okkulte oder esoterische) Tradition im Untergrund der Kulturen gegeben, welche nur der (exoterischen) Öffentlichkeit nicht bekannt gewesen sei. Wie gesagt: Solche Schlussfolgerungen sind nicht nur für Blavatsky typisch, sondern durchweg bei den okkultistischen Schriftstellern von Fabre d'Olivet über Eliphas Lévi bis hin zu Papus. Diese Sichtweise repräsentiert das vom französischen Traditionalismus geprägtes Denken zu einer Zeit, als es noch keine sorgfältige religionsgeschichtliche Forschung gab.

2.4.3. Steiner - Blavatsky: Kontroverse Auffassungen zur Bedeutung des Christentums

Es ist zu bedauern, dass Steiner über weite Strecken hin vorläufige, vereinfachende Sichtweisen des Okkultismus übernommen hat (47) . Ein Bewusstsein von religionsgeschichtlichen Abhängigkeiten war im 19.Jahrhundert erwacht. Differenziert wurde damals noch nicht. Es ist ein Unfug, wenn man heute noch an den Hypothesen festhalten will, welche der Okkultismus einstmals in einem Frühstadium des religionsgeschichtlichen Denkens entworfen hatte. Wenn man an diesem Standpunkt festhalten wollte, würde man längst überholte vorläufige Spekulationen und Theorien aus dem 19.Jahrhundert bis ins 21.Jahrhundert hinein zementieren. Heute muss man deshalb diese vorläufigen Annahmen des Okkultismus in Steiners Werk identifizieren und richtigstellen. Wenn man die überholten Aussagen des Okkultismus aus Steiners Werk herauslöst, wandert damit zwar vieles auf den "Misthaufen der Geschichte". Aber dies entspräche dem Ansatz Steiners mehr, als ein Dogmatismus mit überlebten, heute als falsch einzustufenden Ansichten. Steiner wollte ja das Unausgegorene im Werk von Blavatsky auf ein höheres, besser reflektiertes Niveau bringen. Steiner drückt das folgendermaßen aus:

In ihrer "Geheimlehre" hat sie (=Blavatsky) ja, man möchte sagen in einem großen Wurf die verschiedenen Impulse mannigfaltiger Urreligionen und die Entwicklung der Religionen enthüllt. Zu objektiver Darstellung war sie eben nicht fähig. Sie hat überall, wo man auch objektive Darstellungen eigentlich erwarten müsste, ihr subjektives Urteil, ihr Empfindungsurteil in die Darstellung hineingemischt." (48)

"Nun muss man aber, wenn man die Erscheinung der Blavatsky ins Auge fasst, eine Eigenschaft dieser Persönlichkeit betonen, weil sie eine hervorragende Eigenschaft ist, das ist diese, dass Blavatsky ganz und gar, man kann schon sagen, antichristlich gesinnt war, ganz und gar antichristlich orientiert war".(49)

Blavatsky war der Meinung, das Christentum (besonders die Kirchenväter und später die römische Kirche) hätte die "eigentliche Ur- Religion" verdrängt und sich mit machtpolitischen Mitteln an deren Stelle gesetzt. Die römisch- katholischen Machtpolitik sah sie kritisch, vor allem die sogenannte "Konstantinische Wende". Aber ihre These, die Kirche habe im Altertum die Reste einer einstigen "Urreligion" mit Stumpf und Stil ausgerottet, lässt sich nach heutiger Beurteilung der Quellenlage nicht bestätigen. Das hellenistische Zeitalter hatte einfach zu viele, miteinander und nebeneinander bestehende Religionen, Mysterienkulte und philosophische Schulen. Im Mittelmeerraum, wo sich so viele Kulturen begegneten, kann man schon in der perikleischen Zeit die Tendenz zum Synkretismus erkennen. Der Synkretismus hat schon lange vor dem Erscheinen des Christentums sogenannte "reine" Religionsformen aufgelöst. Die weite Verbreitung des Christentums im Altertum ist mehr der Tatsache zu verdanken, dass es damals im Mittelmeerraum ein religiöses Vakuum gab, weniger darin, dass christliche Missionare militant gegen ältere Religionen vorgegangen wären. Da kann von einer angeblichen Auslöschung einer "Urreligion" nicht gesprochen werden.

Blavatsky betrachtete das Christentum als etwas, das die eigentliche "Urreligion" zerstört und sich an deren Stelle gesetzt habe. (Siehe Schaubild: "Blavatskys Urreligions - Hypothese" ). Sie war der Meinung, nur noch in der Gnosis, bei Essenern, Ophiten, den esoterischen Kreisen des Abendlandes und bei ihren hypothetischen tibetischen "Meistern" hätten Reste der von ihr angenommenen "Urreligion" bestanden. Die "Meister" aber lenkten aus der Ferne die Geschicke der Kulturen. In der Kabbala und in der Hermetik sah Blavatsky noch Elemente ihrer Urreligion. Diese Hypothese von Blavatsky ist heute überholt. Heute wird die Hermetik ins 2./3. und die Kabbala gar ins 13. nachchristliche Jahrhundert datiert.

Steiner sah das Verhältnis von der vorchristlichen zur christlichen Religion ganz traditionell entsprechend dem abendländischen Zwei- Stufen- Modell von Offenbarung. (Siehe Schaubild: "Steiners Auffassung vom Verhältnis der Religionen zueinander" ). - In der Konfrontation mit der hellenistischen Philosophie, der gnostischen Erweckungsbewegung, den Mysterienreligionen und besonders in einer Abgrenzung zur ursprünglichen jüdischen Gemeinde hin hatten sich die kappadozischen Kirchenväter, Origenes und dann besonders Augustinus auf die Sicht der Apostelgeschichte bezogen (Apg 17,16-34). Dort wird schon von dem Verfasser Lukas dem Paulus das Zwei- Stufenschema von Offenbarung in den Mund gelegt.

Das abendländische Zwei- Stufenmodell von Offenbarung sieht die Religionen vor Jesus von Nazareth als eine Vorstufe zu einer höheren Art der Offenbarung, welche dann im Christentum gegeben ist. Steiner nahm in modifizierter Weise die traditionelle, abendländische Sichtweise des Christentums ein und ergänzte durch seine Rede vom "ätherischen Christus". Seit den Kirchenvätern im Altertum war dies das Beschreibungsmodell der christlichen Tradition geworden. Indem sich Steiner auf das Zwei- Stufenschema anlehnte, bezog er einen zu Blavatsky kontroversen Standpunkt.

Blavatsky sah nämlich in den antiken Mysterienreligionen und in den Resten der vorchristlichen Religionen eine höhere Stufe der Offenbarung gegeben: Nach ihrem Offenbarungsverständnis war ja die Geschichte der Religionen eine Geschichte des Abfalls von der je höheren Urreligion. Steiner sah demgegenüber das Verhältnis von christlicher- zu vorchristlicher Religion entsprechend der christlich- abendländischen Tradition. Damit ist eigentlich schon die Divergenz zwischen Steiners Theosophie/ Anthroposophie und Blavatskys Theosophy bezeichnet, welche die Ursache für die Trennung der beiden Bewegungen im Jahr 1912 werden sollte. Der auslösende Faktor war dann allerdings die Gründung des Ordens "Star of the East" durch Annie Besant innerhalb der Theosophical Society. Dieser Orden sollte eine Wiederkunft Christi vorbereiten, die in dem Hinduknaben Krishnamurti gegeben sei. Krishnamurti war von Besant als kommender Christus proklamiert worden. Steiner wandte sich gegen die Erwartung einer Wiederkunft Christi in der physischen Dimension. Steiner erkannte Blavatsky die Fähigkeit zu,

"charakteristische Impulse der verschiedenen Religionen, der verschiedenen Naturreligionen an die Oberfläche und zum Verständnis der Menschen zu bringen."(50)
Aber "alle diese Mysterien (des Altertums, welche Blavatsky wiederbeleben wollte), können nur das begreifen, was Vorbereitung für den Christus ist." (51)

Steiner sah es als seine Aufgabe an, das Christentum als eine Erfüllung der vorchristlichen Religiosität zu beschreiben (entsprechend der abendländischen Tradition) und er charakterisierte seinen eigenen Ansatz treffend mit folgender Bemerkung:

"Dadurch steht die anthroposophische Bewegung als etwas Selbständiges in all diesen Geistesbewegungen (des Okkultismus im 19.Jahrhundert) drinnen, dass sie von Anfang an den Weg der heidnischen Religionen zu Christus gegangen ist." (52)

Christliche Theologen haben mit der Weltanschauung Steiners immer schon ziemliche Probleme gehabt. Vor allem protestantische Exegeten fanden bei Steiner eine Art der Bibelauslegung, welche den anerkannten Grundsätzen der Exegese widerspricht (53) .

Andererseits beweist doch Steiner durch die Annahme des Zwei- Stufenschemas von Offenbarung, dass er sich auf dem Boden der christlich- abendländischen Tradition bewegt. Wo ist dann das eigentliche Problem?

Das Problem besteht darin, dass Steiner natürlich nicht die Ergebnisse der historisch- kritischen Forschung des 20.Jahrhunderts vorwegnehmen konnte und dass deshalb seine Ausführungen zur Theologie in einem Horizont des 19.Jahrhunderts verbleiben. Mehr noch: Steiner nahm in seinen Ausführungen zu Theologie und Christentum auch viele Sichtweisen auf, welche im Okkultismus des 19.Jahrhunderts vertreten worden waren. Weil aber Steiner seine Quellen diesbezüglich nicht bezeichnet hat, und weil die Theologie diesen Kontext der Steinerschen Theologie bisher nicht beachtet hat, war das Verhältnis zwischen Theologie und Anthroposophie von gegenseitigem Unverständnis gekennzeichnet. Wenn man einmal den großen Kontext (54) aufgearbeitet haben wird, in dem Steiners Auslegung der biblischen Schriften entworfen wurde, dann wird Steiners Deutung des Christentums der offiziellen Theologie zumindest verständlich - wenn auch nicht akzeptabel - sein.

Was Steiner aber bei Blavatsky - bei aller Distanz - bewunderte, das war ihr Eintreten für den Monismus.

2.4.4. Blavatskys Monismus

In der Wende zum 20.Jahrhundert gab es eine Richtung in der Philosophie, welche den dualistischen Gegensatz zwischen Geist und Materie ablehnte. Diese Strömung wird auch 'Idealrealismus' benannt (55) . Er widersprach dem naturwissenschaftlichen, materialistischen Monismus von Darwin (1809-1881) und Haeckel (1834-1919) und vertrat dem gegenüber einen Monismus, der das Verhältnis von materieller Welt und geistigem Weltengrund als Einheit beschrieb. Von ihrer Intention her verfolgten Blavatsky und dann auch Steiner mit ihrem Monismus ein ähnliches Ziel. Sie vertraten eine Weltanschauung, welche eine Einheit zwischen Geist und Materie, dem Göttlichem und dem Kosmos voraussetzt (Monos, griechisch= eines, allein, einzig). Im Idealrealismus setzt das Reale ein Ideales voraus und kann nicht ohne dieses bestehen. Das Problem dieser Weltsicht und dann vor allem des theosophischen Monismus à la Blavatsky ist, nicht in einen Pantheismus zu verfallen.

Eine Lösung für das Pantheismusproblem bot schon immer der Neuplatonismus. Er bot eine Lösung insofern, als er das Hinausgehen des Göttlichen aus sich selbst (Emanation) in verschiedenen Etappen beschrieb: Ein übergeschichtliches Eines, über das sich in den Kategorien von Geist und Materie nichts aussagen lässt. Und dann erst entströmt (emaniert) diesem übergeschichtlichen Einen in einem zweiten Stadium der ganze Kosmos - sowohl materiell (als Rand des Seins beschrieben) als auch geistig (mehr dem Zentrum des Seins nahe). Das dritte Stadium ereignet sich am Ende des Prozesses, wenn alles Dasein zu seinem eigentlichen einen Ursprung zurückkehrt, wenn die Bewegung der Evolution ausgelaufen ist und eine Rückkehr beginnt.

Dieses philosophische Denken, das besonders bei Plotin (204-269 n.Chr) im hellenistischen Altertum ausgearbeitet war, wurde in der Theologie und besonders in der Mystik sowohl der christlichen (Tauler, Eckart, Seuse), der jüdischen (Kabbala) wie auch der muslimischen (Ibn Rushd) Religion zu einem wichtigen, wenn auch nie vorherrschenden Modell. Für alle drei monotheistischen Religionen bot es eine Möglichkeit, den Schöpfergott, der oft in eine ferne, unerreichbare Distanz zu seiner Schöpfung gerückt war, wieder in einer intimen Nähe zu seinem Geschöpf zu denken, wie es auch mehr dem Gefühl der mystische Erfahrung entsprach.

Die gewaltige Spannung, die bei einem solchen philosophischen Ansatz entsteht, wurde nicht immer durchgehalten. Schon im Altertum konnte die Gnosis diese enorme Spannung nicht in ihrer ganzen Konsequenz einlösen. Sie wertete alles Materielle ab. Jakob Böhme kam dieser Spannung in der ethischen Dimension nicht nach; er verlegte das Böse in die Natur Gottes. Giordano Bruno wurde missverstanden. Spinozas Ansatz war in seiner intellektuellen Formulierung der jüdischen Synagoge nicht zu vermitteln. Herder knüpfte in seinem Geschichtsbild, Goethe mit seinen naturwissenschaftlichen Aphorismen an den Neuplatonismus in gewisser Weise an. Und der deutsche Idealismus wollte (oder konnte) auf den Grundgedanken, der im Neuplatonismus schon deutlich ausgeführt war, nicht zurückgreifen. Hegels 'Weltengeist' war so einseitig spiritualistisch, dass ihm in einer materialistischen Weltauffassung (Marx) widersprochen wurde. Fichtes und Schellings Ausführungen blieben ein Fragment.

Blavatskys Denken bewegte sich im Umfeld des neuplatonischen Musters. In ihren frühen Schriften (Isis Unveiled, 1877) folgte sie mehr den abendländischen Versionen dieses Gedankens, nach ihrem Übertritt zum Buddhismus tendierte sie dann natürlich (Secret Doctrine, 1888) zur asiatischen Formulierung desselben philosophischen Prinzips. Bei Blavatsky bleibt vollkommen unbefriedigend, dass sie nicht nach geschichtlichen Gesichtspunkten nicht differenzieren konnte. Sie identifizierte alle religiösen oder philosophischen Strömungen, die in irgendeiner Weise mit dem Neuplatonismus (oder gar nur mit dem Hellenismus) in Beziehung standen, als "Reste" einer von ihr hypothetisch angenommenen Urreligion (56). Von ihrer philosophischen Grundstruktur her sind Steiners und Blavatskys Ansätze einander ähnlich. Beide sind sie monistisch. Auf sehr unterschiedliche Weise sind aber die weltanschaulichen Systeme Blavatskys und Steiners entstanden. Blavatsky entwickelte ihre Weltanschauung aus Anregungen durch die Freimaurerei und durch weitergehende Lektüre okkultistischer Literatur.

An den Monismus von Blavatsky konnte Steiner, von seinem eigenen Monismus herkommend, anschließen, als er innerhalb der Theosophischen Bewegung zu arbeiten begann. Für ihn war da kein Bruch: die von Blavatky vertretenen Ideen hatten die selbe Struktur wie der Monismus, den er selbst in seinen frühen Werken dargestellt hatte. Steiner hatte im Anschluss an seine Beschäftigung mit Goethe, Fichte und Kant ja seinen eigenen Monismus mit philosophischen Mitteln dargestellt. Und bevor er zur Theosophischen Gesellschaft stieß, hatte er vergeblich versucht, sich mit seinem Monismus beim Giordano Bruno- Bund Gehör zu verschaffen. Verständnis, das er beim Giordano Bruno- Bund nicht fand, bekam er nun bei der Theosophischen Gesellschaft (57) .

Alle mit dem Neuplatonismus in Beziehung stehenden Systeme haben eine Auffassung der Welt als einer einheitlichen geistig- materiellen, beseelten Einheit. Insofern Blavatsky mit solchen Ideen arbeitete, konnte sich Steiner dem anschließen. Die im späten Werk von Blavatsky vertretenen Ideen allerdings unterstützte Steiner nicht. Sie waren zwar auch monistisch, entstammten aber hinduistischer oder buddhistischer Weltauffassung. Östliche Philosophie und Esoterik wollte Steiner nicht vertreten (ein Grund, der später dann auch zur Trennung seiner theosophisch- anthroposophischen Bewegung von der Blavatsky - Theosophie führte).

2.4.5. Steiner schließt an Blavatskys Monismus an

Nach diesem ersten Exkurs zum Okkultismus des 19.Jahrhunderts soll nun zur Ausgangsfrage zurückgekehrt werden: Warum stellte sich Rudolf Steiner, der ja in den Jahren 1882 bis 1900 mit philosophischen und literarischen Beiträgen sich einen Namen gemacht hatte, ab 1902 der Theosophischen Gesellschaft zur Verfügung? Warum wechselte er zu einer Bewegung, welche aus dem Okkultismus herkam? Warum stellte sich jemand, der als "aufgeklärter Geist" einer Bewegung zur Verfügung, welche religionsgeschichtliche Spekulationen betrieb, sich zu geheimbündlerischer Verschwiegenheit verpflichtete, freimaurerische Utopien und okkultistische Inhalte pflegte? Steiner hatte sich ja immerhin auch der Wissenschaft seiner Zeit verpflichtet gefühlt und sich über Jahre hinaus mit Kants Philosophie beschäftigt.

Viele Autoren sehen hier im Leben Steiners einen Bruch, über den sie sich keinen Reim machen können. Bisweilen wird dann auf Steiners Sendungsbewusstsein hingewiesen, das sich nach 1900 durchgesetzt habe. Aber diese Erklärung greift zu kurz, weil sich Steiners Sendungsbewusstsein sehr wohl auch schon vor 1900 zeigte, allerdings in Bezug auf ganz andere Inhalte als nach 1900. Vor 1900 vertrat Steiner einen Ansatz, welcher sich am besten mit den Stichworten "Monismus" und "goetheanistisches Erkenntnisprinzip" bezeichnen lässt. Ist davon nach 1900 nichts mehr übrig?

Ich vertrete die Auffassung, dass Steiner nach 1900 an seinem ursprünglichen monistischen Ansatz festgehalten habe, allerdings nun im Bereich des Okkultismus. Das verbindende Element zwischen Goethe und dem Okkultismus ist Steiners Monismus, sein Weltbild, welches mit philosophischen Mitteln vor 1900 formuliert wurde. An diesem Weltbild hielt er nach 1900 fest, wenngleich auch bisweilen viele Inhalte darüber hinaus wucherten, welche aus dem Okkultismus herkamen. Ich werde noch darauf zurückkommen. Wenn man berücksichtigt, dass Steiner sowohl vor 1900 als auch danach den selben Monismus vertreten hat, dann gibt das Ganze einen Sinn. Dann ist der "philosophisch- literarische Steiner vor 1900" und der "theosophisch- okkuultistische Steiner nach 1902" der selbe.

Immer wieder wird die Meinung vertreten, Steiner habe seine Anthroposophie unabhängig von literarischen Hilfsmitteln und Quellen, nur rein intuitiv entworfen. Solch eine Meinung entsteht aus Unkenntnis der geistesgeschichtlichen Situation des 19.Jahrhunderts. Richtig ist vielmehr, dass Steiner seine Anthroposophie langsam aus dem weltanschaulichen Zusammenhang des 19.Jahrhunderts entwickelte. Er knüpfte an viele Gedanken an, welche in Blavatskys Theosophie schon vertreten worden waren. Die theosophische Bewegung entstand im 19.Jahrhundert mitten aus einer Bewegung heraus, welche in unserem Zusammenhang mit dem zusammenfassenden Begriff "Okkultismus des 19.Jahrhunderts" bezeichnet wird. Als Steiner im Jahr 1902 Generalsekretär der Theosophischen Gesellschaft in Deutschland wurde, knüpfte er an diese Bewegung an.

Wenn man Steiners Schriften rein werkimmanent interpretiert, also ohne Kontext, dann muss man einen Bruch zwischen seiner vorbereitenden, mehr "literarisch- philosophisch" orientierten Phase und der ersten "theosophischen" Phase sehen. Dieser Bruch wäre mit 1902 zu datieren, dem Zeitpunkt, von dem an Steiner innerhalb der theosophischen Bewegung zu arbeiten begann. Wenn man jedoch weiß, dass Steiners Hintergrund ein monistisches Weltbild ist (wie im 1.Kapitel gezeigt wurde), kann man eine Kontinuität erkennen: In beiden Perioden vertrat Steiner gleichermaßen ein monistisches Weltbild. Nur die äussere Erscheinungsform, in der dies Weltbild vorgetragen wurde, ist verschieden. Davon darf man sich zunächst nicht beirren lassen.

In der "literarisch- philosophischen" Epoche arbeitete Steiner seinen Monismus mit philosophischen Mitteln heraus. Er arbeitete damals den wissenschaftlichen Ansprüchen seiner Zeit entsprechend: Er wies Zitate nach und gab Literaturhinweise. Nach 1902 hielt er bei seinen Veröffentlichungen im Zusammenhang der Theosophischen Gesellschaft nicht mehr an diesem wissenschaftlichen Standard fest. Er unterließ das mühsame Zitieren, gab keine Literaturverweise mehr und erwähnte nicht einmal mehr den Ursprungszusammenhang der von ihm verwendeten Philosopheme. So bleiben viele Aussagen unverständlich und sind auch durch ein Verweisen auf andere ähnliche Aussagen im Gesamtwerk Steiners nicht unbedingt zu erhellen. Aber im Zusammenhang mit dem Kontext, in dem damals die Theosophische Bewegung als solche stand, innerhalb der Steiner arbeitete und sich zu Wort meldete, werden dann Steiners Ausführungen verständlich: Nicht der kleine Kontext von Steiners Gesamtausgabe ist hier weiterführend, sondern der große Kontext, in dem die theosophische Bewegung als Ganzes stand. Dieser große Kontext soll in unseren Internetseiten hergestellt werden.

  

2.5. Motive für Steiners Wechsel zur Theosophischen Gesellschaft

2.5.1. Materielle Gründe

Im Jahr 1897 war Steiners Tätigkeit am Goethearchiv in Weimar beendet. Danach lebte er als freier Schriftsteller in Berlin, versah von 1897 bis 1902 die Redaktionsarbeiten für das "Magazin für Literatur" und gab verschiedene Kurse an der "Arbeiter - und Bildungsschule" von Wilhelm Liebknecht. Eine berufliche Krise ergab sich für ihn, als die von ihm betreute Zeitschrift eingestellt wurde und sich auch zusehends mehr und mehr Differenzen zwischen ihm und der Leitung der sozialistischen Arbeiter - und Bildungsschule ergaben. Auch hatte Steiner wohl darauf reflektiert, als Privatdozent in Jena tätig zu werden. Das war nicht möglich (58) . Die Honorare, welche für Vorträge und verschiedene Artikel in Zeitschriften abfielen, waren denkbar bescheiden. Eine berufliche Neuorientierung war schon allein aus materiellen Gründen unabdingbar.

Eine neue Möglichkeit ergab sich für Steiner, als er im Jahre 1902 den Kontakt zu einem Kreis von Theosophen fand. In Deutschland entstand eine Theosophische Gesellschaft schon 1884, und zwar als ein Ableger der Theosophical Society von Indien (Adyar) her, nicht als ein Ableger der Theosophical Society von England oder den USA. Das muss deshalb vermerkt werden, weil sich Steiner später mit der Adyar- Richtung der Theosophical Society und deren Leiterin Annie Besant auseinander setzte, was bekanntlich 1912 zur Trennung Steiners von der Theosophischen Gesellschaft führte. (Man kann anfragen, ob es zum damaligen Zeitpunkt zu einer Trennung gekommen wäre, wenn die deutsche Theosophische Gesellschaft ein Ableger der amerikanischen und nicht der englisch- indischen T.S. gewesen wäre). Zur Gründung der Theosophischen Gesellschaft in Deutschland berichtet Frick folgendes:

Marie Gebhard (1831-1891) "... interessierte sich seit Jahren für die Kabbala und andere Geheimwissenschaften. Den bekanntesten Okkultisten seiner Zeit, Eliphas Lévi, zählte sie zu ihren Vertrauten. Mit ihm stand sie über mehrere Jahre bis zu seinem Tode (1875) im Briefwechsel. Nach dem Deutsch- Französischen Krieg 1870/71 war Lévi für einige Wochen Gast in Elberfeld. Hier hatte man ihm am Platzhof 12 einen "okkulten Raum", also ein Chambre d'Operation im Sinne der französischen Schule eingerichtet. Schon die Illuminaten des 18.Jahrhunderts benutzten derartige, meist nur spärlich durch Kerzenlicht erhellte Räume für ihre Meditationen oder auch magische Praktiken.
In diesem, einst von Lévi "geweihten" Raum wurde am 27.Juli 1884 in Gegenwart von Oberst Olcott, der zusammen mit der H.P.B. nach Europa gekommen war, die erste deutsche Theosophische Gesellschaft nach dem Vorbild in Adyar gegründet. Den ebenfalls anwesenden Juristen und Volkswirtschaftler Dr.jur. Wilhelm Hübbe- Schleiden (1846-1916) aus Hamburg wählte man zum Präsidenten. Als äußere Form wurde, getreu dem maurerischen Vorbild, eine Loge "Germania" gestiftet. Zwei Wochen nach dieser Gründung traf Frau Blavatsky selbst in Elberfeld ein. Hier war sie Gast der Gebhards und blieb bis zu ihrer erneuten, diesmal letzten Rückkehr nach Indien Ende Oktober 1884."
(59)

Die Theosophische Gesellschaft in Deutschland löste sich aber schon bald wieder auf, wohl in Folge der Auseinandersetzungen und Skandale, in welche H.P.Blavatsky in Adyar verwickelt war (60) . Hübbe- Schleiden, der nach 1900 eine Neugründung der Theosophischen Gesellschaft anregte und Sellin, welcher später Rudolf Steiner über die freimaurerischen Hintergründe der theosophischen Bewegung informierte, waren damals aus der Theosophischen Gesellschaft ausgeschieden (61) . Es kam aber erst 1902 zu einer zweiten Neu- Gründung der Theosophischen Gesellschaft (der Adyar- Richtung) in Deutschland. Karl Frick: Es wurde 1902 "durch Hübbe - Schleiden in Anwesenheit von Annie Besant nach Jahren äußerlicher und innerlicher Zerrissenheit die "Deutsche Sektion der Theosophischen Gesellschaft", auch "Adyar- Gesellschaft" (ATG) genannt, gegründet bzw. unter dieser Bezeichnung erneuert. Steiner wählte man unter der Leitung von Hübbe- Schleiden zum Generalsekretär der neuen TG." (62)

Für die neu gegründete Theosophische Gesellschaft wurde jemand gesucht, der die Theosophische Gesellschaft in Deutschland organisieren, ihr ein literarisches Organ geben und sie durch Veranstaltungen und Vorträge aufbauen wollte. Die Theosophische Gesellschaft in Deutschland war dazumal noch wenig organisiert. Es war mehr ein recht loser Verband verschiedener religiös und esoterisch interessierter Menschen, welche zum Teil in "Logen" organisiert waren, Hübbe-Schleiden war der Präsident der deutschen Sektion der Theosophischen Gesellschaft in Deutschland. Er schlug 1902 der Gesellschaft vor, Steiner zum Generalsekretär zu wählen. Steiner bereiste die theosophischen Logen in Deutschland, gab Vorträge und schrieb regelmäßig Beiträge für das literarische Organ der theosophischen Zeitschrift "Lucifer".

Warum entfaltete Steiner plötzlich eine so große Aktivität für eine Bewegung, die er rund zehn Jahre zuvor noch recht abfällig beurteilt hatte?

"Ich kannte Theosophen schon von Wien her, und lernte später noch andere kennen. Diese Bekanntschaften veranlassten mich, im 'Magazin' die abfällige Notiz über die Theosophen beim Erscheinen einer Publikation von Franz Hartmann zu schreiben. Und was ich sonst von der Literatur kannte, war mir zumeist in Methode und Haltung ganz unsympathisch; ich hatte nirgends die Möglichkeit, mit meinen Ausführungen daran anzuknüpfen." (63)

Es können dafür drei Gründe genannt werden:

  1. Durch den Wechsel zur Theosophischen Gesellschaft fand Steiner ein Publikum, das sich seinen Fragestellungen gegenüber aufgeschlossen zeigte. Damit verbunden war dann auch eine materielle Absicherung, welche er dringend benötigte (64) . Selbst wenn nicht von regelmäßigen Zuwendungen durch die Theosophische Gesellschaft ausgegangen werden kann, bekam Steiner durch seine häufigen Vorträge in den verschiedenen theosophischen Logen regelmäßig Honorare, dazu mag die Zeitschrift "Lucifer" wohl auch noch etwas abgeworfen haben; insgesamt ergab sich dadurch mehr als durch die unregelmäßige, sporadische Vortragstätigkeit zuvor in Berlin, außerhalb einer als Gesellschaft organisierten Zuhörerschaft.
  2. Steiner fand nun ein ständiges Publikum für sein Anliegen - eine Öffentlichkeit, die durch aufeinander aufbauende Artikel und Vorträge von einem losen Publikum zu einer Gemeinschaft mit Zusammenhörigkeitsgefühl entwickelt wurde.
  3. Zwischen dem von Blavatsky vertretenen Monismus und dem Monismus Steiners gab es viel Übereinstimmung. Blavatsky hatte einen Monismus entworfen, welcher die Welt und den Kosmos als einen einzigen großen lebendigen Organismus betrachtete. Von diesem Grundgedanken Blavatskys zu Goethes Naturauffassung gibt es Brücken. Und hier konnte Steiner anschließen. Goethes Weltbild war ja ein Ausgangspunkt gewesen, von dem aus Steiner seine eigene Sicht der Welt, seinen eigenen Monismus zwischen 1882 und 1897 entwickelt hatte.

2.5.2. Philosophisch- weltanschauliche Gründe

Nicht nur materielle und praktische Gründe, sondern, wie wir hier sehen, auch durchaus inhaltliche Gemeinsamkeiten zu dem monistischen Ansatz Blavatskys waren für Steiner gegeben, die ihm einen Wechsel zur Theosophischen Gesellschaft im Jahr 1902 nahe legten. Es überrascht nicht, dass Steiner nach 1902 diesen Wechsel schnell vollzogen hat. In der Theosophischen Gesellschaft fand Steiner sein Publikum, welches mit monistischen Sichtweisen vertraut und deshalb auch seinen eigenen Ideen gegenüber aufgeschlossen war. Innerhalb der Deutschen Theosophischen Gesellschaft wiederholte Steiner nicht Inhalte, die der Gesellschaft von Blavatsky aus eigen waren, sondern er überarbeitete vorhandene Inhalte und entfaltete seinen eigenen Monismus in neuer, an die Theosophie von Blavatsky anschließender Terminologie.

Um von dem theosophsichen Publikum verstanden zu werden, musste Steiner auf die Inhalte und den Hintergrund der theosophischen Bewegung eingehen. Dieser Hintergrund war durch die Schriften von H.P.Blavatsky für ihn gegeben. Andere Autoren, wie etwa Besant oder Sinett erwähnte er nur, um sich von ihnen abzugrenzen (65) . In seiner "theosophischen" Phase nach 1902 wandte sich Steiner von erkenntnistheoretischen Fragen ab, welche er in seinen Schriften zwischen 1882 und 1897 vertreten hatte. Für solche Problemstellungen interessierte sich niemand im theosophischen Zusammenhang. Denn Blavatsky hatte kein theoretisch- philosophisches, sondern ein religiöses Anliegen gehabt:

"Unser Werk ist eine Verteidigungsschrift für die Anerkennung der hermetischen Philosophie als der ehemals allgemeinen Weisheits - Religion, als dem einzig möglichen Schlüssel zum Absoluten in Wissenschaft und Theologie." (66)

Diesen Impuls hatte Steiner erkannt. Er charakterisierte deshalb Blavatskys Schriften, besonders ihre "Secret Doctrine", als

"eine Auferstehung der alten Mysterien, im Grunde genommen nichts Neues". (67)

Steiner machte es sich nach 1902 zur Aufgabe, das in der Theosophischen Gesellschaft Vorhandene zu ordnen, systematisch zu entwickeln und auch um ihm den antichristlichen Charakter zu nehmen, der in Blavatskys Schriften zu finden ist. Schnell fand sich Steiner im Gedankenzusammenhang des Blavatkyschen Monismus zurecht. Und schnell wurde dies auch im Zusammenhang der Theosophical Society bei einem Kongress in London (1902) honoriert:

"Als ich dann nach London zu einem theosophischen Kongress kam, da sagte mir eine der leitenden Persönlichkeiten, in meinem Buche 'Die Mystik...' stünde die wahre Theosophie. Ich konnte damit zufrieden sein. Denn ich hatte nur die Ergebnisse meiner Geistesschau gegeben; und in der Theosophischen Gesellschaft wurden diese angenommen. Es gab nun für mich keinen Grund mehr, vor dem theosophischen Publikum, das damals das einzige war, das restlos auf Geist- Erkenntnis einging, nicht in meiner Art diese Geist- Erkenntnis vorzubringen." (68)
  

2.6. Steiners Haltung gegenüber Blavatsky und dem Okkultismus im 19.Jahrhundert

2.6.1. Der Vorwurf der Unwissenschaftlichkeit

Steiner schätzte Blavatskys weiträumige Kenntnis religiöser Quellen. Blavatskys erstes großes Werk, ihre "Isis Unveiled" (1877) beurteilte er noch positiv:

"'Die entschleierte Isis' war nichts Wertloses. 'Die entschleierte Isis' brachte tatsächlich aus einem gewissen Substantiellen heraus, so dass das mitgeteilte Wissen wie ein Ursprüngliches erschien, dasjenige, was eben von alter Weisheit bis dahin sorgfältig behütet worden war."(69)

Blavatskys "Geheimlehre" (1888) beurteilte Steiner schon kritischer. Er sprach von mangelnder Logik und einer unwissenschaftlichen Bearbeitungsweise der Inhalte:

"Ich möchte sagen: es war eine Art Auferweckung von uralten Kulturen. Man hatte vor sich, eben aus der äußeren Welt einem entgegenkommend, nicht bloß aus sich selbst, dasjenige, wovon man sich sagen musste: das bringt ein ungeheures altes Weisheitsgut herauf, das die Menschen einmal als etwas außerordentlich Lichtbringendes besessen haben. Dazwischen Partien der unglaublichsten Art, die einen immer wieder staunen machten, weil das Buch lotterig, dilettantisch gearbeitet ist in Bezug auf jede wissenschaftliche Denkweise, unsinnig mit Bezug auf manches Abergläubische und so weiter. Überhaupt ein merkwürdiges Buch, diese Blavatskysche 'Geheimlehre': große Wahrheiten neben schauderhaftem Zeug (70) .

Steiner hielt nicht nur wissenschaftlich nichts von Blavatsky, er sprach ihr sogar die Fähigkeit ab, systematisch arbeiten zu können: "in der Logik war sie außerordentlich schwach." (71) Von daher hatte Steiner den Impuls, die Inhalte der theosophischen Bewegung zu revidieren und unter philosophischen Gesichtspunkten neu zu strukturieren.

2.6.2. Das Problem der literarischen Quellen

Um Blavatsky gerecht zu werden, muss man bedenken, wie ihre Schriften entstanden sind. Blavatsky verwendete kritiklos die ganze Bandbreite der okkultistischen Literatur und übernahm von dort her viele Spekulationen und ungesicherte Entwürfe. Daneben versuchte sie Neuerscheinungen auf religionsgeschichtlichem Feld (wie zB. die Veröffentlichungen von Max Müller) einzuarbeiten. Sie wendete nicht "wissenschaftliche Maßstäbe" an. Auch arbeitete sie nicht systematisch, sondern schrieb in lockeren Assoziationen. Man muss bedenken, dass Blavatsky in ihrer Jugend zwar gelegentlich von Privatlehrern unterrichtet wurde, aber kaum eine systematische schulische Unterweisung geschweige denn eine akademische Bildung bekommen hatte. Da wundert man sich, wie sie trotz so geringer Vorbildung die gewaltigen Stoffmengen bearbeiten konnte, welche etwa der "Secret Doctrine" zu Grunde liegen. Gewiss bekam Blavatsky durch viele Informanten aus der okkultistischen "Szene" genug Inhalte mitgeteilt. Viele Inhalte behielt sie gedächtnismäßig stets präsent und konnte die verschiedensten religiösen Systeme miteinander in Verbindung bringen (wenngleich sie auch deren chronologische Implikationen nicht bedachte). Man kann von ihr nicht erwarten, dass sie eine tiefere Kenntnis der religiösen Texte besaß, von denen sie manchmal nur Fragmente kannte. Die geschichtlichen Zusammenhänge, aus denen sie die Texte entnahm, waren ihr wenig vertraut und zusätzlich ordnete sie alles ihrer hypothetischen "Urreligion" unter.

Wenn man daneben stellt, in welcher Weise Steiner gearbeitet hat, schneidet Blavatsky gar nicht so schlecht ab. Steiner promovierte zwar über ein Thema, das im Zusammenhang mit der Kant'schen Philosophie stand (72) . Ein ordentliches, systematisches Studium an einer philosophischen Fakultät war damals aber Steiner als einem ehemaligen Realschulabsolventen so nicht möglich. Steiner ließ sich deshalb in der technischen Hochschule in Wien für die Fächer Mathematik, Naturgeschichte und Chemie einschreiben. An der technischen Hochschule begegnete er dem Germanisten Karl Julius Schröer, der ihn sehr beeindruckte und dem er später die Empfehlung an das Goethearchiv in Weimar verdankte. Er arbeitete sich zusätzlich autodidaktisch und als Gasthörer der Universität in die Philosophie ein (73) . Zwischen die Fronten der verschiedenen Strömungen des 19.Jahrhunderts geraten, fühlte sich Steiner zu der intuitiven Richtung hingezogen, wie sie der von ihm bewunderte Literaturprofessor Schröer vertrat, "der nichts auf Systematik gab" und der "aus einer gewissen Intuition heraus dachte und sprach" (74) . Schröer war gewiss kein Vertreter der historisch- kritischen Schule, welche zur gleichen Zeit entstand. Auch die Philosophiedozenten, welche Steiner hörte, vertraten alte Konzepte Die Schriften von Adolphe Franck, Jellineck, Gershom Scholem und Reitzenstein wurden zur Hintergrundinformation herangezogen.

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 Fußnoten

(1) Steiner, Rudolf; Anthroposophische Gemeinschaftsbildung. Dornach 1974 GA 257 S. 60 und
Steiner, Rudolf; Die Geschichte und die Bedingungen der anthroposophischen Bewegung im Verhältnis zur Anthroposophischen Gesellschaft. Dornach 1959, GA 258 S.118ff
(2)   ... und wohl auch, weil er durch Schweigegebote des Okkultismus eingeschränkt war? Steiner gab zwar vor, dass er nicht verpflichtet gewesen sei, Schweigegebote zu halten. Aber Schweigegebote  galten in der Yarker- Freimaurerei. Und dieser Freimaurerei gehörte Steiner an.
(3) Es ist vorgesehen, einige Monographien zu erarbeiten, in denen die anthroposophischen Grundschriften einzeln analysiert werden sollen. Diese Schriften werden von hier aus mit einem Link zu erreichen sein.
(4) Der Internet- Text "Vertreter und Inhalte des Okkultismus im 19.Jahrhundert" ist diesem Thema gewidmet.
(5) "In the year 1872 I printed, at my own cost, a small book entitled, Notes on the Scientific and Religious Mysteries of Antiquity; the Gnosis and Secret Schools of the Middle Ages; Modern Rosicrucianism; and the various Rites and Degrees of Free and Accepted Masonry. At this time, I was Grand Master of the Ancient and Primitive Rite of Memphis, and before that of the combined Scottish Rite of Memphis and Mizraim"
In: Blavatsky, Helena Petrovna; Collected Writings I S. 311.
(6) Karl Frick hat dies System dargestellt und die Fülle der Titel und Grade aufgezählt in:
FRICK, Karl R.H.; Die Erleuchteten. Gnostisch- theosophische und alchemistisch - rosenkreuzerische Geheimgesellschaften bis zum Ende des 18.
Jahrhunderts. Ein Beitrag zur Geistesgeschichte der Neuzeit Band I und II Graz 1973 S. 204
(7) "Yarker's life revolved around the creation, promotion and administration of 'additional' masonic Degrees, which Westcott also embraced while moving steadily in the direction of more overtly esoteric Orders. Necessarily their circles of correspondents overlapped and they wrote frequently to each other..."
In: Götz von Olenhusen, Albrecht (Hg.); Wege und Abwege. Beiträge zur europäischen Gestesgeschichte der Neuzeit. Festschrift für Ellic Howe zum 20.September 1990, Freiburg 1990 S. 81
(8) John Yarker (1833-1917). Siehe:
Möller, Helmut; Merlin Peregrinus: Vom Untergrund des Abendlandes. Würzburg 1986 S. 129
(9) Frick, Karl R.H.; Die Erleuchteten. Gnostisch- theosophische und alchemistisch - rosenkreuzerische Geheimgesellschaften im 19. und 20.Jahrhundert. Ein Beitrag zur Geistesgeschichte der Neuzeit Band II Graz 1973 S.262f
(10) Frick:
"Eine interessante Querverbindung Yarkers bestand auch zur Theosophischen Gesellschaft der Madame Blavatsky. Helena Blavatsky hatte Yarker 1879 in den USA kennengelernt. Während Frau Blavatsky Yarker zum Ehrenmitglied (Honorary Fellow) ihrer Gesellschaft erklärte, machte Yarker sie nach der Veröffentlichung der "Entschleierten Isis" zur "Gekrönten Prinzessin", dem höchsten Grad für weibliche Mitglieder des Memphis- Misraim- Ritus. Ab 1880 war Yarker auch Ehrenmitglied der englischen Theosophischen Gesellschaft. In das von Yarker geschaffene neue System konnten auch Frauen aufgenommen werden. Damit muss sein Ritus, ähnlich der Droit humain in Frankreich, zur sogenannten Adoptionsmaurerei gezählt werden." In:
Frick, Karl R.H.; Die Erleuchteten. Gnostisch- theosophische und alchemistisch - rosenkreuzerische Geheimgesellschaften im 19. und 20.Jahrhundert Band II,2 Graz 1973 S 207
(11) "In Frankreich gehörte Yarker dem Obersten Rat des von dem Führer der französischen Martinisten und Okkultisten, Papus, gegründeten Ordre Martiniste an. Papus war dafür "Großmarschall" des von Yarker und später von Westcott geleiteten Swedenborg- Ritus." In:
Frick, Karl R.H.; Die Erleuchteten. Gnostisch- theosophische und alchemistisch - rosenkreuzerische Geheimgesellschaften im 19. und 20.Jahrhundert Band II,2 Graz 1973 S.207
(12) "Wir dürfen annehmen, dass Yarker bereits um 1860 in eine von Waite erwähnte Rosenkreuzbruderschaft in Manchester eingetreten war. Diese Gruppe gehörte zu den Mitbegründern der SRiA (Societas Rosicrucianae in Anglia). Seit den neunziger Jahren arbeitete Yarker mit dem seit 1892 als Großmeister wirkenden W.W.Westcott zusammen." In:
Frick, Karl R.H.; Die Erleuchteten.
Gnostisch- theosophische und alchemistisch - rosenkreuzerische Geheimgesellschaften im 19. und 20.Jahrhundert Band II,2 Graz 1973 S 207
(13) "Thought I have nothing to do with American modern Masonry, and do not expect to have, yet, feeling highly honoured by the distinction conferred upon me by Brother Yarker, I mean to stand for my chartered rights, and to recognize no other autority than that of the high Masons of England (Yarker nämlich), who have pleased to send me this unsolicited and unsexpected testimonial of their approval of my humble labours." In:
H.P.Blavatsky; Collected Works Bd I S. 310
(14) Ausführlich geht der Internet- Text  "Vertreter und Inhalte des Okkultismus im 19.Jahrhundert"  auf diese Thematik ein
(15) Steiner, Rudolf; Die okkulte Bewegung im 19.Jahrhundert und ihre Beziehung zur Weltkultur. Dornach 1969 (GA 254) S.144
(16) Steiner: "Der Besuch in London war von großem Interesse für mich. Ich lernte da wichtige Führer der Theosophischen Gesellschaft kennen. Im Hause Mr. Bertram Keightleys, eines dieser Führer, durfte ich wohnen. Ich wurde sehr befreundet mit ihm. Ich lernte Mr. Mead, den so verdienstvollen Schriftsteller der theosophischen Bewegung, kennen."
In: Steiner, Rudolf; Lebensgang TB. S.296
Mead war zeitweise Sekretär von H.P.Blavatsky. Keightley war ein angesehenes Mitglied der Theosophischen Gesellschaft in London. Bei einigen Arbeitswochenenden mit Sinnett und Leadbeater lernte er die Art und Weise kennen, wie damals theosophische Ergebnisse zustande kamen.
(Hierzu: Gregory Tillett: The Elder Brother. A biography of Charles Webster Leadbeater. London 1982, Kapitel 7 bis 9)
(17)  Siehe Frick, Bd.II S. 159-301
(18) Es wird auf diese Zusammenhänge im folgenden Internettext  ausführlich eingegangen.
Weitere Aussagen zur ES. findet man bei bei
Gilbert R.A.; The Golden Dawn and the Esoteric Section, London 1987
(19) Ein Beispiel: die "Leben- Jesu- Diskussion" bei Schweitzer, Albert; Geschichte der Leben- Jesu- Forschung, Tübingen (2)1913
(20) Die Theorie, dass Moses ägyptische Priestergeheimnisse mit nach Israel genommen habe, vertrat auch schon Kircher. In: Kircher: Moses Aegyptiaticus. Rom 1623
(21) "Die beiden Patente (der Mizraim- und der Memphis- Freimaurerei) wurden Yarker von Pessina erteilt, nachdem man sich am 2.September 1881 in einem Vertrag auf ein gemeinsames Oberhaupt des Memphis- und Misraim- Ritus für die Jurisdiktionen Italien, Großbritannien und Irland, USA und Rumänien geeinigt hatte".
Nämlich: Yarker für Großbritannien und Irland, Mott für USA, Pessina für Italien.
Quelle: Kneph, II.Jahrgang S.104
"Beide Riten wurden zusammen mit den Vollmachten zur Bearbeitung des Misraim- Ritus in den USA, einzeln oder geschlossen, von Seymour und anderen Maurern an Interessenten verkauft und damit zu einem merkantilen Handelsobjekt. Überhaupt muss man sich gerade bei der Erteilung von Hochgraden dieser Systeme allgemein von der Vorstellung lösen, mit der Gradeinteilung sei nur das Verdienst eines innerlich überzeugt suchenden Menschen oder Initianden belohnt worden, nachdem seine Aufgaben und Prüfungen für den angestrebten Grad erfüllt waren. Häufig war die 'Beförderung' in höhere Grade lediglich von der Größe des Geldbeutels des betreffenden 'Bruders' abhängig." In:
Frick, Karl R.H.; Die Erleuchteten. Gnostisch- theosophische und alchemistisch - rosenkreuzerische Geheimgesellschaften bis zum Ende des 18.Jahrhunderts. Ein Beitrag zur Geistesgeschichte der Neuzeit Band II Graz 1973 S 203
"Yarker's chief enthusiasm was for the 'Ancient and Primitive Rite of Masonry', a masonic system of distant french origin that he had imported from the USA in 1872, but he was also an eager propagator of another American import (...), the 'Primitive and Original Rite of Freemasonry, or Swedenborgian Rite' (...)" In:
Götz von Olenhusen, Albrecht (Hg.); Wege und Abwege. Beiträge zur europäischen Geistesgeschichte der Neuzeit. Festschrift für Ellic Howe zum 20.September 1990, Freiburg 1990 S. 82
(22) Begründung der Theosophical Society: "In diesem (spiritistischen) Kreis schlug am 7.September 1875 das Mitglied G.H.Felt vor, die Gruppe zu erweitern. Erst am 17.November des gleichen Jahres entstand in New York die Theosophical Society (abgekürzt T.S.) als eine echte Geheimgesellschaft. (...) Zum ersten Präsidenten wurde Olcott gewählt. Frau Blavatsky, offiziell nur korrespondierende Sekretärin, war aber der eigentliche spiritus rector der Gesellschaft."
In: Frick, Karl R.H.; Die Erleuchteten. Gnostisch- theosophische und alchemistisch - rosenkreuzerische Geheimgesellschaften im 19. und 20.Jahrhundert. Ein Beitrag zur Geistesgeschichte der Neuzeit Band II Graz 1973 S.263
(23) "The Hermetic Order of the Golden Dawn came into being on 1st March 1888 (the date on which the charter of the first Temple, Isis Urania, was signed). It was the brainchild of a London coroner, Dr. William Wynn Westcott (1848-1925), aided and abetted by his fellow masonic Rosicrucians, Dr. William Robert Woodman (1828-1891) S.L.M. Mathers, and was presented to the occult- minded public as an Esoteric Order." In:
Götz von Olenhusen, Albrecht (Hg.); Wege und Abwege. Beiträge zur europäischen Gestesgeschichte der Neuzeit. Festschrift für Ellic Howe zum 20.September 1990, Freiburg 1990 S. 79
(24) Solche Inhalte findet man zB. in den Veröffentlichungen von Papus, Mathers, Waite und Regardie (Titel im Literaturverzeichnis s.u.).
(25) Siehe Eliphas Lévi's Werke im Literaturverzeichnis.
"Eine Begegnung Blavatskys mit dem (...) französischen Okkultisten Eliphas Lévi, der 1854 sein "Dogma der Hohen Magie" und 1856 sein "Ritual der Hohen Magie" veröffentlicht hatte, ist nicht auszuschließen, aber historisch nicht nachweisbar." Frick II S.262f
(26) H.P. Blavatsky; Die entschleierte Isis, Vorwort S. XLIV
(27) Auf die damit angesprochenen Inhalte und Personen werden wir in einem gesonderten Internet- Text noch genauer eingehen.)
(28) G.F.Grotefend lieferte den Grund für die Entzifferung 1802, als er die zwei kurzen Inschriften von Daraios und Xerxes deuten konnte
Lit: J. Friedrich; Entzifferung verschollener Ziffern und Sprachen. Göttingen/ Heidelbelg 1954

(29) Champollion entzifferte die Hieroglyphenschrift auf Grund des von napoleonischen Soldaten gefundenen trilinguen Steines von Rosette und gab seine Entdeckung 1822 bekannt. Friedrich, J. a.a.O.
(30) H.P.Blavatsky; Entschleierte Isis, BD II Leipzig 1909 S.27f
(31) R. Steiner; GA 258, S.54
(32) R. Steiner; GA 258, S.59
(33)  Steiner; GA 254 S. 34
(34) H.P.Blavatsky; Isis unveiled S.363
(35) Frick, Karl R.H.; Die Erleuchteten. Gnostisch- theosophische und alchemistisch - rosenkreuzerische Geheimgesellschaften im 19. und 20.Jahrhundert.. Ein Beitrag zur Geistesgeschichte der Neuzeit Band II Graz 1973 S.263
(36) Frick, Karl R.H.; ebd. S.263
(37) Frick, Karl R.H.; ebd. S.264
(38) "Theosophy is, then, the archaic WISDOM-RELIGION, the esoteric doctrine once known in every ancient country having claims to civilization. This 'Wisdom' all the old writings show us as an emanation of the divine Principle". In:
HPBlavatsky, What is Theosophy? In: Collected Writings II S.89
(39) H.P.Blavatsky; What ist Theosophy? (1880) In: Collected Works, Bd.II S. 501 f
(40) Frick, Karl R.H.; ebd. S.265
(41) Frick, Karl R.H.; ebd. S 313
Während Frick 1886 als Gründungszeit der E.S. angibt, nennt die Gesamtausgabe Blavatskys "Collected Writings" Bd. XII 1888 als Zeitpunkt der Gründung.
Die "Inner Group" wurde am 20.8.1890 gegründet und hielt bis 1891 dreiundzwanzig Versammlungen ab.
(42) N.Höltzel; Die Uroffenbarung im französischen Traditionalismus, München 1962
(43) Noch 1912 vertrat diese Theorie der Religionswissenschaftler Wilhelm Schmidt in seinem zehnbändigen Werk "Der Ursprung der Gottesidee", Münster 1912. Schmidt blieb aber ohne Anerkennung durch die Fachwelt. Das Problem der Religionen erwies sich als viel differenzierter, als dass es durch die Theorie von Schmidt hätte beschrieben werden können.
(44) Eine moderne Ausgabe mit ausführlichem Kommentar bieten Festugière, Reitzenstein und und Nock. Siehe:
Corpus Hermeticum; Hg. A.J. Festugière und A.D.Nock; Paris 1954

(45) Eine gute, wissenschaftlich fundierte Darstellung in die Welt der Kabbala gibt der deutsch/ jüdische Kabbala- Spezialist Gershom Scholem.
(46) H.P.Blavatsky; Entschleierte Isis, Leipzig 1909 S. XVII
(47) Steiner, Rudolf; Das Christentum als mystische Tatsache und die Mysterien des Altertums.(GA 8, 1902) Dornach 1976)
Es ist vorgesehen, in einem Internettext, der später erscheinen wird, auf die religiösen Vorstellungen einzugehen, die Steiner aus dem Okkultismus des 19.Jahrhundert übernommen hat.
(48) Steiner, Rudolf; Die Geschichte und die Bedingungen der anthroposophischen Bewegung im Verhältnis zur Anthroposophischen Gesellschaft (GA 258) S.85
(49) ebd. GA 258 S.85
(50) ebd. GA 258, S.86
(51) ebd. GA 258, S.106
(52) ebd. GA 258, S.100
(53) In einer vor kurzem erschienenen ausführlichen Analyse Steinerschen Theologie hat der evangelische Theologe Gassmann, den augenblicklichen Forschungsstand zusammenfassend, feststellen müssen, dass sich Steiners Aussagen mit einem Verständnis der modernen Bibelexegese nicht vereinbaren lassen:
Gassmann, Lothar; Das anthroposophische Bibelverständnis. Wuppertal/ Zürich 1993
(54) Okkultismus des 19.Jahrhunderts - Rosenkreuzerei- Kabbala
(55) A.N.Whitehead (1861-1947), O.Spann (1878-1950)
(56) In ihren Spätwerken postulierte sie dann noch zusätzlich einen angeblichen "Geheimbuddhismus", von dem sie alle religiösen Systeme des Altertums abzuleiten gedachte.
(57) Steiner, Rudolf; Lebensgang TB S. 287
(58) "Nach Maßgabe der Verhältnisse müsste ich gerade in Jena die Privatdozentur anstreben. Nun ist zweifellos, dass nach dem, was ich geleistet, diese Privatdozentur ein Pappenstiel sein müsste von seiten derer, die sie mir zu gewähren haben. Nun aber steht dem entgegen, dass ich hier einen Mann zum Vorstand (Direktor des Archivs) habe, der seit Jahren bemüht ist, mich als Null erscheinen zu lassen. (...) Ich weiß jetzt, dass ich in dem Augenblicke, als ich hierher ging, verraten und verkauft war. Ich muss die Weimarer Jahre einfach für verloren geben."
So in einem Brief von Rudolf Steiner an Pauline und Ladislaus Specht Weimar, 23.12.1895
In: Steiner, Rudolf; Briefe (GA 38) I s.272 f.
(59) Frick, Karl R.H.; Die Erleuchteten. Gnostisch- theosophische und alchemistisch - rosenkreuzerische Geheimgesellschaften im 19. und 20.Jahrhundert.. Ein Beitrag zur Geistesgeschichte der Neuzeit Band II Graz 1973 S.296
(60) "Frau Blavatsky war in Indien zum Buddhismus übergetreten und hatte sich damit in einen gewissen Gegensatz zu den hinduistisch beeinflussten Theosophen gebracht". Es kam zum öffentlichen Skandal, als die Privaträume von Blavatsky inspiziert wurden und dort ein geheimes Schiebefach entdeckt wurde, durch welches die sogenannten "Meisterbriefe" von Blavatsky befördert worden waren. - Blavatsky hatte behauptet, die "Meisterbriefe" hätten sich materialisiert. In Wirklichkeit waren sie von Blavatsky selbst geschrieben worden und fielen ihr aus diesem Schiebefach immer wieder gerade zum richtigen Zeitpunkt vor die Füße.
"... Angriffe veranlassten sie, am 31. März 1885 fluchtartig und psychisch gebrochen Indien für immer zu verlassen". In:
Frick, Karl R.H.; Die Erleuchteten. Gnostisch- theosophische und alchemistisch - rosenkreuzerische Geheimgesellschaften bis zum Ende des 18.Jahrhunderts. Ein Beitrag zur Geistesgeschichte der Neuzeit Band II Graz 1973 S.265
(61) Hübbe- Schleiden ...war "bereits 1885, also ein Jahr nach der Gründung, zusammen mit Sellin aus der ersten deutschen TG von 1884 ausgeschieden. Er war ein überzeugter Verfechter einer 'Transzendentalpsychologie' und eines Monismus. Den mystischen Spiritismus, wie er von Frau Blavatsky in Indien ausgeübt wurde und 1885 zum Skandal geführt hatte, lehnte er und seine Freunde ebenso ab wie die in der Mystik wurzelnde Theosophie Franz Hartmanns." In:
Frick, Karl R.H.; Die Erleuchteten. Gnostisch- theosophische und alchemistisch - rosenkreuzerische Geheimgesellschaften bis zum Ende des 18.Jahrhunderts. Ein Beitrag zur Geistesgeschichte der Neuzeit Band II Graz 1973 S.305
(62) FRICK, Karl R.H.; Die Erleuchteten. Gnostisch- theosophische und alchemistisch - rosenkreuzerische Geheimgesellschaften bis zum Ende des 18.Jahrhunderts. Ein Beitrag zur Geistesgeschichte der Neuzeit Band II Graz 1973 S.311
(63) Steiner; Lebensgang (TB) S.293
(64) Karl Frick erwähnt eine Summe von 30.000 RM Jahresgehalt, welche Steiner für seine Aufwendungen als Generalsekretär der Theosophischen Gesellschaft erhalten habe. Frick bezieht sich dabei auf einen Brief von Hübbe- Schleiden an seine Nichte Gretchen Boggiani. In diesem Brief wird erwähnt, dass Steiner im Jahr ein Budget von 30-40000 Mark zur Verfügung habe.
In: Norbert Klatt; Theosophie und Anthroposophie: Neue Aspekte zu ihrer Geschichte aus dem Nachlass von Hübbe Schleiden mit einer Auswahl von 81 Briefen. Göttingen 1993, Nr. 42
Stefan Leber widerspricht dem heftig, allerdings ohne sich auf diesen Brief von Hübbe - Schleiden zu beziehen. Leber verweist auf Christoph Lindenberg, der in seiner
Steinerbiographie  auf S.206 (ohne Nennung von Quellen) beteuert, Steiner habe niemals Geldzuwendungen von Seiten der Theosophischen Gesellschaft erhalten. In:
Leber, Stefan; Schwarzmagisches Sektierertum und geistige Verführung. Neue Versuche, Anthroposophie und Waldorfschulen zu diskreditieren. (Eine Studie) Sonder-Beilage der Wochenschrift 'Das Goetheanum' Nr. 44 vom 2.Februar 1997 Anlage Nr. 8 in Anmerkung 1 (S.16)
(65) GA 254, S.31/38 und S. 136
(66) So Blavatsky im Vorwort zu ihrer 'Entschleierten Isis'.
(67) GA 258, S. 106
(68) R. Steiner; "Mein Lebensgang" TB S.394
(69) R. Steiner; GA 258 S.67
(70) GA 258, S.32
(71) GA 258 S.73
(72) In: Steiners Frühschriften
(73) R. Steiner; Lebensgang TB S.39ff
(74) R. Steiner; Lebensgang TB S. 43
(75) Ein Beispiel: Steiner schreibt in seiner Autobiographie (R. Steiner; Lebensgang, TB S. 148), er habe Otto Willmanns "Geschichte des Idealismus" bei seinem Studium besonders beachtet. Willmanns sah im Platonismus einen "Ideenrest der Uroffenbarung". Diese philosophische Position muss Steiners Doktorvater Heinrich von Stein als unhaltbar angesehen haben. Bei Steiners Rigorosum ließ er es nicht zu, dass die Sprache auf den Platonismus kam, sondern führte das Gespräch allein über Fragen aus der Kantschen Philosophie. (R. Steiner; Lebensgang, TB S. 149)
(76) R. Steiner; Lebensgang TB 69
(77) ebd.
(78) R. Steiner; Lebensgang TB 150
(79) Die Froebe- Ausgabe der Blavatskyschen Schriften wurde zwischen 1898 und 1906 erstmalig herausgegeben. Es kann also durchaus sein, dass Steiner diese Ausgabe der Blavatskyschen Schriften verwendet hat und den Literaturverweisen nachgegangen ist, die darin  in Fülle) gegeben werden.
(80) R. Steiner; Lebensgang TB S.151
(81) R. Steiner; Lebensgang TB S.153
(82) Steiner über die historisch- kritische Methode am "Archiv":
"Man hat bei Goetheversammlungen hier genugsam Gelegenheit, die Sorte von Philologen, die jetzt sich in der Literaturwissenschaft breit macht, kennen zu lernen. Diese Leute sind mit Scheuklappen gegen alles, was "Idee" heißt, ausgerüstet; sie sehen nur den Buchstaben, den geistentblößten Buchstaben, den sie "Lesart", "Variante" und sonstwie nennen und von dem sie sich mehr versprechen als von jeder in den Geist Goethes eindringenden Betrachtung."
In: Steiner, Rudolf; Brief an Karl Julius Schröer 3.11.1894,GA 38 (Briefe) I S.229
(83) Steiner, Rudolf; Lebensgang TB S.293
(84) Steiner, Rudolf; Theosophie. Einführung in übersinnliche Welterkenntnis und Menschenbestimmung, Berlin 1904. (GA 9) Zitiert wird hier nach der TB - Ausgabe Stuttgart (3) 1976
Steiner, Rudolf; Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten? Berlin 1904/05 (GA 10) TB Dornach (1) 1978
Steiner, Rudolf; Geheimwissenschaft im Umriß, Leipzig 1910 (GA 13) Hier wird nach der TB - Ausgabe Dornach 1962 zitiert.
(85) Es wäre bestimmt einmal eine interessante Aufgabe, die Legendenbildungen in Bezug auf Blavatskys Biographie und die von Steiner gemachte Hagiographie zu vergleichen. Man würde dabei vermutlich viele Entsprechungen und Übertragungen finden.


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Dezember 1998 ; aktualisiert: März 2010
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