Projekt: Grundlagen der Anthroposophie

Das Anliegen:

Zum Werk Rudolf Steiners –  der Anthroposophie – gibt es an die 360 gedruckte Bände, die sogenannte „Gesamtausgabe“. Eine Unzahl von Internetseiten nehmen darauf Bezug. Mehrere Online- Enzyklopädien wurden speziell für anthroposophische Themen geschaffen. Alle Waldorfschulen, die anthroposophischen Fachhochschulen, spezielle Krankenhäuser, eigene Heilmittelbetriebe, die Christengemeinschaft und nicht zuletzt die GLS- Bank beziehen sich auf  Rudolf Steiner und seine Anthroposophie. Umfangreiche Monografien stellen das Ideengebäude der Anthroposophie im Zusammenhang mit seinem Begründer Rudolf Steiner (1861 – 1925) aus verschiedenen Perspektiven dar.

Das anthroposophische Leben stellt sich heute in äußerster Vielfalt dar, zumal es sich über Mitteleuropa hinaus ausgebreitet hat. Diese Vielfalt zu beschreiben ist hier nicht das Ziel der Arbeit. Diese Arbeit beschreibt nicht die Fülle der anthroposophischen Ideen. Darüber gibt es gute und umfassende Darstellungen.

Diese Arbeit geht nicht „in die Breite“, sondern „in die Tiefe“: An einigen signifikanten Stellen wird der zeitgeschichtliche Kontext

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verwiesen, in dem sie entwickelt wurden und aus dem heraus sie verständlich werden. Dabei wird davon ausgegangen, dass Steiner bei der Entwicklung seiner Anthroposophie literarische und philosophische Methoden verwendet hat. Irgendwelche anderen, paranormalen oder "höheren" - Methoden der Erkenntnis werden Rudolf Steiner nicht zugeschrieben. Der Autor dieser Seiten nimmt also einen Standpunkt ein, der von „Außenseitern“ ###

eingenommen wird und der von der 

 

Bis zur Wende vom 20. zum 21.Jahrhundert beschäftigten sich vor allem „Insider“ mit der Anthroposophie Rudolf Steiners. Seit einiger Zeit beschäftigen sich nun zunehmend auch Wissenschaftler verschiedener Disziplinen mit der anthroposophischen Bewegung. Wo sich Menschen beider Sichtweisen in ein Gespräch miteinander einlassen, entstehen interessante Fragestellungen. Es entstehen aber auch interessante Konflikte, die gelöst werden wollen.

Das hier vorgestellte Projekt arbeitet mit hermeneutischen Mitteln.

 

 

 

 

 Hier werden die literarischen Quellen beschrieben, welche Rudolf Steiner für seine theosophisch- anthroposophische Arbeit zwischen 1900 und 1910 aufgesucht hat.

Zur Methodik:

Vor allem aus der anthroposophischen Bewegung wird argumentiert, dass Steiner weitaus die meisten seiner Anschauungen und Gedanken aus einer eigenen, dem normalen Bewusstsein verschlossenen Erkenntnisquelle ("Intuition") gewonnen habe. Diese Hypothese ist weit verbreitet und wird gewöhnlich nicht hinterfragt.

Wenn hier im Zusammenhang dieses hier vorgestellten Projektes ohne diese "Intuitionshypothese" über Steiners Anthroposophie nachgedacht wird, dann wird hier davon ausgegangen, dass Steiner philosophisch und literarisch gearbeitet hat. Eine zusätzliche Quelle für das Zustandekommen seiner Weltanschauung wird im Zusammenhang dieser Internetseiten ausgeschlossen.

Die Intuitionshypothese wird von den meisten Anhängern Steiners, aber merkwürdigerweise auch von vielen seiner Kritiker vertreten1. Akzeptiert man die "Intuitionshypothese", so kann man keinen wirklich eigenständigen und auch keinen eigentlich kritischen Standort Steiner gegenüber gewinnen. Steiners Aussagen sind dann nicht nachprüfbar, weil subjektiv und "intuitiv". Setzt man für Steiner andere als philosophische oder literarische Erkenntnisquellen voraus, dann kann man Steiners Aussagen nur akzeptieren oder bekämpfen2, kanonisieren3 oder als häretisch betrachten4. Das aber ist nicht eigentlich eine produktive Grundhaltung. Produktiv wäre es, sich einen Standort zu verschaffen, von dem aus man selbst Steiners Grundgedanken überprüfen, verändern, verwerfen oder weiterdenken kann. Das aber ist ein Ziel des hier vorgestellten Projektes. Deshalb wird für unseren Zusammenhang die Intuitionshypothese verworfen.

 


Der gegenwärtige Stand des Projektes ist in vier Kapiteln dargestellt:

1. Steiners philosophisches Weltbild

Steiner beschrieb in seinem Frühwerk mit philosophischen Mitteln sein Weltbild, an dem er zeitlebens festhielt. Er lehnte sich dabei an Goethe an und bekannte sich zum "Monismus", den er in Abgrenzung zu Kant entwickelte.

2. Steiner, Blavatsky und der Okkultismus im 19.Jahrhundert

In diesem Internettext werden die Motive aufgesucht, aus denen die theosophische Bewegung Blavatskys im 19.Jahrhundert entstanden ist. Steiner bewegte sich zunächst nach 1902 innerhalb dieser Theosophischen Gesellschaft.

3. Vor den Toren der Anthroposophie - der französische Okkultismus im 19.Jahrhundert

Es wird aufgezeigt, dass grundlegende theosophischen Ideen im 19.Jahrhundert vor allem aus dem französischen Okkultismus genommen sind. Besonderes Gewicht wurde damals der Kabbala, dem Neuplatonismus und der Freimaurerei beigemessen. Später wurden Ideen aus der religiösen Welt Indiens dazu genommen.

4. Der anthroposophische Schulungsweg und das Yoga - Sutra: Eine Gegenüberstellung

Die auffälligen Parallelen zwischen Steiners Schulungsweg und dem Yoga - Sutra (Patanjali/ Indien, 2.Jahrhundert v.Chr) werden in diesem Internettext aufgezeigt.

Weitere Texte und Quellen:

Dokumente und Ritualtexte zur Mizraim - Freimaurerei von Blavatsky und Steiner.

Mircea Eliade: Reisebericht über einen Besuch in der Yogi - Kolonie von Rishikesh (1930)

Literaturverzeichnis

Schlagwort - Verzeichnis


© April 2005

Anfragen, Anregungen und Kritik richten Sie bitte an Erik Dilloo - Heidger, Rottweil

Fußnoten:

1 Selbst wissenschaftliche Steiner - Kritiker wie Bernhard Grom und Lothar Gassmann (um nur einige zu nennen) gehen in ihren Schriften von der Intuitionshypothese aus.
Bernhard Grom: Anthroposophie und Christentum? München 1989
Lothar Gassmann: Das anthroposophische Bibelverständnis, Wuppertal/ Zürich 1993
Der Einspruch, der bisher zu diesem Projekt "Grundlagen der Anthroposophie" erhoben wurde, entzündete sich vor allem an der Frage, ob man die Intuitionshypothese so grundweg ablehnen könne, wie ich das tue.
David Lepold hat in einem Internetbeitrag diese Art der Kritik auf den Punkt gebracht.
Lepold vertritt die These:" Anthroposophie ist Intuitionswissenschaft"

2 Charlotte Rudolph; Waldorf - Erziehung. Darmstadt (4)1988
G. Scherer; Anthroposophie als Weltanschauung. - Information und Kritik. Annweiler 1987

3 Vor allem führende Vertreter der anthroposophischen Bewegung aus der ersten Generation nach Steiners Tod haben den Standpunkt vertreten, Steiners Aussagen entstammten einer besonderen, eigens von Steiner praktizierten Erkenntnismethode. Es waren dies vor allem philosophisch wenig gebildete Naturwissenschaftler, Ärzte und Künstler, welche Steiners Ausführungen nicht in einen philosophiegeschichtlichen Kontext einordnen konnten. Deren Hermeneutik kommt zum Ausdruck in:
Marie Steiner; Die Anthroposophie Rudolf Steiners. Einleitungen und Vorworte zu Erstveröffentlichungen von Steiners Werken, Dornach 1967.
Günther Wachsmuth; R. Steiners Erdenleben und - Wirken. Dornach 1951
Albert Steffen; Begegnungen mit R.Steiner. Dornach 1955

4 Jan Badewien; Anthroposophie. Konstanz 1985.
Evang. Oberkirchenrat; Zum Verhältnis des christlichen Glaubens zu Anthroposophie und Waldorfpädagogik, Stuttgart 1988
Evangelisch- Lutherische Kirche Nordelbiens; Die Waldorfschule und ihr weltanschaulicher Hintergrund, Kiel 1986
Adolf Weisbrod; Anthroposophie und Waldorfpädagogik aus christlicher Sicht, Schriftenreihe der katholischen Elternschaft Deutschlands 1987